LICHTENFELS

Friedhofstag: Schwerer Weg durch die Trauer

Angelika Seidel (re.), die Leiterin des Friedhofsamtes, informiert hier im Beisein ihrer Kollegin Jasmin Barnickel (2. v. re.) die Teilnehmer am Friedhofsrundgang über die Stelengrabstellen am Urnenhain. Foto: Alfred Thieret

Lichtenfels Der 5. Lichtenfelser Friedhofstag wurde wie schon im Vorjahr auf zwei Tage ausgedehnt. Einer Vortragsveranstaltung am Samstagabend in der Synagoge folgten am Sonntagnachmittag zwei Rundgänge auf dem Friedhof. Zur Eröffnung des Informationsabends in der Synagoge stellte Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner die Friedhofstage als Gemeinschaftswerk hervor, an dem sich neben den Beschäftigten der Friedhofsverwaltung und den Stadtgärtnern auch gemeinnützige Organisationen sowie Bestattungshäuser und Steinmetzbetriebe beteiligen würden. Insbesondere wolle man darüber informieren wie sich die Bestattungskultur auch bei uns verändert habe.

Der Tod gehört zum Leben, das wissen wir alle. Aber wenn er dann kommt, verändert er das Leben der Angehörigen des Verstorbenen, machte Angelika Seidel, die Leiterin des Friedhofsamtes, deutlich. Wenn jemand, der uns nahe stand, stirbt, dann trauern wir. Aber trotz aller emotionalen Belastungen müssten wichtige Schritte unternommen und viele Entscheidungen getroffen werden. Das Friedhofsamt wolle deshalb anlässlich des Friedhofstages über wichtige Fragen zur Bestattung informieren.

Drei Vorträge

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aber drei Vorträge zum Thema „Friedhof und Trauer“. Mit dem Thema „Trauer und Friedhof aus Sicht der Kirche“ befasste sich Pfarrer Ralph-Peter Zettler. Allerdings stellte er gleich fest, dass es dabei weniger um den Glauben als um Kulturfragen gehe. Früher seien die Toten von zu Hause im Rahmen eines langen Trauerzuges von zu Hause zum Friedhof begleitet worden oder in einem Meer von Blumen aufgebart worden. Heutzutage würden immer mehr Einäscherungen vorgenommen.

Bis vor 200 Jahren befanden sich die Friedhöfe im Umkreis der Kirche, ehe sie an den Ortsrand verlegt wurden. Schließlich übernahmen die Gemeinden die Friedhöfe und stellten eine Friedhofsordnung auf. So habe sich die Einstellung zu vielen Dingen geändert. Trauer und Abschiednehmen habe etwas mit der Grundhaltung der Menschen zum Leben zu tun, meinte Pfarrer Zettler abschließend.

Die Stadtarchivarin Christine Wittenbauer referierte über die Geschichte des Friedhofs. Mit dem Aufkommen der Hochkulturen hätte sich auch das Bestattungswesen entwickelt. In Ägypten, wo ein ausgesprochener Totenkult herrschte, habe man Pyramiden für Pharaonen errichtet. In Kleinasien und im antiken Griechenland wurden die Toten an Orten außerhalb des städtischen Lebens begraben. Die Stadt Rom verfügte mit den Katakomben über eine ausgedehnte, unterirdische Totenstadt. Nach der Christianisierung habe man die Bestattung in den geweihten Bereich der Kirchengebäude und den eingefriedeten Kirchhof verlagert. Vor etwa 200 Jahren kam die Tendenz auf, die Begräbnisstätten von der Kirche und vom Ortskern an den Ortsrand zu verlagern, dadurch sei der Kirchhof zum Friedhof geworden.

Mit der schwierigen Frage „Wie viel Trauer brauchen wir?“, setzte sich Barbara Popp-Heimerl, die ehemalige langjährige Vorsitzende des Hospizvereins Lichtenfels, auseinander.

„Erleiden wir einen Verlust, so findet unsere Seele ohne unser Zutun eine Antwort, indem wir Trauer empfinden“, unterstrich Frau Popp-Heimerl. Das treffe für die kleinen Verluste im Alltag, die Abschiede, Enttäuschungen, zerplatzten Hoffnungen und unerfüllten Erwartungen zu, im besonderen Maße aber beim unwiederbringlichen, endgültigen Verlust eines nahestehenden Menschen.

Trauer könne krank machen, wenn sie nicht gelebt, wenn sie verdrängt werde. So heilsam die Trauer sei, der Weg durch die Trauer sei ein schwerer, ein schmerzhafter Weg. Es erfordere das Verständnis und die Solidarität der Mitmenschen, eine Bereitschaft, Trauer mitzutragen und sie in die Gemeinschaft hineinzunehmen. Neben dem Raum im übertragenen Sinn, den Trauer braucht, seien Friedhöfe der reale Raum, ein Ort für Trauernde, eine Stätte der Erinnerung, der die Verbindung zu den Verstorbenen hält, die Verbundenheit auch zu den Trauernden schafft und der gleichzeitig die Solidarität untereinander stärkt.

Die Trauer brauche so viel Raum in uns und letztendlich auch in der Gesellschaft, dass Leben und Lebendigkeit in all seinen Facetten, in seiner Vielfalt und in der ganzen Fülle gelebt werden könne, dass trotz schmerzhafter Verluste, die wir im Laufe des Lebens erleiden, die heilsame Kraft der Trauer es ermöglicht, sich immer wieder zum Leben hin mit neuer Kraft und neuem Mut zu öffnen, bekräftigte Frau Popp-Heimerl abschließend. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Flötenensemble des evangelischen Erwachsenenbildungswerkes unter der Leitung von Dorothea Lintzmeyer.

Friedhofsführung am Sonntag

Am Sonntagnachmittag stellte dann die Leiterin des Friedhofsamtes, Angelika Seidel, bei einer Friedhofsführung die unterschiedlichen Urnengrabstätten vor. Eingangs erinnerte sie daran, dass die Stadt sechs Friedhöfe unterhalte, und zwar in Lichtenfels, Buch, Mistelfeld, Oberlangheim, Trieb und Schney. Im Lichtenfelser Friedhof, der etwa 4000 Grabstätten umfasse, würden jährlich etwa 250 Bestattungen stattfinden, wobei der Anteil der Urnenbestattungen mittlerweile schon bei 70 Prozent liege. Aktuell hätten allerdings die Erdbestattungen wieder zugenommen.

Der Rundgang begann bei dem im nordwestlichen Teil des Friedhofs gelegenen dreireihigen Urnengräberfeld mit 51 Grabstellen, die individuell mit Kissensteinen, einer kompletten Abdeckplatte oder mit einer eigenen Bepflanzung gestaltet werden können. Pro Grabstätte sind hier bis zu vier Urnenbeisetzungen möglich.

Weiter ging es zu den drei Urnenstelengrabstätten in der Nähe der Aussegnungshalle. Für die einzelnen, mit zwei Urnen belegbaren Grabstellen wird hier an der zentralen Granitsteinstele ein Bronzering mit Namen, Geburts- und Todestag des Verstorbenen angebracht. Die gesamte Grabanlage werde von der Stadt unterhalten, so dass eine Grabpflege durch Angehörige entfalle, bemerkte die Leiterin des Friedhofsamtes.

Dann erläuterte Angelika Seidel die neu geschaffenen naturnahen Baumgrabstätten am Friedhofsrand. Hier seien insgesamt 109 Urnengrabplätze für je zwei Urnen pro Grabplatz vorgesehen, wahlweise mit kleinen Pultsteinen entsprechend der Empfehlung der Friedhofsverwaltung oder ganz anonym.

Der sehr schön angelegte Urnenhain im hinteren Teil des Friedhofs entstand aus einer ehemaligen Einzelgräberabteilung. Hier gebe es sowohl Urnengräber mit Stelen als auch mit Pultsteinen. Beides müsse allerdings aus heimischem Gestein sein. In jedem Urnengrab können bis zu vier Urnen beigesetzt werden. In dieser Abteilung gebe es auch noch doppeltiefe Einzelgrabstätten für zwei Beisetzungen, wahlweise als Erd- oder Urnenbeisetzung. Nach einer kurzen Besichtigung des Rasen-Urnengrabfeldes stellte die Leiterin des Friedhofsamtes noch das so genannte Christusgrab vor, ein ehemaliges Familiengrab mit einer denkmalhistorisch bedeutenden Grabmalgestaltung mit einer Christusfigur, das mit Urnengrabstellen mit Pultsteinen belegt werden soll.

Bei der Informationsveranstaltung am Samstagabend in der ehemaligen Synagoge sorgte das Flötenensemble des evangelischen Erwachsenenbildungswerkes unter der Leitung von Dorothea Lintzmeyer (2. v. li.) für die musikalische Umrahmung. Foto: Alfred Thieret