LICHTENFELS

Konzert: Leidenschaft für Musik ist grenzenlos

Knapp 100 Zuhörer genossen die berührende Atmosphäre bei diesem besonderen Konzert mit Paul Gulda und Marwan Abado. Foto: Mario Deller

Musik ist eine internationale Sprache, die jeder versteht. Bei einem außergewöhnlichen Konzert im Lichtenfelser Stadtschloss unter dem Motto „Von Bach bis Beirut“ hörten rund 100 begeisterte Zuhörer sie „reden“.

Bis in deren Herz drang der gelungene Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, musikalisch hervorragend umgesetzt durch Paul Gulda am Cembalo und dem aus Palästina stammenden Oud-Spieler Marwan Abado. Zu dem Konzert eingeladen hatte der Kreisverband von Bündnis 90 – die Grünen.

Oud? Vermutlich hatte so mancher im Publikum bisher kaum gehört von diesem Instrument, welches der aus Wien angereiste Abado so meisterhaft beherrscht. „Es ist quasi das Klavier des Orients“, erklärte dieser lächelnd. Beim der zu zupfenden Oud handelt es sich um eine orientalische Kurzhalslaute, die in der Heimat des Musikers so gebräuchlich ist wie hierzulande Gitarre oder Klavier.

Auf dem Cembalo begleitete ihn Paul Gulda. Wie Abado lebt“ auch er während der Darbietungen quasi jeden Ton, jeden Akkord, verschmilzt mit seinem Instrument. Aber gerade im Zusammenwirken von Paul Gulda und Marwan Abado wird der Sprache der Musik in einer Weise Ausdruck verliehen, dass ein Konzert, wie im Stadtschloss geschehen, zum Erlebnis wird.

„Pfad der Liebe“

„Pfad der Liebe“ nennt sich passenderweise die von Gulda und Abado gemeinsam produzierte CD. Hoffnung, Sehnsucht oder auch Lebensfreude verkörperten die Darbietungen mit hier „seufzenden“, an anderer Stelle jubilierenden Klängen. „Mirsaal Andalusi („Bote aus Andalusien“) oder „“Baed fi Hilem“ („Ich habe einen Traum“) nennen sich etwa zwei Stücke. Von Abado vorgetragene orientialische Poesietexte aus eigener Feder oder von anderen zeitgenössischen arabischen Dichtern sowie eigene Kompositionen bildeten im Stadtschloss gleichsam eine Liason mit dem malerischen Cembalospiel Guldas.

Seit acht Jahren wirken die beiden Musiker zusammen. Und in jedem weiteren Auftritt „erfinden“ sich die beiden neu. Wie Paul Gulda verriet, entfaltet sich immer auch ein freier Raum der Improvisation. Durch diese Feinheiten zusätzlich „beflügelt“ ging das Konzert im Stadtschloss tief unter die Haut.

Was ein gebürtiger Palästinenser und ein Wiener sich auf die Ohren schmeichelnde Weise musikalisch die Bälle butterweich zuspielen, ist das an sich schon Genuss pur. Hinzu kommt der die beiden auszeichnende Witz und Charme.

Zwischenzeitlich notwendiges Nachstimmen der Instrumente überbrückten sie souverän-heiter und Paul Gulda sorgte für Lacher im Publikum, als er – Stichwort unterschiedliche Kulturen - seine Erfahrungen humorvoll zum besten gab: „Bei uns in Österreich ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Hier in Deutschland dagegen ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Ja, und im Land Land meiner Großmutter, Italien, ist es am kompliziertesten: Da ist alles erlaubt, was ausdrücklich verboten ist“.

Berührende Klänge

Die umgängliche Art der Musiker steckt an. Besucher nutzten die Pause zum lockeren Plausch mit den beiden, darunter auch der in Lichtenfels lebende junge Palästinenser Hamza Abu Sameer.

„Phantastisch – das hat auch mich berührt“, dankte abschließend Matthias Söllner im Namen des Grünen-Kreisverbandes Paul Gulda und Marwan Abado für das eindrucksvolle Musikerlebnis.

„Es ist uns eine Freude gewesen“, entgegnete Paul Gulda, der an diesem Abend rechtsradikale Gesinnung aufs Schärfste verurteilte. Und Marwan Abado brachte zum Abschied eine Hoffnung zum Ausdruck, von der sämtliche Konzertbesucher beseelt waren: „Möge unsere Gesellschaft so viel Anstand beweisen, dass der Rassismus nicht Fuß fassen kann“.

Die beiden Musiker leben es musikalisch vor – nicht aus missionarischen Gründen, sondern weil Musikleidenschaft per se keine Grenzen kennt. Aber vielleicht verlieren auch die geografischen oder kulturellen ihre bisweilen trennenden Einfluss.

Noch einmal dürfen wir Abado zitieren, der mit Cembalist Paul Gulda für einen denkwürdigen und einfach wunderschönen Abend im Zeichen der Musikkunst sorgte und im Zusammenhang mit besagtem CD-Titel meinte: „Es gibt keinen anderen Weg als die Liebe – wer meint, einen anderen Weg zu kennen, sollte einmal in einem Geschichtsbuch lesen“.

Marwan Abado lässt seine Oud – eine im arabischen Raum sehr gebräuchliche Kurzhalslaute – auf berührende Art und Weise von Sehnsucht, Liebe und Hoffnung „erzählen“. Foto: Mario Deller