KLOSTERLANGHEIM

Schule der Dorf- und Flurentwicklung: 25 Jahre Lust auf Dorf und Land

Der Geschäftsführer der SDF Klosterlangheim, Joachim Omert (li.), erfreute die Redner der Festveranstaltung mit einem kleinen Geschenk (v. li.) SDF-Vorstandsvorsitzende, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Prof. Dr. Holger Magel, Maximilian Geierhos und der Lichtenfelser Bür... Foto: Alfred Thieret

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Schule der Dorf- und Flurentwicklung (SDF) in Klosterlangheim fanden sich rund 100 geladene Gäste im Konventbau ein, um dieses Ereignis gebührend zu würdigen.

In ihrem ausführlichen Grußwort stellte die Vorstandsvorsitzende der SDF, die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die Erfolgsgeschichte der SDF heraus (siehe Bericht im OT am Donnerstag und Online).

In seinem Festvortrag appellierte Prof. Dr. Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und Mitglied der Enquetekommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern“, der im Übrigen schon vor 25 Jahren zur Eröffnung der Schule die Festrede hielt, an die Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Hinblick auf mehr Gerechtigkeit für ländliche Räume.

Sein einleitendes Credo lautete: „Die Schulen der Dorf- und Flurentwicklung waren und sind nötig“. Ihr Auftrag habe sich sogar noch erweitert. So seien zum Vermitteln des Ein mal Eins bei Bürgerbeteiligung, Visionen, Leitbilderstellung, Teamarbeit, Lernen und Erstellen von Planungen, Zusammenhängen und Konfliktlösungen viele komplexe fachliche Themen hinzugekommen.

Wichtige Ziele

Dabei nannte er schnelle Internetkonzepte und flächendeckende Mobilfunkanschlüsse, Innenentwicklung, Konversion, Ortskernrevitalisierung und damit zusammenhängend Nahversorgung, flächensparendes Bauen, intelligentes Flächen- und Leerstandsmanagement, weiter dezentrale Energielösungen, Digitalisierung sowie Mobilität und ÖPNV.

Bei allem müssen sich die Schulen der Dorf- und Flurentwicklung als Anwalt, Fürsprecher, Sprachrohr und als interdisziplinäres Forum für Fragen des ländlichen Raumes verstehen, das alle Kräfte und Stimmen sammelt und koordiniert. Hierzu brauche es Querdenker und aktive Bürger, die der SDF auch zur Verfügung stünden.

Prof. Magel bemängelte das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land einerseits als auch innerhalb der ländlichen Räume andererseits. Man müsse deshalb für räumliche Gerechtigkeit sorgen und zwar in den vier Bereichen Chancen- Verteilungs-, Verfahrens- und Generationengerechtigkeit. Der ländliche Raum habe Anspruch auf diese Gerechtigkeit. Problem Nr. 1 sei die fehlende Gerechtigkeit in Infrastrukturentwicklung und Einkommen zwischen Stadt, insbesondere der Landeshauptstadt München, und Land, zwischen den Regionen wie beispielsweise zwischen Nordbayern und Südbayern oder selbst innerhalb der Regionen.

Hierzu nannte er aus Sicht der SDF drei fundamentale Schritte. Als ersten Punkt sah er einen Wandel im Denken und eine aktive Werbung für und durch den ländlichen Raum. Erforderlich sei als zweiter Schritt eine konsequente Schaffung und Förderung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum initiiert und gesteuert durch eine starke von unten nach oben entwickelte Landesplanung und Landesentwicklung mit Aussagen, Programmen und Maßnahmen zur Verbesserung der gesamten ländlichen Infrastrukturen unter Beteiligung aller Ministerien.

Wichtige Instrumente

Dies seien alles Instrumente der Wirtschaftsförderung, des Städtebaus und der Ländlichen Entwicklung. Die überzeugendste Werbeaktion vor allem in und für ballungsraumferne Landgemeinden sei die Schaffung und Bereitstellung von sicheren Arbeitsplätzen im Nahbereich. Als dritten Schritt regte er die Wiederentdeckung und Belebung der Aktiven Bürgergesellschaft unter dem Dach einer Neuen Verantwortungsgemeinschaft von Staat, Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft an, wie sie vor Jahren von dem bayerischen Politiker Alois Glück entwickelt wurde.

Man könne im Sinne der Subsidiarität nicht alles vom Staat verlangen. Es brauche vielmehr mündige, engagierte und kompetente Bürger, die zusammen mit ihrer Gemeinde eine aktive Bürgergesellschaft bilden und verantwortlich von unten nach oben Entwicklung betreiben.

Ohne den realistischen Blick auf die Situation auf dem Land zu verlieren sollten sich die Menschen gegenseitig mit dem Tagungsspruch „Lust auf Dorf und Land“ anstecken. Viel könne der ländliche Raum auch selbst tun durch Werbung für den Standort Land anstatt zu klagen. Großartige Eigeninitiative zeigten natürlich auch die ländlichen Gemeinden, die systematisch potenzielle Rückkehrer ermitteln und ansprechen.

Schulen der Dorferneuerung und Land/Flurentwicklung würden entscheidend zur räumlichen Gerechtigkeit beitragen. Beispielhaft und multiplikatorisch werde hier nämlich an der SDF mit ihren Stammreferenten und tausenden Teilnehmern aus Kommunalpolitik, Verwaltungen, Wirtschaft, Planern und Verbänden exakt das praktiziert, was gebraucht wird. Nicht der IQ, sondern der WeQ sei der Erfolgsfaktor für die gemeinsame Bewältigung der heutigen und künftigen Herausforderungen.

In der Gemeinschaft sei man leistungsstärker und nachhaltiger. Die Wir-Qualitäten stünden für Teamorientierung, Austausch auf Augenhöhe, Lernen in der Gemeinschaft, Beteiligung und Integration, Entfaltung jedermanns Potenziale und Vernetzung unseres Wissens. Dies sei ein gewaltiger Beitrag der SDF und ein großer Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit für ländliche Räume.

Maximilian Geierhos, Leiter der Abteilung Ländlicher Raum und Nachwachsende Rohstoffe am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, gratulierte ebenfalls zum 25-jährigen Bestehen der Schule, die seit ihrer Gründung einen unersetzlichen Beitrag zur aktiven Bürgergesellschaft geleistet habe. Vieles sei im Wandel. Auf die Herausforderungen der Zukunft wie dem demografischen Wandel, die Attraktivitäts- und Funktionsverluste der Ortskerne, den Klimawandel mit der Zunahme extremer Wetterereignisse, die Veränderungen unserer Kulturlandschaften, den hohen Flächenverbrauch und nicht zuletzt die Digitalisierung gelte es aktiv zu reagieren und frühzeitig die Weichen zu stellen. Mit der Dorferneuerung, der Integrierten Ländlichen Entwicklung zur Unterstützung kommunaler Allianzen, der Flurneuordnung, mit verschiedenen Initiativen und dem Leader-Programm stünden den Gemeinden und Menschen im ländlichen Raum umfangreiche Hilfen zur Selbsthilfe zur Verfügung.

Offenheit von Mandatsträgern nötig

„Für ländliche Räume voller Lebenskraft braucht es engagierte Menschen mit Eigeninitiative und Eigenverantwortung, die bereit sind über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, die sich für ihre Gemeinschaft einsetzen und anpacken“, stellte Geierhos mit Nachdruck fest. Deshalb gelte es möglichst viele Menschen im ländlichen Raum zum aktiven Einsatz für gleichwertige Lebensbedingungen zu motivieren. Erforderlich seien hierfür die Offenheit von Mandatsträgern und Behörden für eine aktive Bürgermitwirkung, die Motivation möglichst Vieler für ein solches Engagement sowie die Information und Qualifikation, die sie bestmöglich in die Lage versetzen, die Entwicklung ihrer Heimat mitzubestimmen und mitzugestalten. Diese Schlüsselqualifikationen wie gemeinsame Ideenfindung, Methoden zur Entscheidungsfindung in Gruppen, Erarbeitung von Leitbildern sowie Verstehen von Planungsabläufen und Projektorganisationen vermittle die Schule der Dorf- und Flurentwicklung. Damit sei die SDF Klosterlangheim heute eine nicht mehr wegzudenkende innovative Einrichtung für die Entwicklung des ländlichen Raums, vor allem in den drei fränkischen Regierungsbezirken. Sie bildet ein Forum für Austausch, Fortbildung und Ideensuche, unterstrich abschließend Maximilian Geierhos.

Die Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz konnte aktuell von einer positiven Entwicklung des ländlichen Raums, insbesondere für Oberfranken berichten und nannte gegenüber unserer Zeitung einige Daten. Die Bevölkerungszahlen seien stabil und auch die Geburtenrate sei seit kurzem wieder steigend. Die wirtschaftliche Lage sei gut. Die Arbeitslosenquote habe im Sommer 2018 nur noch rund drei Prozent betragen. Ob es um den Ausbau der Verkehrswege oder die Breitbandversorgung, um die Unterstützung unternehmerischer Investitionen oder den Ausbau der Hochschulen und der wirtschaftsnahen Forschungsinfrastruktur, die Stärkung der Innenorte die Förderung unserer kulturellen Einrichtungen geht, Investitionsentscheidungen und Fördermaßnahmen der Staatsregierung hätten hierzu maßgebliche Beiträge und wertvolle Impulse geleistet.

Thema „Breitbandausbau“

Die Staatsregierung nehme das Verfassungsziel der gleichwertigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Bayern ernst. Im Bereich Breitbandausbau seien alle 214 oberfränkischen Städte und Gemeinden in das Förderprogramm des Freistaates eingestiegen. Nach einer Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erweise sich der Versorgungsgrad nach Geschwindigkeit und Regionstyp in Oberfranken sogar als deutlich höher als im Landesdurchschnitt.