LICHTENFELS

Lesertelefon: Mit dem Auto in Lichtenfels den Gehweg entlang

Nur wenige Meter vom Parkhaus Bürgerweg stellen Autofahrer ihre Fahrzeuge unter der Franz-Josef-Strauß-Brücke ab. Dahin gelangen sie aber nur über einen Geh- und Radweg. Foto: Markus Drossel

Bei dieser Begegnung traut die OT-Leserin ihren Augen nicht: Wie so oft ist sie auf dem Geh- und Radweg vom Dr.-Hauptmann-Ring in Richtung Bürgerweg unterwegs, geht dabei unter der Franz-Josef-Strauß-Brücke durch, da kommt ihr ein Auto entgegen. Die Fußgängerin fühlt sich im Recht (und ist es auch), geht forsch weiter, doch der Autofahrer denkt gar nicht daran, auszuweichen. Letztlich ist es die Passantin, die, vom Auto genötigt, Platz macht. Der Fahrer setzt ungerührt seinen Weg fort – und parkt letztlich unter der Brücke.

Vorfälle wie der geschilderte hätten keinen Seltenheitswert, sagt die Lichtenfelserin bei ihrem Anruf in der Redaktion. Das Obermain-Tagblatt hakt deshalb bei der Polizeiinspektion Lichtenfels nach. „Wer mit dem Auto einen Geh- und Radweg befährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Verwarnungsgeld belegt ist“, erklärt Polizeihauptkommissar Jürgen Hagel. Mindestens zehn Euro werden dann fällig. „Wenn ein Radler oder Fußgänger wegen des Autofahrers anhalten muss, so ist das ein Vorfall mit Behinderung, was 15 Euro kostet. Und müssen Radfahrer oder Fußgänger gar ausweichen oder bei Seite springen, ist es eine Gefährdung.“ Das ahnden die Ordnungshüter mit 20 Euro.

„Viel zu billig!“, findet die OT-Leserin. „Genau deswegen riskieren es die Leute ja und fahren auf dem Geh- und Radweg. So sparen sie sich die Parkgebühren für das Parkhaus Bürgerweg.“ Die ersten 30 Minuten sind dort übrigens kostenfrei, jede weitere angefangene halbe Stunde kostet 50 Cent, die Tagesgebühr beträgt fünf Euro.

Stadt: „keine Beschwerden“

Eigentümer der Fläche unter der Franz-Josef-Strauß-Brücke ist übrigens die Stadt Lichtenfels. „Uns ist bekannt, dass dort Autos auf unserem städtischen Grundstück parken“, bestätigt Pressesprecher Sebastian Müller. „Beschwerden von Bürgern sind bei uns noch nicht eingegangen, weshalb ein Einschreiten oder bauliche Maßnahmen unsererseits derzeit nicht geplant sind.“ Die OT-Leserin hält dagegen: „Ich habe die städtische Parküberwachung darauf angesprochen, die das mit dem Bauamt abklären wollte.“ Die Parküberwachung gab ihr zur Antwort, dass sie nur einschreiten könne, wenn ein Auto auf dem Geh- und Radweg parke. Alles andere sei Sache der Polizei.

„Ich bin täglich auf dem Weg unterwegs, auch mit meinen Enkeln. Und für die ist die Situation besonders gefährlich, aber auch für ältere Menschen, die vielleicht nicht mehr so schnell reagieren können“, warnt die Anruferin beim Gespräch mit der OT-Redaktion. „Wer den Geh- und Radweg entlang des Bürgerwegs in Richtung Stadtmitte nutzt, der muss immens aufpassen. Oft schießen dann von rechts, von der Brücke, Autos heraus. Und die sieht man aufgrund des Gebüsches erst sehr spät!“

Hinzu kommt, dass der „Parkplatz“ unter der Brücke nicht befestigt ist. „Wenn es geregnet hat, ist der Geh- und Radweg dann richtig verschlammt, voller Matsch.“ Als der Autor dieser Zeilen sich ein Bild vor Ort machte, kam er auch mit einem Besitzer eines Elektrofahrzeugs ins Gespräch. Dieser war verwundert, und der Meinung, er dürfe mit seinem Strommobil auch Geh- und Radwege nutzen.

„Nein, das stimmt nicht. Auch ein E-Auto ist ein Kraftfahrzeug, und die haben auf Geh- oder Radwegen nichts zu suchen“, erwidert Polizeihauptkommissar Jürgen Hagel.

„Ich bin täglich auf dem Weg unterwegs, auch mit meinen Enkeln. Und für die ist die Situation besonders gefährlich, aber auch für ältere Menschen.“
Eine Lichtenfelserin am OT-Lesertelefon

Die Stadt Lichtenfels wird auf Nachfrage dieser Redaktion prüfen, inwieweit ein Pfosten oder ein Poller die Autos daran hindern könnte, über den Geh- und Radweg zu fahren. Alternativ wäre es auch möglich, den Wegabschnitt zwischen Bürgerweg und der Brücke offiziell für Kraftfahrzeuge freizugeben. Wenn man die kostenlosen Parkplätze weiterhin behalten möchte.

Der Fußgänger auf der Parkbank traut seinen Augen nicht: Auf dem Geh- und Radweg fährt ein Auto an ihm vorbei. Foto: Markus Drossel