EBENSFELD/BAD STAFFELSTEIN

Flüchtlinge am Obermain: Erst Schule, dann in die Bäckerei

Hoffen auf eine berufliche Zukunft in Deutschland: Fahad, Ahmad aus Afghanistan und Ahmad aus Pakistan (v.li.). Unser Foto entstand in ihrer momentanen Bleibe in der Gemeinschaftsunterkunft in Ebensfeld. Foto: Roger Martin

Ahmad und Fahad kommen aus Pakistan. Beide gehen auf die Adam-Riese-Mittelschule in Bad Staffelstein und wollen im kommenden Jahr dort ihre Mittlere Reife ablegen. Ahmeds Namensvetter kommt aus Afghanistan, lebt ebenfalls in Ebensfeld und geht ebenfalls auf die Schule. Er hat zudem verschiedene Berufspraktika absolviert. Neben ihrem gemeinsamen Wohnort haben die Drei eines gemein: Sie arbeiten an ihrer beruflichen Zukunft und wollen bald auf eigenen Füßen stehen.

Ihre Bemühungen, in Deutschland sesshaft zu werden, könnten umsonst sein. Sie stecken mitten in ihren Asylverfahren. Obwohl sie gut integriert und arbeitswillig sind, muss jeder von ihnen momentan damit rechnen, wieder abgeschoben zu werden.

Die beiden Pakistani wohnen und leben derzeit in der Unterkunft für junge unbegleitete Flüchtlinge direkt an der Hauptstraße in Ebenfeld. Dort werden sie und alle weiteren Flüchtlinge hauptsächlich von Mitarbeitern der öffentlich geförderten Jugendhilfe-Einrichtung MOBAM (Mobile Betreuung an Menschen) in Bamberg betreut.

Ahmad und Fahad sind nach Deutschland geflüchtet, weil ihre Familien entweder politisch verfolgt wurden oder Gewalt im Dorf das eigene Leben bedrohte. Über Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich kamen sie vor zwei und drei Jahren in die Bundesrepublik. Am Obermain wollen sie beruflich Fuß fassen. Beide streben nach der Schule eine Ausbildung im Bäckereiberuf an.

„Kein Problem mit frühem Aufstehen“

Ahmed droht die Abschiebung, obwohl er in der Mittelschule gut mitkommt und die neunte Klasse geschafft hat. Mit seinen Zeugnisnoten ist er zufrieden, sagt er. Fahad ist 16. Sein Vormund hat Antrag auf Asyl gestellt. Ahmed und Fahad sind dicke Freunde. „Der Bäckerberuf gefällt mir,“ sagt Fahad. Beide Pakistani sagen im Gespräch mit dieser Redaktion, ihnen sei bewusst, dass dieser Beruf mit außergewöhnlichen Arbeitszeiten verbunden ist. Um vier Uhr aufstehen, das würden beide machen, damit sie ihre Wunschausbildung erhalten.

Ahmed habe mit „Ach und Krach“ in den Ferien die Möglichkeit bekommen, ein Praktikum bei einer Bäckerei zu absolvieren, sagt der Ebensfelder Pfarrer Rudolf Scharf, der sich ebenfalls um die Flüchtlinge kümmert. Ein Praktikum sei wie ein Lichtstreifen am Horizont für jene, die von Abschiebung bedroht sind. Aber es ist - ebenso wenig wie eine Ausbildungsstelle - keine Versicherung fürs Hierbleiben.

Er habe miterleben müssen, so der Geistliche, wie ein junger Flüchtling mitten aus einer Ausbildung als Mechatroniker gerissen und abgeschoben worden sei. Der Geistliche wünscht sich sehr, dass Fahad und Ahmad dieses Schicksal erspart bleibt. Dafür wollen beide noch Einiges tun. Wenn sie mit der Schule fertig sind, wollen sie in die Berufsintegrationsklasse nach Lichtenfels gehen. „Dort können wir unser Deutsch weiter verbessern,“ sagen sie.

Beim Redaktionsgespräch im Pfarrheim in Ebensfeld sitzt ein weiterer junger Mann am Tisch, der ebenfalls auf den Vornamen Ahmad hört. Er ist vor zweieinhalb Jahren aus Afghanistan über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland und wie die Pakistani nach Deutschland geflohen. Die Situation sei für ihn lebensbedrohlich geworden. Als die Taliban seinen Vater rekrutieren wollten, habe der sich zunächst geweigert. Die islamistische Miliz habe daraufhin dem Vater gedroht, dessen Sohn umzubringen. „Mein Vater hat gesagt, das ist viel zu gefährlich für dich. Du musst fliehen,“ so Ahmad im Gespräch.

Der junge Mann strengt sich an, um in Deutschland bleiben zu können. Im Moment geht er – wie seine Freuned aus Pakistan – auf die Schule. In den Ferien hat er bereits bei mehreren Praktika Berufsalltag geschnuppert.

Hoffesten Brot gebacken.

„Sie dürfen selbst die einfachsten Arbeiten nicht machen.“
Heimischer Unternehmer, zur Situation mancher Flüchtlinge

Er war bei einem Autohaus in Lichtenfels, danach lernte er eine Woche den Beruf des Altenpflegers in Kutzenberg kenne und landete schließlich für eine weitere Woche in einer Bäckerei in Bad Staffelstein. Ganz früh musste er aufstehen, wie er sagt, um rechtzeitig im Betrieb zu sein. „Ich möchte gerne Brot und andere Produkte backen“, sagt der Afghane, der bald 18 Jahre alt wird. In seiner früheren Heimat habe er bereits bei

Sein Chef in Bad Staffelstein habe ihm nach dem Praktikum eine Ausbildungsstelle angeboten. „Sie waren zufrieden mit mir,“ sagt Ahmed. Die Mitarbeiter seien sehr nett. Aber die Ausländerbehörde spiele nicht mit. Ahmed hat gegen seinen bereits zugegangenen Abschiebebescheid geklagt. Er bekommt derzeit keine Arbeitserlaubnis.

„Ich bemühe mich ständig um Praktika und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge und habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht,“ sagt Hans-Georg Kerling vom Unternehmen gleichen Namens. Er habe Ahmad kennen gelernt. Er könne nicht verstehen, dass junge Flüchtlinge, die arbeiten wollen, so lange warten müssen. „Sie dürfen selbst die einfachsten Arbeiten nicht machen“, sagt er weiter. Ahmad würde sehr gerne seine Ausbildung als Bäckerlehrling beginnen. Es ist fraglich, ob das klappt. Momentan muss er um seinen Aufenthalt in Deutschland bangen. „Ich habe Angst, dass ich abgeschoben werde, sobald ich 18 bin,“ sagt er und schnauft tief durch.