SCHNEY

Tag des offenen Denkmals: Ein Schloss verpflichtet

Der Balkon war jüngst das Sorgenkind: schwere Statikprobleme. Ein Schloss ist immer eine Baustelle. Foto: Till Mayer

Was sich wohl Dietz von Marschalk gedacht hätte, würde er das Schloss Schney heute sehen: die bunte Schar von Menschen, die dort ein und ausgehen. Junge Leute, Wissenschaftler, Sänger, Turner, Schachspieler, Soldaten, Schiedsrichter, Betriebsräte, Menschen aus aller Herren Länder. 1378 ließ er dort eine befestigte Burganlage errichten. Zuvor hatte er das ganze Dorf von seinem Vetter Heinrich Marschalk zu Steinbeck für 1400 Pfund Heller gekauft. Es waren unruhige Zeiten, die hohe und dicke Mauern zum Schutz forderten.

Bis 1503 kam es zu mehrmaligen Zerstörungen, dann wurde das Schloss im Barockstil wieder aufgebaut. Am Tag des offenen Denkmals erfährt man am Sonntag, 9. September, ab 14 Uhr viel über die Geschichte des ehrwürdigen Gemäuers und über das Bildungszentrum der Franken-Akademie, die dort heute beheimatet ist.

„Bis zur Sanierung war die Decke abgehängt. Dann kam der wunderschöne Stuck zum Vorschein.“
Susann Biedefeld, Franken-Akademie

Vom Fluch und Segen, eine Akademie in einem Schloss zu unterhalten, erzählt Susann Biedefeld dieser Redaktion im Vorfeld. Mitten in der Gaststätte des Schlosses steht die Landtagsabgeordnete mit stolzem Blick. „Alles licht und hell hier“, erklärt sie. Klare Linien, helle Holzvertäfelung an den Wänden, helle Holztische, helle Wandfarben. Die einzigen Schnörkel in dem bewusst schlicht gehaltenen Gasträumen, die gibt es in der historischen Stuckdecke zu sehen. „Bis zur Sanierung war die Decke abgehängt. Dann kam der wunderschöne Stuck zum Vorschein“, berichtet Susann Biedefeld. Und fügt hinzu, warum zur Freude über den unterwarten historischen „Schatz“ zugleich auch die Furcht vor einem deftigen Anstieg der Sanierungskosten dazu kommt. Denn der Denkmalschutz liebt erhaltenswerte Details und fordert ihre Umsetzung auch bei Sanierungen.

Zum Glück gibt es Zuschüsse vom Freistaat, dem Denkmalschutz bis zur Oberfranken-Stiftung. In jüngster Vergangenheit wurde gerade viel saniert, investiert und modernisiert: 1,2 Millionen Euro kostete es, die Gästezimmer umzubauen, die Gaststätte komplett zu erneuern, Brandschutztüren und -treppen anzubringen, die Schulungsräume zu modernisieren. Dann kam da noch die Sache mit der denkmalgeschützten Stützmauer, die drohte nicht mehr zu halten, was sie halten sollte: 100 000 Euro kosten hier allein die Sanierungsarbeiten. Ein ganz besonderes Kleinod am Schlossgebäude entwickelte sich zum Sorgenkind: „Der Balkon durfte nicht zum Sicherheitsrisiko werden“, berichtet Susann Biedefeld. Mit einem Einsatz von 25 000 Euro konnte er zumindest gerettet werden.

Der Charme von Jahrhunderten

Balkone, die drohen in Schieflage zu geraten, alte Gemäuer mit unberechenbaren Überraschungen, das alles gehört dazu, besitzt ein Verein ein Schloss. Doch es hat etwas, das ein moderner Bau in dieser Weise nie besitzen kann: Charme und die Würde von Jahrhunderten. Das ist, da ist sich Suann Biedefeld sicher, ein unbeschreiblich wertvoller Schatz.

Das alles erzählt die Landtagsabgeordnete, als sie durch die Gebäude der Franken-Akademie führt. Auch davon, dass die Anforderungen stetig steigen. „Als Bildungseinrichtung müssen wir mit modernen Übernachtungsmöglichkeiten aufwarten, sonst sind wir einfach nicht konkurrenzfähig“, erklärt sie, als sie die frisch sanierten Gästezimmer präsentiert. Die Risse im Wandputz im Barocksaal zeigen, ein historisches Gebäude wie ein Schloss bleibt immer eine ewige Baustelle.

18 000 freiwillige Arbeitsstunden

Das bekam 1950 die Freie Turnerschaft zu spüren. Sie kaufte damals das Schloss. In einem beispiellosen Einsatz renovierten die Mitglieder den völlig heruntergekommenen Adelssitz in 18 000 freiwilligen Arbeitsstunden.

Schon 1951 folgte die Gründung des Vereins für Jugendpflege und Volksbildung (VJV) mit Herbert Hauffe als Vorsitzendem. Es waren oft Kurse, die das Zupacken lehrten, handwerkliches Wissen vermittelten. „Gerade Vertriebenen und Flüchtlingen sollte damals geholfen werden, ein neues Leben aufzubauen“, erklärt Susann Biedefeld. 1968, in der Bundesrepublik schickten sich viele Menschen an, Experimente zu wagen, da pachtete der VJV das Schloss.

1995 benannte sich der Verein in „Franken-Akademie Schloss Schney“ um. Heute steht die politische Bildungsarbeit im Mittelpunkt. Zu Seminaren kommen Betriebsräte und Soldaten. Oder auch ein ganzer Schwung Chinesen, die die fränkisch kochende Gaststätten-Küche vor die eine oder andere Herausforderung stellen.

Den Ursprüngen treu bleibt sich die Akademie auch, wenn sie Kurse für Flüchtlinge anbietet. Und die Freie Turnerschaft und der Gesangsverein haben weiter ihr Domizil im Anlagekomplex. So ist das, Tradition verpflichtet.

Tag des offenen Denkmals

Die Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offnen Denkmals findet am Sonntag, 9. September, 14 Uhr, auf Schloss Schney statt. Eröffnungsworte spricht Landrat Christian Meißner und Bürgermeister Andreas Hügerich. Vorträge halten Susann Biedefeld und Kreisheimatpflegerin Andrea Göldner. Thomas Schaller spielt auf der Gitarre. Zur gleichen Zeit feiert der Ort Kirchweih.
Der Stolz der Akademie-Vorsitzenden Susann Biedefeld: der völlig sanierte Gaststättenbereich. Foto: Till Mayer

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