LICHTENFELS

Archivverlegung: Stadt Lichtenfels kauft Judengasse 4

Die Stadt Lichtenfels hat das Gebäude Judengasse 4 gekauft und will dort den Großteil ihres Archivs unterbringen. Foto: Roger Martin

Die Stadt Lichtenfels hat – wie bereits vorab berichtet – das Anwesen Judengasse 4 gekauft, in der jetzt noch ein Eisenwarengeschäft beheimatet ist. Dorthin soll das städtische Archiv umsiedeln, das derzeit an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet untergebracht ist.

Pressesprecher Sebastian Müller übermittelte den Medien am Donnerstag nachmittag eine Pressemitteilung zum Kauf der Immobilie. Die Stadt Lichtenfels sei bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für das Stadtarchiv, da die bisherigen Räume für den Platzbedarf nicht mehr ausreichend seien, schreibt er.

Zum Handeln gezwungen

Die Außenstellen der Archivräume an den Standorten Marktplatz 10 und an der Herzog-Otto-Mittelschule stünden darüber hinaus mittelfristig nicht mehr zur Verfügung. Auch für die Räume im Kindergarten Seubelsdorf, in dem ein Außendepot untergebracht sei, sei anderweitig Bedarf angemeldet worden. „Daher wurde bereits in den Haushaltsplänen der letzten Jahre das Stadtarchiv in die mittelfristige Finanzplanung mit aufgenommen,“ so Müller weiter. Im Zuge einer Anfrage des Landkreises Lichtenfels bei den Kommunen des Landkreises für eine Nachnutzung des Helmut-G.-Walther-Klinikums hatte die Stadt Lichtenfels ursprünglich auch dort für Archivräume Bedarf angemeldet. „Da diese Möglichkeit voraussichtlich nicht zum Tragen kommt, musste sich die Stadt Lichtenfels anderweitig umsehen,“ so Müller weiter.

Lagerplatz für Synagoge

Fündig geworden sei die Stadt Lichtenfels nun in der Judengasse, die in Nachbarschaft zur ehemaligen Synagoge und zu den Rathäusern liegt. Dort habe die Kommune das aufgrund der Geschäftsaufgabe frei werdende Gebäude Judengasse 4 (Eisenhandlung Wenzel) mit dem dazu gehörigen Grundstück. „Der Standort der Immobilie ist ideal für die Arbeitsabläufe der Verwaltung,“ so Müller Es seien kurze Wege von den Büroräumen der beiden Rathäuser zur Judengasse, zumal der Innenhof des Rathauses II (Marktplatz 5) direkt an das erworbene Gebäude angrenzt.

Hier bestehe nun die Möglichkeit einen Großteil des Archivs inklusive Museumsdepot und Nebenräume (Bearbeitungsraum, Quarantäneraum, etc.) an einem Ort zentral unterzubringen. Neben der Nutzung als Archiv könnten die knapp 800 Quadratmeter Nutzfläche der Judengasse 4 zusätzlich auch zu einem kleineren Teil als Lager für die ehemalige Synagoge dienen. Denn auch in der ehemaligen Synagoge fehle es an Platz, beispielsweise für die Lagerung von Veranstaltungsequipment.

Die Trauungen in der Synagoge seien nur eine Nutzung von vielen, so Sebastian Müller in einer Reaktion auf einen Standpunkt dieser Redaktion in der Donnerstags-Ausgabe.

Die ehemalige Synagoge werde von der Stadt, aber auch von Vereinen und Verbänden als Veranstaltungsort für Konzerte und Lesungen sowie für Sitzungen und Versammlungen genutzt. Allein im Jahr 2017 hätten insgesamt über 75 Veranstaltungen in der ehemaligen Synagoge stattgefunden.

„Platznot in der Stadtbücherei“

Die Stadtverwaltung könne nicht nachvollziehen, wenn im OT-Standpunkt idie Meinung vertreten werde, die Stadtbücherei sei seit Jahren in einem angemessenen großen Raum im Rathaus II untergebracht. Stadtarchivarin und Leiterin der Stadtbücherei, Christine Wittenbauer, habe hierzu bereits im Stadtrat im Juli 2017 in öffentlicher Sitzung berichtet und anhand von Zahlen und Fakten die derzeitige unzureichende Situation dargelegt. Das Obermain-Tagblatt habe darüber ebenfalls berichtet.

Die aktuellen Räumlichkeiten der Stadtbücherei betragen 150 Quadratmeter. Die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen empfehle für Lichtenfels nach fachlichen Richtlinien rund 900 Quadratmeter.

Eine Weiterentwicklung und Modernisierung so wie eine attraktive Präsentation der Medien, eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität sowie Raum für Veranstaltungen aufgrund des Platzproblems sei bei den jetzigen Gegebenheiten schwierig, so Müller. Daher empfehle auch die Landesfachstelle unbedingt eine Vergrößerung der Bücherei.

Es bleibe auch dabei, dass die Stadbücherei in das Anwesen Marktplatz 10 umziehen soll. Es gebe keine „schwer wiegende Gründe“ für eine andere Planung. Sebastian Müller: „Von einem Umzug der Stadtbücherei in die Judengasse war nie die Rede.“