OBERLANGHEIM

Agrarpolitische Diskussion mit Landtagskandidaten: „Kauft regionale Produkte“

Agrarpolitische Diskussion mit Landtagskandidaten: „Kauft regionale Produkte“
Podiumsdiskussion der Landtagkandidaten: (v. li.): Detlef Rauh (AfD), Georg Deuerling (FW), Thomas Müller (ÖDP), Jürgen Baumgärtner (CSU), Ralf Pohl (SPD), Edith Memmel (Die Grünen). Foto: Andreas Welz

Es ging am Donnerstag querbeet bei der Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten des heimischen Wahlkreises Kronach–Lichtenfels im Gasthaus „Zum Löwen“ in Oberlangheim. Eingeladen hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Amtsleiter Hans Vetter moderierte. „Die Bayerische Agrarpolitik hat wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung unserer Bauernhöfe. Damit stehen die Kandidaten für die Landtagswahlen am 14. Oktober als potenzielle Abgeordnete in einer besonderen Verantwortung“, so der leitende Landwirtschaftsdirektor. Der Kreisberatungsausschuss Lichtenfels als Dachorganisation aller landwirtschaftlichen Verbände und Institutionen habe daher eine Podiumsdiskussion mit allen Kandidaten vorbereitet.

AfD–Bewerber erzeugt ein Raunen

Raunen ging durch den Saal, als Detlef Rauh (AfD) bekannte, dass er von der Landwirtschaft keine Ahnung habe und nur etwas dazulernen wolle. Als aber einer der Bauern infrage stellte, dass die Wünsche und Forderungen der gewählten Kandidaten auch „oben“ ankommen und umgesetzt werden, empfahl der Weißenbrunner aus dem Landkreis Kronach: „Dann müssen sie anders wählen“. Das brachte Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) auf die Palme: „Blank Ahnung, aber mitmischen“. Und schon war ein politisches Geplänkel im Gange, das Moderator Hans Vetter energisch beendete.

Georg Deuerling (FW), der auf Listenplatz 11 kandidiert, kritisierte den immensen Aufwand der Bürokratie. Der Bauamtsmitarbeiter der Stadtverwaltung Lichtenfels engagiert sich für den Landschaftsschutz, der insbesondere den Bauern zu verdanken sei. Er ist der Ansicht, dass bei EU-Verordnungen in Bayern noch eins draufgelegt werde.

Thomas Müller (ÖDP) aus Burgkunstadt ist sich mit seinen Kollegen einig: „Der Berufsstand der Bauern muss aufgewertet werden“. Er fordert einen Existenzsicherungsvertrag und die Unterstützung für ökologische Betriebe. Ihm schweben 500 Euro pro Hektar vor, die gestaffelt bis 500 Hektar ausgezahlt werden sollten. Die Förderung sollte an die Arbeitsplätze gekoppelt werden. Man müsse daher stärker zwischen bäuerlicher Landwirtschaft und Agrarfabriken differenzieren. Eine weitere Forderung des Burgkunstadter Apothekers ist die drastische Senkung des Flächenverbrauchs.

Lob erhielt Kreisbäuerin Marion Warmuth für das Projekt „Landfrauen machen Schule“. Es sei den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband seit jeher ein großes Anliegen, Kindern die heimische Landwirtschaft nahezubringen. Dabei spiele die Ernährungsbildung eine große Rolle, ergänzte die Kreisbäuerin.

Warnung vor Scheuklappen

Jürgen Baumgärtner plädiert für Investitionssicherheit, zum Beispiel bei Neubauten von Ställen. Er bekennt sich zum Zwei-Säulen-System der Förderung für Landwirte. Die erste Säule beinhalte Direktzahlungen an Landwirte sowie die gemeinsamen Marktordnungen für einzelne landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die zweite Säule ergänze die gemeinsame Agrarpolitik und ziele auf die Entwicklung des ländlichen Raums hin. Im Rahmen der Digitalisierung sollten Landwirte einen Bonus erhalten. Beim Thema „Jagd und Wild“ ist er dafür, dass der Wolf, wenn er kommt, auch bejagt werden solle. Baumgärtner wendet sich gegen genmanipulierte Produkte und warnte vor ideologische Scheuklappen beim Naturschutz.

Auch Ralf Pohl (SPD) wünscht sich den Erhalt und die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft. Er machte deutlich, dass Subventionen keine Geschenke an die Landwirte seien. In Hinblick auf die Globalisierung fordert er, dass weltweit vertraglich die Standards eingehalten werden. Ein schnelles Internet und gute Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum sind weitere Forderungen des Küpser Kreisrats. In die Dorferneuerung sollte mehr Geld investiert werden. „Wir müssen die Heimat schmackhaft machen“, wünscht er sich.

Gegen enormen Flächenverbrauch

Von den Grünen engagiert sich Edith Memmel aus Mitwitz für Bauernmärkte und verurteilt den enormen Flächenverbrauch für Industrieanlagen oder Supermärkte. Landwirtschaftliche Flächen dürften nicht an die Großindustrie verkauft werden. Den Milchpreis mit 33 Cent pro Liter hält die Innungsobermeisterin in der Töpfer- und Keramikerinnung Bayern für zu niedrig. Auch sie zollte den Landfrauen Respekt und warb für regionale Produkte.

Kauft regionale Produkte

In der Diskussion wurde der Einsatz von Antibiotika gebilligt. Er sei gegenüber der Verabreichung in Krankenhäusern geradezu minimal. Alle waren sich einig über die missglückte Plakatwerbung für das Tierwohl von der ehemaligen Umweltministerin Barbara Hendricks Hendricks. Ein ganzer Berufsstand werde undifferenziert an den Pranger gestellt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Marion Warmuth bedauert, dass der Bayerische Bauernverband oft keine Chance habe, sich in der Politik zu etablieren. Die Antwort auf die billigen Lebensmittel der großen Ketten könne nur sein: „Kauft regionale Produkte.“

Erneut wurde ein möglicher Frankenwald Nationalpark diskutiert. Jürgen Baumgärtnr, der das Projekt unterstützt hatte, erläuterte: „Wir wollen den Frankenwald umbauen, so wie er vor 150 Jahren war.“ Das Projekt schaffe Arbeitsplätze und ziehe Touristen an. Das stellte Heike Kunzelmann infrage. Die Bundestagskandidatin 2017 der AfD aus Buch am Forst nahm den Bayerischen Wald als Beispiel: „Im Nationalpark Bayerischer Wald wütet der Borkenkäfer. Tote Bäume, soweit das Auge reicht“. Die Täfelchen und Hinweisschilder seien nur Show.

Überbordende Bürokratie

Das Eingangsreferat hielt der BBV-Kreisobmann Michael Bienlein. Er kritisierte politische Vorgaben und gesetzliche Auflagen und eine überbordende Bürokratie. Beim Flächenverbrauch macht er den Vorschlag, Industriebrachen zu nutzen. Und auf Supermärkten könnten Parkdecks installiert werden. Die Trockenheit habe große Einbußen beim Getreide zur Folge und das sei auch beim Mais zu befürchten.

Der Vorsitzende des Verbandes Landwirtschaftlicher Fortbildung, Rudi Steuer, sprach das Schlusswort. Er bat um Unterstützung bei der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Auf neuen Straßen, zum Beispiel der B 173 neu, sollten auch landwirtschaftliche Fahrzeuge zugelassen werden.

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