LICHTENFELS

Diana Neckermann: Frauenfußball in Lichtenfels geprägt

Hat den Frauenfußball in Lichtenfels geprägt: Diana Neckermann vom 1. FC Lichtenfels. Foto: Roger Martin

Wenn es um Frauenfußball geht, dann lässt Diana Neckermann nicht locker. Die Spielertrainerin aus Lichtenfels hat Teams aufgebaut, betreut und trainiert. Sie spielte auf dem Feld und inzwischen im Tor und sie sorgt dafür, dass immer wieder junge Frauen zum Fußballsport kommen.

Inzwischen ist sie „Mädchen für alles“ bei der Spielgemeinschaft des 1. FC Lichtenfels mit dem TSV Staffelstein. Das Team belegte in der abgelaufenen Saison in der Kreisliga einen hervorragenden dritten Platz.

Frauen im Kampf um das runde Leder: Das hat sich in der Korbstadt und in etlichen Vereinen im Landkreis schon längst fest etabliert. 1992, als Diana Neckermann zum ersten Mal die Fußballschuhe anzog, sah das noch ganz anders aus. „Macht mal,“ habe es beim FC geheißen, als es genau in diesem Jahr gelang, eine Damenmannschaft ins Rennen zu schicken, erinnert sich die Lehrerin an der Herzog-Otto-Mittelschule.

Und die Frauen haben es sehr gut gemacht, obwohl die Voraussetzungen alles andere als gut waren. „Keine der Frauen, die beim FC anfingen, hatte Erfahrung mit Fußball,“ sagt sie im Interview mit dieser Redaktion. Hämische Kommentare zum Thema Frauenfußball waren um diese Zeit nicht selten.

Mit der Lichtenfelserin als „Antreiberin“ auf und neben dem grünen Rasen und weiteren Leitfiguren im Laufe der Jahre wie Annette Rübensaal, Dagmar Hohl oder Melanie Waidhas seien die FC-Damen fußballerisch immer besser geworden. Nach zwei Aufstiegen 1995 und 2006 mauserten sie sich zum festen Bestandteil in der Bezirksoberliga. „Die Lichtenfelserinnen sind zu einer echten Hausnummer in Oberfranken geworden,“ hieß es in einem Bericht auf einem Sportportal über diesen Zeitabschnitt.

Damals war die Auswahl an Spielerinnen groß. „Wir waren zu Beginn ungefähr 20 Fußballerinnen. Das war die Blütezeit“, meint Neckermann. Dann hörten die ersten der älteren Akteurinnen auf. Weitere der ersten Generation wechselten als Spielerinnen oder Trainerinnen zu anderen Vereinen. Um weiter höherklassig spielen zu können, musste sich die Mannschaft entweder verjüngen, von auswärts verstärken oder mit anderen Vereinen zusammenschließen. Da es an wechselwilligen erfahrenen Spielrinnen mangelte und zwischendurch sogar „die Auflösung“ der Mannschaft mangels Personal gedroht habe, so die 50-Jährige, sei es zur Fusion gekommen. Zunächst mit Frauen vom VfB Neuensee, danach mit den Staffelsteinerinnen.

Spielgemeinschaft in der Kreisliga

Das Zusammenspiel mit den Kickerinnen aus der Badstadt funktioniere sehr gut. Vier Spielerinnen von dort verstärken derzeit das Team. Im Winter wird in der TSV-Halle trainiert. Aber auch das reicht nicht. Diana Neckermann hat großen Anteil daran, dass immer wieder Nachwuchsspielerinnen ins Team hinzugekommen sind. Inzwischen sei das Durchschnittsalter des Kreisliga-Teams 20 Jahre. „Das ist eine sehr junge Mannschaft“, sagt die Lichtenfelserin.

Es sei schön, dass die Spielgemeinschaft über neue und auch junge Spielerinnen verfüge. „Aber ich trauere ein wenig den früheren Zeiten nach. Damals war es selbstverständlich, dass alle nach dem Training oder nach den Spielen Zeit hatten, um zu feiern oder zusammenzusitzen,“ sagt die 50-Jährige, die in Coburg geboren wurde.

Die Spielerinnen der neuen Generation legten auf gesellschaftliche Anlässe im Verein weniger großen Wert. „Das ist schade“, sagt die Trainerin. Da einige der Akteurinnen auswärts studieren, die Tochter von Diana Neckermann eingeschlossen, sei auch das Training mitunter nur mäßig besucht. „Manchmal sind es nur sechs oder sieben Spielerinnen“, so Neckermann. Auch deshalb wünscht sie sich sehr, dass junge Spielerinnen ab 16 Jahren zum Team dazustoßen.

Obwohl sie nach eigenen Worten ab und zu ans Aufhören denkt, wird die Lichtenfelserin (noch) nicht müde, für ihren geliebten Fußballsport und ihren FC aktiv zu sein. Eine Nachfolgerin, die so viel Ehrenamt investiert, ist offenbar noch nicht in Sicht. Manchmal scheint es, als müsse sie einfach weitermachen. Ihr Mann Thomas, der sie zum Fußball gebracht hat, ist Vorsitzender des Traditionsvereins. „Er unterstützt mich und uns, wo er kann“, sagt sie. Ihr Sohn Lukas hat jahrelang in der Jugend und bei Erwachsenenmannschaften mitgespielt und sie sogar beim Training der Damen unterstützt. Die Tochter spielt ebenfalls.

„Ich bin Trainerin, Spielerin, Betreuerin, Spielleiterin und Frauenfußball-Leiterin im Verein in einer Person“, sagt Neckermann weiter. Sie hofft, dass es zumindest bald eine Nachfolgerin für sie im Tor gibt. „Ich würde als Spielerin gerne aufhören,“ sagt sie. Als Spielleiterin setze sie sich dafür ein, dass die Frauenmannschaft so oft es möglich ist, nach der Männermannschaft ihr Spiel auf dem Hauptplatz austrägt. „Dann haben wir mehr Zuschauer als üblich“, sagt sie. Die Damenmannschaft stehe zwangsläufig im Schatten der Männerteams.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn wir neue Spielerinnen begrüßen könnten.“
Diana Neckermann, 1. FC Lichtenfels

Diana Neckermann weiß, dass es für den Damenfußball in Lichtenfels ganz schwierig wird, wenn sie jetzt mit dem Fußball komplett Schluss machen würde. So hält sie weiter fleißig Ausschau nach jungen Spielerinnen. Auch in ihrer Schule geht sie immer wieder auf Kandidatinnen zu. Frauenfußball hat für die Lichtenfelserin Zukunft. „Es gibt immer mehr Frauen, die gut Fußball spielen können,“ sagt die mehrmalige deutsche Meisterin im Steinstoßen. Im Profibereich gebe es inzwischen sehr sehenswerten Frauenfußball.

Trotz Ausscheiden der Deutschen habe sie das Interesse an der WM nicht verloren, sagt die Lichtenfelserin weiter. Dem Nationalteam spricht sie Kampfgeist ab. Das Abwehrverhalten bei dem Turnier sei einer Spitzenmannschaft unwürdig gewesen. Mit einem Tipp für den Ausgang der Fußball-Weltmeisterschaft tue sie sich schwer. „Es gibt keinen klaren Favoriten.“

Am 17. Juli geht das Training der Spielgemeinschaft der Damenmannschaft FC Lichtenfels/TSV Bad Staffelstein wieder los. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir neue Spielerinnen begrüßen könnten“, sagt die Lichtenfelserin. Wer Interesse hat, könne sich gerne bei ihr melden.

Interesse geweckt? Mädchen ab 16 und junge Frauen, die bei der Spielgemeinschaft 1. FC Lichtenfels/TSV Staffelstein mitmachen möchten, können sich gerne bei Diana Neckermann melden Tel. (0176) 48307253.