LICHTENFELS

Flechtwerkgestalter: Fingerfertigkeit und Kreativität zählen

Jennifer Rubach aus dem Erzgebirge zeigt „Melitta und Betty“. Schmuck, den Sophie Blendiger hergestellt hatte. Foto: Andreas Welz

Mit flinken Fingern und viel Fantasie üben Flechtwerkgestalter ihren kreativen Beruf aus. Zehn Absolventen der Staatlichen Berufsschule für Flechtwerkgestaltung stellten am vergangenen Sonntag die Ergebnisse ihrer dreijährigen Ausbildung im Stadtschloss vor. Eine der Jüngsten, Sophie Blendinger aus Höchstadt an der Aisch, hielt ein kurzes Referat über die zurückliegenden Jahre. „Es war eine schöne Zeit in einer guten Kameradschaft“, blickte sie zurück. Mit entsprechender Fingerfertigkeit können Ideen die verschiedensten Formen annehmen. „Wir sind Individualisten, die gern mit Produkten aus natürlichen Stoffen umgehen“, sagte die 21-Jährige. Die Ausbildung dauere drei Jahre, beginne jeweils im September mit einer Probezeit von sechs Monaten und ende mit einer staatlich anerkannten Abschlussprüfung. Diese sei der Gesellenprüfung gleichgestellt, erläuterte die Flechtwerkgestalterin.

Im Unterricht sollten sich handwerkliche Techniken, gestalterische Prinzipien und die kreativen Kräfte zu einer Einheit formen. Der Schwerpunkt der Ausbildung lag auf dem fachpraktischen Unterricht, wie zum Beispiel dem Erlernen verschiedener Flechttechniken zum Herstellen von Körben, Möbeln und Objekten. „Da haben zuerst die Finger weh getan“, erinnerte sich Sophie. Außerdem waren technisches Zeichnen, Gestaltung, Modellbau und Fachtheorie Unterrichtsfächer.

Mit dem Rechner konstruieren

Sie lernten Datenverarbeitung und rechnerunterstütztes Konstruieren kennen und Grundlagen der Holz- und Metallverarbeitung. Das Ausbildungsangebot wurde durch Exkursionen, Ausstellungsbesuche, Studienfahrten und die Gestaltung und Umsetzung von Messebeteiligungen und Ausstellungen abgerundet. Großes Interesse rief ein Besuch der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim an der Rhön hervor.

Am Fuß des 920 Meter hohen Kreuzbergs lernten sie traditionelle Techniken ebenso wie aktuelle Formensprachen kennen. Das entsprach auch dem historischen Selbstverständnis der Schule: 1852 als „Holzschnitzschule“ gegründet, sollte diese Ausbildungsstätte ursprünglich der Rhöner Bevölkerung das Schnitzhandwerk als weitere Einkommensquelle eröffnen.

Eindrucksvoll war auch eine Reise nach Tecta im Landkreis Holzminden in das Kragstuhlmuseum. Es ist ein privates Museum für Möbeldesign der Moderne und zeigt eine umfassende Sammlung zur Geschichte des modernen Möbeldesigns mit dem Schwerpunkt der Entwicklung des Kragstuhls. Viele Parallelen zum Korbmachermuseum in Michelau fanden die Absolventen im Korbmachermuseum in Dalhausen bei Beverungen an der Weser. Dort wurde die Vergangenheit lebendig, denn noch bis zum heutigen Tag wird im einstigen „Korbmacher-Dorf“ die Tradition des Korbmacherhandwerks gepflegt.

Möbelhersteller besucht

Ein Besuch beim Möbelhersteller Thonet im nordhessischen Frankenberg an der Eder rundete die Exkursionen ab. Das Unternehmen erlangte insbesondere mit Bauhaus-Stahlrohrmöbeln Weltruhm. Auch die Verwendung von Bugholz, ein Vollholz aus Ahorn oder Buche, welches unter Wasserdampf gebogen wird, weckte das Interesse der Fachschülerinnen und -schüler. Das Bugholz wird insbesondere zu Stühlen verarbeitet. Diese Technik fand auch in den Abschlussarbeiten der Flechtwerkgestalter Anwendung.