LICHTENFELS

Dieter Brandmeier: von Sorgen und Nöten eines Platzmeisters

Platzmeister Dieter Brandmeier (re.) weist Ralf Pazdera aus Coburg den Platz für seine Imbissstände zu. Foto: Andreas Welz

Wenn die Passagiere in den Hochfahrgeschäften jauchzen, die Besucher das süffige Festbier genießen und knusprige Haxen verzehren, dann plant Platzmeister Dieter Brandmeier schon das Lichtenfelser Schützenfest im kommenden Jahr. Bei einem Rundgang über den Platz berichtete der erfahrene Organisator weniger als eine Woche vor Festbeginn von seinen Sorgen und Nöten, von Wünschen der Schausteller, von Unvorhersehbaren und von einer großen Verantwortung, die zehn Tage lang auf sein Schultern lasten. Seit 37 Jahren macht er den Job, 19 Jahre als zweiter und 18 Jahre als erster Platzmeister. Und das alles ehrenamtlich neben dem mittelständischen Unternehmen, das er führt.

Kurze Wege helfen sparen

Kaum sind die Buden abgebaut, da werden die Schausteller per Annonce für das kommende Fest gesucht. „Wir inserieren gemeinsam mit Coburg und Kronach in zwei Schaustellerzeitungen“, so Brandmeier. Die Zusammenarbeit mit den beiden Hochburgen der Schützenfeste klappe gut. Die Unternehmen könnten alle drei Feste im Abstand von zwei Wochen bereisen und hätten dadurch kurze Wege, denn Transporte seien ein wichtiger Kostenfaktor. Schon jetzt hat der Platzmeister rund 15 Bewerbungen für das nächste Jahr. „Bis Ende Oktober sind dann vier oder fünf Aktenordner voll“.

Die drei Platzmeister treffen sich dann Anfang November und beraten über die Auswahl der Fahrgeschäfte. Ende November ist entschieden, wer nach Lichtenfels kommt. Mitte Januar sind dann die meisten Verträge unterschrieben. Einige fehlen noch, da die Schausteller noch zögern, ob sie vielleicht auf einen anderen Platz gehen wollen. Im März muss dann alles unter Dach und Fach sein.

In diesem Jahr sind es 46 Schausteller. Darunter Highlights wie das „Night Style“, ein Fahrspaß pur in einer völlig neuen Dimension. Das Rundfahrgeschäft „Heiße Räder“ oder die „Bayernwippe“, der Autoscooter oder der „Break Dance“ sind dabei. Neu ist auch das „Aqua-Velis“, ein Laufgeschäft mit Wassereffekten. Für die Kinder startet wieder der „Jumbo-Jet“, die „Orient- und Unendliche Reise“ und die Kindereisenbahn „Märchenland-Express“.

1,5 Megawatt liefern zwei Trafostationen für die stromfressenden Ungeheuer. Im vergangenen Jahr hatte das „Flick-Flack“ einen Anschlusswert von 270 Kilowatt. Die Trafostationen, eine am Mühlbach und die andere an der Stadthalle werden mit Verteilerkästen verbunden, die auf dem ganzen Platz verstreut sind. Die ganz großen Fahrgeschäfte werden direkt an die Trafostationen angeschlossen.

Bisher hat der Platzmeister den Plan nur im Kopf. „Ich muss vermeiden, dass gleichartige Geschäfte nebeneinanderstehen“, machte Brandmeier deutlich. Zum Beispiel Imbissstände, Kinderfahrgeschäfte oder Schießbuden. Die ganz großen müssten ohne hin nahe den Trafostationen stehen. Wichtig sei auch, dass gegenüber eines attraktiven Hochfahrgeschäfts kein weiteres Fahrgeschäft platziert ist. Dann würden die Besucher diesem den Rücken zukehren. Dort komme etwas für Kinder hin, das nur am Tag bevölkert ist. Den Wunsch vieler Schausteller am Eingang mit ihren Geschäften platziert zu werden, kann der Platzmeister natürlich nicht erfüllen. „Dann müssten sie ja alle übereinanderstehen“, so sein Kommentar.

Etwa sechs Wochen vor Festbeginn wird alles zu Papier gebracht. Ein Architekturbüro hilft dabei. Die Pläne gehen dann an das Landratsamt, den Energieversorger und die Feuerwehr. Vier Wochen vor dem Startschuss werden vor Ort mit dem Maßband die Flächen ausgemessen und die Grenzen farbig markiert. 14 Tage vorher rollen dann die ersten Gespanne der Schausteller an. Ab jetzt ist der Platzmeister jeden Tag da. Er weist die Plätze ein und achtet auf die Abstände. Die Frontlinie am Hauptrettungsweg, die linke Straße zur Stadthalle, muss eingehalten werden, damit auch die großen Rettungsfahrzeuge, wie mit der Drehleiter der Feuerwehr, passieren können. „Es muss sich jeder fügen, da kenne ich kein Pardon“, so der Platzmeister.

250 Menschen leben dann in der Wagenburg mitten auf dem Platz. Die brauchen Strom, Wasser und eine Abflussleitung in den Kanal. Die Kanalisation müsse gespült werden, da sich dort Sand und Kies absetzt, weil der Platz ein Jahr lang nicht genutzt wird. Dann müssen Berge von Müll entsorgt werden, auch dafür ist der Platzmeister zuständig. „Insgesamt fahren die Laster 20 große Mulden ab“, rechnete er zusammen. Am Donnerstag versammeln sich alle Schausteller für die letzten Instruktionen.

Abnahme durch das Landratsamt

Am Freitagvormittag kommt das Landratsamt zur Abnahme. Das sei keine technische Untersuchung wie der TÜV, den alle Fahrgeschäfte einmal im Jahr machen müssen. Das Amt prüfe nur die Standsicherheit, den ordnungsgemäßen Aufbau und achtet auf Stolperfallen oder hervorspringende Ecken. Der Platzmeister dreht noch eine letzte Runde und schaut nach, ob die Zugänge zwischen den Geschäften geschlossen sind, damit die Besucher nicht in den Wohnbereich gelangen können. Wenn sich dann die Amüsiermaschinerie in Bewegung setzt, müssen Feuerwehr und Sanitäter vor Ort sein. Jetzt kann der Platzmeister aufatmen. „Meistens sind alle brav, nur hin und wieder dreht einer die Musik zu laut auf, dann schreite ich ein“, sagte er.

Große Mengen Verpackungsmaterial, zum Beispiel an den Losbuden, müssen entsorgt werden. Foto: Andreas Welz