LICHTENFELS/COBURG

Coburger Medienpreis: Cross-medial Leben gerettet

Coburger Medienpreis: Cross-medial Leben gerettet
Für das multimediale Projekt „Winter in Lviv“ gab es den Coburger Medienpreis: (v. li.) Hendrik Steffens, Maik Styrnol, Dustin Hemmerlein, Till Mayer, Ministerin Melanie Huml (verdeckt) und Moderator Jan Hofer. Foto: Uli Präcklein

Im Landkreis Lichtenfels beteiligten sich zahlreiche Leserinen und Leser, Vereine und Schulen an „Winter in Lviv“ – als Sonderaktion von „Helfen macht Spaß“. Für die gleichnamige cross-mediale Rettungsaktion für eine Sozialstation im ukrainischen Lviv erhielten am Donnerstag Abend OT-Redakteur Till Mayer und seine Freunde Hendrik Steffens, Pirmin und Maik Styrnol und Dustin Hemmerlein den Coburger Medienpreis Oberfranken in der Sparte „Wellenschläger“. „,Winter in Lviv' hat wirklich Wellen geschlagen“, sagte Moderator Jan Hofer („Mr. Tageschau“) bei der Verleihung vor rund 300 Gästen in der HUK. Das Projekt generierte bisher über 110 000 Euro an Spenden, so dass zumindest eine Notbesetzung der Rotkreuzschwestern die bedürftigsten Senioren für fünf Jahre weiter versorgen kann.

„Die 75-jährige

Besuchsschwester Olha Roman, die unbezahlt ihre

betagten Klienten weiter

versorgt, war für uns Grund genug, eine Rettungsaktion

zu starten.“

Till Mayer,

OT-Redakteur

„Die 75-jährige Besuchsschwester Olha Roman, die in Lviv nach der vorläufigen Schließung ihrer Sozialstation weiter unbezahlt ihre betagten Klienten versorgt, war für uns Grund genug, eine Rettungsaktion zu starten“, so Till Mayer bei der Verleihung. Als das ukrainische Gesundheitsministerium im Dezember 2016 landesweit die Finanzierung der Sozialstationen des Roten Kreuzes stoppt, trifft das hilfsbedürftige Rentner in Lviv schwer. Mit einer Rente, deren Kaufkraft durch die kriegsbedingte Inflation auf 50 Euro pro Monat gefallen ist, können sich die meisten Senioren Lebensmittel oder die dringend benötigte medizinische Versorgung nicht ausreichend leisten. Die RK-Schwestern sind unersetzliche Ansprechpartnerinnen für die alten und oft alleinstehenden Menschen.

Till Mayer engagiert sich schon seit über zehn Jahren für Rentner in Not in Lviv. Über 350 000 Euro kommen durch seine Artikel und Fotos an Spenden zusammen. Das ermöglicht dem Roten Kreuz den Aufbau eines Medikamentenfonds. Die Spenden verwaltet der DRK-Landesverband „Badisches Rote Kreuz“. Verteilt werden die kostenlosen Medikamente stets durch die Rotkreuz-Schwestern.

Um deren lebenserhaltende Arbeit weiterhin zu sichern, bringen Till Mayer und seine Freunde eine ungewöhnliche Spendenaktion zum Laufen. Im Mittelpunkt steht der Film „Winter in Lviv“, der auf der Homepage www.winter-in-lviv.org zum kostenlosen Streamen zur Verfügung steht. Dazu gibt es Bildergalerien, eine Radioreportage und Hintergrundartikel und -informationen. Sogar eine Ausstellung kann ausgeliehen werden. Maik Styrnol, Musiker, komponiert eigens Musik zum Film ein und wird dabei auch von Studentinnen des Konservatoriums in L Für die multimediale Rettungsaktion wurden nun Till Mayer und sein Team mit dem Coburger Medienpreis in der Kategorie Wellenschläger Oberfranken ausgezeichnet. Im Zentrum des Films „Winter in Lviv“ stehen Olha Roman und drei weitere Frauen, die selbst den Winter des Lebens erfahren: Sofia Wojtsychiwska bessert sich ihre Rente durch das Sammeln von Altpapier auf. Iryna Bjenko-Schul ist fast 100 Jahre alt und hat zwei Aufenthalte im Konzentrationslager überlebt. Nahora Natalya Wadymiwna hat über Monate den Leichnam ihres Sohnes, der an der Front im Osten gefallen ist, gesucht, um ihn in Lviv zu bestatten. Alle vier Frauen sind durch ihr Schicksal mit dem medico-sozialen Zentrum in Lviv in Kontakt gekommen.

In ihrer Laudatio betonte Staatsministerin Melanie Huml, dass sie tief beeindruckt von dem Engagement von Till Mayer und dessen Team sei. Ebenso beeindruckt zeigte sich Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer, der die Veranstaltung moderierte. Er ist selbst Botschafter des Roten Kreuzes, weshalb ihn „Winter in Lviv“ besonders berührte. Till Mayer betonte, dass der Erfolg Teamsache sei. Hendrik Steffens und Dustin Hemmerlein waren für Kamera und Schnitt des Films verantwortlich, um Ton und Musik kümmerte sich Maik Styrnol. Pirmin Styrnol, der zum zweiten Mal den Coburger Medienpreis gewonnen hat, führte gemeinsam mit Till Mayer Regie. Die beiden lernten sich übrigens im Jahr 2015 beim Coburger Medienpreis kennen. Der Film war mittlerweile bei zahlreichen internationalen Festivals zu sehen. Für Till Mayer war es am Donnerstag schon die vierte Auszeichnung mit dem „Coburger Medienpreis“. Stets spendet er sein Preisgeld. „Die Ukraine und ihre Menschen sind Teil meines Lebens geworden. Schön, wenn man als Journalist direkt etwas bewegen kann“, erklärte der OT-Redakteur. Mehrere Reisen führten ihn auch in den umkämpften Osten des Landes. Seine Freunde und er stellen gerade den nächsten Film fertig. Es geht um Clowns, die in der Ukraine Kindern helfen, mit ihrem Traumata von Flucht und Krieg zu leben. Er erscheint im Herbst. Über den Preis freuen sich sicherlich auch die Rotkreuz-Schwestern der Sozialstation des BRK-Kreisverbands Lichtenfels. Sie pflegen seit Jahren eine Patenschaft mit ihren Kolleginen in Lviv.

Weitere Preisträger

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Manuel Stark aus Marktzeuln in der Kategorie Nachwuchs Oberfranken für seine Langzeitreportage „Geteiltes Leid“ im Süddeutsche Zeitung Magazin (eigener Bericht folgt). Auf nationaler Ebene hat hier Marius Elfering mit seinem Radiofeature zum Thema „Selbstjustiz in Deutschland“ gewonnen. In der Kategorie Schöpfung erhielten Alexander Mrazek für einen Imagefilm der Coburger Kirche St. Augustin und die RTL2 Newsredaktion für ihre „Wahlparty powered by Facebook“ den Preis. In der Kategorie Wellenschläger National haben Till Krause und Hannes Grassegger (SZ-Magazin) mit ihrer Geschichte „Im Netz des Bösen“ gewonnen.

Coburger Medienpreis

Der Coburger Medienpreis wurde am Donnerstag zum siebten Mal verliehen. Jan Hofer, Chefsprecher der Tagesschau, moderierte die Preisverleihung, der 300 Gäste beiwohnten. Insgesamt hatten dieses Jahr 170 Medienschaffende ihre Beiträge eingereicht. Die Preise werden in den Kategorien Nachwuchs, Schöpfung und Wellenschläger verliehen. Dabei gibt es nationale und regionale Unterkategorien. Veranstalter ist der Coburger Medienclub.