LICHTENFELS

Wenn Nostalgie unter Volldampf fährt

Eine stattliche Garnitur historischer Schnellzugwagen zog die grünlackierte Traditionslok durchs Maintal. Foto: Klaus Oelzner

Eine exklusive Nostalgiereise auf Schienen legte am Montag in Lichtenfels einen planmäßigen Stopp ein. Von zahlreichen Bahnfans am Bahnsteig mit Foto- und Videokameras erwartet. Schon die 1961 auf die Schienen gestellte Dampflokomotive führt mit mehr als 25 Metern Länge den Reigen der Superlative an. „Zwei kurz gekuppelte Tender für jeweils bis zu 34 Kubikmeter Wasser- und 13,5 Kubikmeter Ölvorrat ermöglichen dem hochrädrigen Gespann außergewöhnliche Langstreckenläufe“ erläutert Matthias Gerhard - einer der sechs mitfahrenden Dampflokführer.

Und setzt mit Unterstützung seiner Kollegen nicht ohne berechtigten Stolz hinzu: „Die akribisch gepflegte Maschine läuft wie ein Uhrwerk“. Was die Loklegende mit der bahnamtlichen Bezeichnung 18 201 (ex 02 0201) bei der Langstreckenfahrt zwischen dem sächsischen Halle/Saale und der österreichischen Metropole Wien problemlos unter Beweis gestellt hat. Schließlich galt es für Hin- und Rückfahrt mehr als 3000 Schienenkilometer unter Volldampf“ zu meistern.

Die Treib- und Kuppelräder mit 230 Zentimetern Durchmesser ermöglichen der Maschine im grünen Farbkleid bei 1590 Pferdestärken und Unterstützung durch beiderseitige Windleitbleche („große Ohren“) eine Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Feuerloch und Kohleschaufel sucht man auf dem geräumigen Führerstand vergeblich. Seit 1967 hat die Lokomotive nämlich eine per Handräder und Schalter bedienbare, mit zahlreichen Anzeigeinstrumenten überwachte Ölhauptfeuerung.

Die angehängten historischen Vierachser mit klassischen Abteilen stammen aus dem früheren DDR-Regierungszug, ergänzt durch zwei Mitropa Speisewagen und einem Pianowagen (Treffpunkt für musikalische und geistige Kurzweil). Während des mehrstündigen Aufenthalts war die Lichtenfelser Feuerwehr gefordert, 28 Kubikmeter Wasservorrat aus einem Hydranten aufzufüllen. Dazu war eine lange Schlauchstrecke zwischen Bamberger Straße und ehemaligen Güterbahnhofsgelände zu verlegen. Über ein handbedientes Verteilerstück war es möglich, die Tankzeit über mehrere Schlauchanschlüsse zu verkürzen.

Der typische Dampflokpfiff

Währenddessen war die Zuggarnitur auf einem Rangiergleis abgestellt. Erst kurz vor der planmäßigen Weiterfahrt in Richtung Saalfeld kam die Wagenschlange an den Lichtenfelser Bahnsteig.

Ein lang gezogener, typischer Dampflokpfiff, war das Zeichen zur planmäßigen Weiterfahrt. Lufttemperatur und Wind ließen die Bahnfans vergeblich auf eine fotogene Dampfsäule warten. Die nicht minder historische E-Lok aus dem musealen Betriebswerk Halle leistete am Zugschluss kraftvoll Schubhilfe über die Frankenwaldrampe ins Saaletal.

Lokführer Matthias Gerhard ist Herr über zahlreiche Handräder und Anzeigegeräte im Führerstand der seit 1967 ölgefeuerten Dampflok 18 201.