LICHTENFELS

Der „Marathonläufer im Ehrenamt“

Wer an der Heinrich-Faber-Musikschule das Musizieren erlernen möchte, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Der Stadtrat beschloss nämlich am Montag eine Erhöhung der Gebühren zum neuen Schuljahr. Foto: ArchivDenise Burkhardt

„Es ist ein erfreulicher Tag für Lichtenfels.“ Diesen Satz sprach Stadtkämmerer Johann Pantel, als er die Rechnungsergebnisse der Stadt Lichtenfels für 2017 am Montagabend im Stadtrat vorstellte. Der Finanzchef der Korbstadt meinte damit die Zuführung von knapp sieben Millionen Euro vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt – etwa drei Millionen Euro mehr als erwartet. „Ein Spitzenergebnis, einmalig in meiner Laufbahn“, so Pantel. Doch nicht nur für den Stadtsäckel war die Sitzung ein „erfreulicher Tag“, auch für Dritten Bürgermeister Winfried Weinbeer (Freie Wähler). Der vielfach geehrte Kommunalpolitiker gehört seit dem 4. Mai 1978 diesem Gremium an, und mit diesen 40 Jahren länger als je ein Lichtenfelser vor ihm.

Herausragend vertreten

Anlass genug also, dass sich der Stadtrat mit Erstem Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) und dessen Stellvertreterin Sabine Rießner (CSU) beim Senior des Gremiums ausgiebig bedankte. Neben einem Blumenstrauß für Sieglinde Weinbeer und einem Stadtlogo in Bronze gab es vom Rathauschef viele lobende Worte für seinen „dritten Mann“.

Weinbeer habe in seiner Zeit als Zweiter (zwischen 1990 und 2002) und Dritter Bürgermeister (seit 2014) die Stadt in herausragender Art und Weise vertreten, so Hügerich. In den vergangenen 40 Jahren habe der Geehrte viele, teilweise umstrittene Entscheidungen mitgetroffen, unter anderem die Verkehrsentlastung der Innenstadt durch den Dr.-Hauptmann-Ring oder den Bau der Stadthalle.

Weinbeers besondere Leidenschaft gehört den Vereinen der Stadt, in unzähligen davon ist er Mitglied. „Es zeigt, dass dir der Dienst am Nächsten, besonders unseren Bürgern im Ehrenamt, wichtig und wertvoll ist. Du bist ein Marathonläufer im Ehrenamt“, lobte ihn der Bürgermeister.

Sichtlich gerührt nahm der Dritte Bürgermeister diese Ehrung an. Bewegt dankte Winfried Weinbeer seiner Ehefrau, „die beste Chefsekretärin der Stadt“. 33 Jahre arbeitete sie bei den Stadtwerken und kenne jede Straße in Lichtenfels. „Weiß ich einmal nicht, wohin ich zu einer Ehrung muss, meine Frau weiß sofort Bescheid“, sagte Weinbeer mit einem Schmunzeln.

Er dankte besonders Hügerich und Rießner, die ihm immer wieder ihr Vertrauen schenkten und ihn in ihrem Namen zu Vereinen, Veranstaltungen oder Geburtsbesuchen schickten. Letztere seien immer wieder Highlights in seiner Tätigkeit.

„Bei uns im Stadtrat geht es nicht um Parteipolitik, sondern um die Stadt. In diesem Stile möchte ich meine letzten zwei Jahre im Stadtrat weitermachen.“
Winfried Weinbeer, Dritter Bürgermeister

Der Senior im Gremium appellierte an seine Kollegen, den Mitarbeitern der Verwaltung zu vertrauen, dann werde man eine tolle Arbeit „ernten“.

Ein sehr großes Kompliment machte er schließlich noch dem Ersten Bürgermeister: „Wir bekommen von dir alle Informationen, um unsere Arbeit erledigen zu können. Bei uns im Stadtrat geht es nicht um Parteipolitik, sondern um die Stadt. In diesem Stile möchte ich meine letzten zwei Jahre im Stadtrat weitermachen.“

Seinen Dank quittierte das Gremium mit lang anhaltendem Applaus. Einen solchen bekam Stadtkämmerer Johann Pantel für seine eingangs erwähnten „guten Nachrichten“ zwar nicht, doch die einstimmige Zustimmung aller Stadträte zu seinem Rechnungsergebnis. Die oben genannte, wesentlich höher liegende Zuführung in den Vermögenshaus begründete Pantel mit erheblichen Mehreinnahmen bei der Gewerbe- und Grunderwerbsteuer sowie beim Einkommenssteueranteil. Hinzu kämen hohe Ausgabeeinsparungen im Verwaltungshaushalt, beispielsweise bei den Personalkosten. Zum 31. Dezember 2017 stehe der Stadt eine Allgemeine Rücklage von 7,3 Millionen Euro zur Verfügung, von denen für Investitionen in diesem Jahr 5,7 Millionen Euro entnommen werden. Die Schulden der Stadt seien von 22,747 Millionen auf 22,865 Millionen Euro leicht gestiegen, die Pro-Kopf-Verschuldung betrage 1135 Euro pro Einwohner (Landesdurchschnitt: 901 Euro).

Wermutstropfen

Ein Wermutstropfen hatte der Finanzchef im Rathaus aber dann doch noch auszuschenken. Für dieses Jahr bezifferte er den Rückgang der Gewerbesteuer-Einnahmen auf 40 Prozent. Bürgermeister Hügerich bemerkte dazu: „Wir hatten in den letzten Jahren einen Höhenflug bei der Gewerbesteuer. Davor lagen die Einnahmen im Durchschnitt immer bei sieben oder acht Millionen Euro, und so wird es auch heuer wieder sein.“

Aus dem Stadtrat

• Wer sein Kind in die Heinrich-Faber-Musikschule schickt – oder selbst ein Instrument spielen oder singen lernen möchte –, muss ab dem neuen Schuljahr tiefer in die Tasche greifen. Der Stadtrat beschloss wegen der Anhebung der Lohnerhöhung für Musikschullehrer gegen die Stimme von Christian Barth (Junge Bürger) eine Erhöhung um rund fünf Prozent für 2018/19 und um drei Prozent für 2019/20. Konkret heißt das, dass ein Teilnehmer künftig in den Grundfächern in einer Gruppe mit fünf bis acht Schülern 21,20 Euro (2019/20: 21,80 Euro) im Monat beziehungsweise 212 Euro (218 Euro) im Jahr zahlen muss. In einer Gruppe mit neun Schülern oder mehr werden 15,80 (16,30 Euro) beziehungsweise 158 Euro (218 Euro) fällig. Alle weiteren Tarife finden Interessenten in der neuen Gebührensatzung.

• Allein fünf Tagesordnungspunkte befassten sich mit Bebauungsplänen. Für Häuslebauer am interessantesten dürfte die Bekanntgabe der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange für das Reundorfer Wohngebiet „Maintal“ sein. Zum Hintergrund: Eine Kommune muss vor der Verabschiedung einen Bebauungsplan öffentlich auslegen. Dann können sich die Nachbargemeinden, Behörden wie das Landratsamt, Unternehmen wie die Deutsche Bahn (DB)oder die Telekom dazu äußern. Im Fall des Wohngebiets „Maintal“ gab es Anmerkungen der Bahn, des Landratsamtes und des Wasserwirtschaftsamtes. Wie Kerstin Schmidt vom städtischen Bauamt erläuterte, habe ihre Behörde die Anregung der DB, die Photovoltaikanlage blendfrei zum Bahnbetriebsgebäude zu gestalten, ebenso aufgenommen wie die Bitte des Landratsamtes, die Lärmsituation noch deutlicher dazustellen. Auch die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, eine Planskizze über Gefahren eines möglichen Jahrhundert- oder gar Jahrtausend-Hochwassers einzufügen, wurde berücksichtigt.

• Die Erschließung des Gewerbegebiets „An der Zeil II“ ist eine der größten Investitionen der Stadt in diesem Jahr. Auch hier erreichten das Stadtbauamt Einwände von Trägern öffentlicher Belange. Unter anderem regte der Bayerische Bauernverband an, bestehende landwirtschaftliche Wege an die neue Infrastruktur anzubinden. All die Stellungnahmen wurden berücksichtigt, wie Kerstin Schmidt erläuterte. Sie gab ferner bekannt, dass man statt der ursprünglich geplanten 22 Hektar großen Ausgleichsfläche nach Verhandlungen mit dem Landratsamt nur 14 Hektar Ausgleichsfläche ausweisen müsse, was der Stadt Kosten spare.

• Ein weiteres Gewerbegebiet entsteht „An der Reundorfer Straße“. Anregungen wie die Stellungnahme der IHK Oberfranken über die Firsthöhe oder des Landesamtes für Denkmalpflege, auf dem Areal nach Bodendenkmälern zu forschen, habe man berücksichtigt, so Kerstin Schmidt.

• Am ehemaligen Güterbahnhof plant ein Investor, ein neues Stadtquartier mit günstigen Wohnungen zu errichten. Der Stadtrat sollte einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „B72“ erlassen. Die Gremiumsmitglieder brachten gleich einige Anregungen ein. So wünschte sich Dr. Arnt-Uwe Schille (SPD), dass die Planer ein Radwege-Konzept für die Bamberger Straße auszuarbeiten. Bernhard Christoph mahnte an, kurze Fußwege, eine Begrünung und eine zentrale Heizungsanlage für alle Wohnungen zu berücksichtigen. „Es geht um Details wie kleine Plätze für ein soziales Leben, die ich leider immer wieder vermisse“, so der Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen. Vorschläge zum Thema Stellplätze, Spielplatz oder Entwässerung kamen auch von Monika Faber und Helmar Zipp (beide SPD) sowie Roland Lowig (WLJ).

• IBC Solar aus Bad Staffelstein möchte im Bereich der Autobahn 73 und der B 289 eine Photovoltaikanlage errichten. Hierzu sind einige verwaltungstechnische Änderungen einzuleiten, zu denen der Stadtrat sein Plazet gab. Monika Faber schlug darüber hinaus vor, dass sich die Stadt mit einem Bürgerkraftwerk beschäftigen solle.

So lange wie Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (2. v. re.) saß noch kein Lichtenfelser im Stadtrat. Seit 40 Jahren gehört der verdiente Kommunalpolitiker dem Gremium an. Grund genug, dass Erster Bügermeister Andreas Hügerich und Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner ihrem Kollegen und dessen Gattin Sieglinde mit einer Urkunde auszeichneten und ihm als erstem Bürger überhaupt das Stadtlogo in Bronze überreichten. Foto: Steffen Huber