LICHTENFELS

Klänge einer verlorenen Nachbarschaft

Das Ensemble „Intermusica-lisch“ begeisterte das Lichtenfelser Publikum mit einer Mischung aus jiddischen und fränkischen Liedern und Instrumentalstücken. Foto: Gerda Völk

Das Konzert hinterlässt einen bleibenden Eindruck, der die Frage aufwirft wie sie wohl gewesen sein muss, diese jüdisch-fränkische Nachbarschaft? Eine Antwort darauf, könnte die Gruppe „Intermusica-lisch“ um Karin Meyer-Jungclaussen bei ihrem Konzert in der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels gegeben haben.

Bis zum Anbruch des Dritten Reiches lebten die Angehörigen der jüdischen und christlichen Religionen Haus an Haus, als Nachbarn. Das war in vielen fränkischen Städten und Dörfern so. Auch in der Stadt Lichtenfels und in den Dörfern des Landkreises. Die Kinder spielten zusammen und besuchten gemeinsam die Schule. „Die jüdischen Nachbarn gingen am Samstag in die Synagoge, die Christen am Sonntag in die Kirche“, erzählt Karin Meyer-Jungclaussen.

Dankbarkeit und Freude

Das sie und ihre Gruppe an historischer Stelle Musik machen können, erfüllt sie mit große Dankbarkeit und Freude. „Mit unserem Programm fühlen wir uns dem kulturellen Erbe von Christen und Juden verpflichtet“, sagt Meyer-Jungclaussen. Doch wo genau liegen diese Gemeinsamkeiten und wie mag die Musik geklungen haben: Fränkisch oder jiddisch?

Mit seinem Programm begibt sich das Ensemble „Intermusica-lisch“ auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die musikalische Spurensuche beginnt mit einem „sonnigen Walzer“, zu dem beide Kulturen in den Mai hineingetanzt haben könnten. Im Programm des Ensembles werden Themen wie Geburt und Tod, Liebeserleben, Feste und Alltag musikalisch umgesetzt und die dazugehörige Musik gegenüber gestellt und dabei Gemeinsamkeiten wie auch Kontraste aufgespürt.

„Jüdische Musiker hatten ein großes Repertoire, sie konnten sowohl fränkische wie auch jiddische Musik machen“, berichtet Meyer-Jungclaussen. Auch die Instrumente waren ähnlich, wie beispielsweise das Hackbrett. Zu Gehör kam ein Lied, welches gespielt wurde, als die Braut zur Hochzeit in die Synagoge abgeholt wurde. Dem etwas schwermütigen Lied stellte „Intermusica-lisch“ eine fröhliche alpenländische Hirtenpolka gegenüber.

Den Schwiegermüttern gewidmet

Die ausgewählten Stücke künden von der ersten Liebe über die Zeit des näheren Kennenlernens, der Hochzeit und der Zeit danach. Es sind heitere und zugleich traurige Melodien, die auf fröhliche Lieder treffen.

Ein Instrumentalstück, das den Schwiegermüttern des Brautpaares gewidmet war, erwies sich als temperamentvolle Komposition, die ein wenig an zwei aufgekratzte Hühner erinnerte. Anfang des 20. Jahrhunderts wende sich dann das Blatt. Viele Juden wanderten in die USA aus. „Die jüdischen Musikanten hatten oft unter der Situation besonders zu leiden“, erläuterte Karin Meyer-Jungclaussen. Den Schmerz über die verlassene Heimat, die Verlorenheit in der Fremde, drückte sich in einem Tango aus, der schwermütig zu Gehör kam. Am Ende gibt es viel Applaus für die sieben Musiker und noch eine Zugabe.

Schlagworte