KLOSTERLANGHEIM

Gute Aussichten auf einen Staatspreis

Pius Schmelzer (li.) bezeichnete den Hochwasserdamm am Scheubelgraben als wichtigen Baustein zum Hochwasserschutz. Foto: Andreas Welz

Alle zwei Jahre würdigt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten innovative Projekte. Klosterlangheim kam in der näheren Auswahl für eine Auszeichnung im Themenfeld „Wasserrückhalt und Hochwasserschutz“.

Am Donnerstag besuche eine Fachjury, bestehend aus Vertretern des Staatsministeriums, des Bayerischen Gemeindetages, des Bayerischen Bauernverbandes, der Bayerischen Architektenkammer und des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, das Verfahren der Ländlichen Entwicklung Klosterlangheim, um sich von den umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen selbst ein Bild zu machen.

Verfahren läuft seit 1992

Im Konventbau des ehemaligen Klosters wurde die Jury von Bürgermeister Andreas Hügerich, dem stellvertretenden Landrat Helmut Fischer und dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung, Anton Hepple, begrüßt. Pius Schmelzer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Klosterlangheim, führte dann mit seinem Stellvertreter Christian Gemeinhardt und den örtlichen Vorstandsmitgliedern, durch den Ort. Dabei konnten sich die Jurymitglieder an verschieden Stationen direkt von den Maßnahmen zum Hochwasserschutz überzeugen.

Das Verfahren der Ländlichen Entwicklung Klosterlangheim mit dem Schwerpunkt Hochwasserschutz läuft bereits seit 1992 und hat die Zielsetzung, ein umfangreiches Gesamtkonzept zum Schutz vor Hochwasserereignissen umzusetzen. Den ersten Schritt machte das Wasserwirtschaftsamt zusammen mit der Stadt Lichtenfels im Jahr 1998: Der Hochwasserdamm am Leuchsenbach wurde gebaut.

Damm am Scheubelgraben

Im Rahmen der Ländlichen Entwicklung folgten ab dem Jahr 2000 eine Dammerhöhung am Oberlangheimer Weiher, die Sanierung der historischen Brücken, die Anlage eines Feuchtbiotops mit Flutmulde am Sterzengraben, die Sanierung und der ökologische Ausbau des Leuchsenbaches im Ort sowie die Räumung und Sanierung des Leuchsenbachstollens und des Tempelsgrabenstollens. Als Abschluss wurde im vergangenen Jahr der Hochwasserdamm am Scheubelgraben fertiggestellt. Viele dieser Elemente waren schon Bestandteil des historischen Hochwasserschutzkonzeptes der Langheimer Mönche und sorgen auch heute wieder dafür, dass ankommendes Hochwasser durch Klosterlangheim kontrolliert ablaufen kann, ohne größere Schäden anzurichten.

Thomas Gieger, Inhaber des Ökonomiehofs in Klosterlangheim, zeigte der Jury den Stolleneingang der Entwässerungsgräben unter dem Hof, die von den Zisterziensern vor 800 Jahren angelegt wurden. Eichenbohlen seien aus der Zeit erhalten geblieben.

Bürgermeister Hügerich stellte in Aussicht, dass die Stollen fachkundig untersucht werden. An der Katharinenkapelle wies er auf die Sanierung hin, die aus EU-Mitteln gefördert werden könnte. An der Steinwegbrücke erläuterte Baudirektor Pius Schmelzer vom Amt für Ländliche Entwicklung die Sanierung der Ufermauern.

Uferschutzstreifen

Am Damm des Scheubelgrabens wurde das Bauwerk und der Uferschutzstreifen besichtigt. Der nachhaltige Schutz vor Hochwasser werde in Klosterlangheim mit einem neuen Hochwasserrückhaltebecken am Scheubelgraben gewährleistet, sagte Pius Schmelzer. Der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Klosterlangheim Christian Gemeinhardt betonte: „In den vergangenen zwei Jahren wurde am Scheubelgraben ein Dammbauwerk mit Zufahrtswegen errichtet und trägt auch durch die Ausweisung von Uferschutzstreifen ökologischen Belangen Rechenschaft“.

Auf Grund der guten Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und dem Wasserwirtschaftsamt Kronach waren die Hürden nicht allzu hoch, ergänzte Pius Schmelzer. Die Wassermenge aus Leuchse und Scheubelgraben werde nun begrenzt. Es komme nur noch so viel Wasser an, wie durch Klosterlangheim sicher hindurchgeleitet werden könne. Nach der Besichtigung des Dammes an der Leuchse, dem Oberlangheimer Weiher und der Tumwegbrücke kehrten die Teilnehmer zu Conventbau zurück.

Jurymitglied Brigitte Sesselmann, Stammreferentin in der Schule für ländliche Entwicklung war überrascht: „Ich habe Klosterlangheim von einer ganz anderen Seite kennengelernt“, sagte sie unserer Redaktiong. Werner Fischer vom Bayerischen Gemeindetag aus Bernhardswald bei Regensburg bezeichnete die Projekte in Klosterlangheim als sinnvolle Maßnahmen. „Hier wird deutlich, wie man Ortschaften gegen Hochwasser schützen kann“, war seine Einschätzung.

„Allein, dass Klosterlangheim in die nähere Auswahl

gekommen ist, stellt schon einen großen Erfolg dar

und lässt auf eine

Prämierung hoffen.“

Anton Hepple, Leiter Amt für Ländliche Entwicklung

Amtsleiter Anton Hepple machte deutlich, dass neben Klosterlangheim noch zwei weitere Projekte in anderen Regierungsbezirken mit im Rennen um die Staatspreis 2018 sind. „Allein, dass Klosterlangheim in die nähere Auswahl gekommen ist, stellt schon einen großen Erfolg dar und lässt auf eine Prämierung hoffen“.

Thomas Gieger erläuterte die Stollen unter dem Ökonomiehof in Klosterlangheim. Foto: Andreas Welz
Bürgermeister Andreas Hügerich stellte die Sanierung der Katharinenkapelle in Aussicht. Foto: Andreas Welz