LICHTENFELS/VIERZEHNHEILIGEN

Aufbruchstimmung zu spüren

Die Referenten des Demographie-Forums: (v. li.) der Freyung-Grafenauer Landrat Sebastian Gruber, Unternehmer Frank Herzog, Vorsitzende Melanie Huml, die Neusitzer Bürgermeister Michael Pöhnlein und Rudolf Glas. Foto: Andreas Welz

Die zukunftsorientierte Gestaltung des demographischen Wandels ist ein wichtiges Ziel des Vereins „Oberfranken Offensiv“. Die Vorsitzende, Gesundheitsministerin Melanie Huml, zeigte sich am Montag beim 5. Fachforum des Demographie-Kompetenzzentrums Oberfranken im Diözesanhaus Vierzehnheiligen davon überzeugt, dass es durch die Umsetzung innovativer Strategien gelingen werde, Oberfranken „Demographie fester“ wird. Zentrale Zielsetzung sei, Oberfranken als attraktiven Lebens- und Wirtschaftsstandort zu erhalten und zukunftsfähig zu gestalten.

„Herz und Seele Bayerns“

Das Thema der Veranstaltung war „Zukunft Landleben – Wie Landkreise und Kommunen für Zuzug werben“. Huml unterstrich: „Der ländliche Raum ist Herz und Seele Bayerns“. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebten im ländlichen Raum. Rund 44 Prozent der Wirtschaftskraft werde hier erzeugt. Für alle ländlichen Regionen gelte: Auch in Zukunft wollen die Menschen auf dem Land leben und arbeiten. Besonders erfreulich sei, dass wieder mehr junge Menschen auf dem Land leben. Vor allem in den strukturschwächeren Regionen spüre man eine regelrechte Aufbruchstimmung.

Doch nicht nur Landräte und Bürgermeister, auch Unternehmer in ländlichen Regionen entwickelten Strategien, um für qualifizierte Fachkräfte zu werben. Die Vorsitzende bezeichnete den Firmengründer von „Concept Laser“ aus Lichtenfels, Frank Herzog, als einen solchen Unternehmer. Sein Unternehmen führe weltweit zu den führenden Anbietern von Maschinen und Anlagen für den 3D-Druck von Metallbauteilen. Seit Dezember 2016 sei Concept Laser Teil des Weltkonzerns von General Electric.

„Der demographische Wandel lässt sich auch umkehren.“
Frank Herzog, Geschäftsführer „Concept Laser“

Frank Herzog erläuterte den anwesenden Bürgermeistern, Landräten, Vertreter der Ministerien, der Kammern und Verbänden die junge Firmengeschichte. Derzeit sei ein neues Verwaltungs- und Produktionsgebäude im Bau. Die Produktionshalle soll Ende 2018 und das Office-Gebäude Mitte 2019 bezugsfertig sein. Für dieses Bauprojekt hätten Concept-Laser und der Mutterkonzern General-Electric 105 Millionen Euro investiert. Mit Sonderausgaben werde der Bau etwa 120 Millionen Euro kosten. Für die Mitarbeiter solle das Arbeiten angenehm sein. „Denn deren Wohlbefinden steht im Mittelpunkt“, unterstrich der Unternehmer.

Um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, habe Concept Laser eine eigene Akademie gegründet, so Herzog. In der Praxis beschäftigten sich heute überwiegend Quereinsteiger, wie Ingenieure oder Praktiker, mit additiver Fertigung und additiver Anlagentechnik. Ausgebildet seien sie in klassischen Verfahren. Doch weder an Hochschulen noch an Fachhochschulen oder Berufsschulen seien additive Verfahren derzeit hinreichend abgebildet und Teil der Ausbildungspläne. Die zukünftige Penetration der additiven Fertigungstechnologien im Markt ließe sich jedoch schon heute einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern für Additive Manufacturing erkennen. Mit der Gründung der „Concept Academy“ lege Concept Laser deshalb den Schwerpunkt auf die Ausbildung akademischer Fachkräfte im Bereich der additiven Fertigung mit Metallen. „Mithilfe der ,Concept Academy‘ wollen wir Industrie und Ausbildung praxisnah zusammenbringen“, sagte Herzog.

Für die Gewinnung von Arbeitskräften sei der Ausbau der Kinderbetreuung und der medizinischen Versorgung wichtig. Eine Verbesserung des Bildungs- und Kulturangebots und der Breitbandausbau für ein schnelles Internet seien weitere Voraussetzungen. Für junge Familien werde Wohnraum gesucht und für Gäste entsprechende Hotelunterkünfte. „Der demographische Wandel lässt sich auch umkehren“, davon ist Herzog überzeugt. Letztlich sei das Gleichgewicht aller Komponenten die größte Herausforderung der Zukunft.

Die Frage des Moderators Frank Ebert, warum er gerade am Standort Lichtenfels investiere, beantwortete Herzog mit zwei Argumenten: Mitarbeiter solle man nicht verpflanzen. Und der Standort liege zentral zwischen den Städten Bamberg, Coburg, Bayreuth und gehöre zur Metropolregion Nürnberg.

Positive Beispiele

Der Landrat von Freyung-Grafenau, Sebastian Gruber, erläuterte eine neue Imagekampagne „Mehr als Du erwartest“, in der die Vorzüge des bayerischen Waldes wie intakte Natur, bezahlbarer Wohnraum, Sicherheit und Kita-Plätze hervorgehoben werden. Er räumte mit dem Klischee „Landleben“ auf.

Der Bürgermeister aus dem mittelfränkischen Neusitz, Rudolf Glas, machte anhand von Beispielen deutlich, wie der Ortsteil Schweinsdorf wächst und Ex-Dorfkinder wieder in ihre Heimat zurückkehrten.

Auch der Bürgermeister von Nordhalben, Michael Pöhnlein, konnte von einer positiven Entwicklung berichten. Engagierte Bürger hätte nach der Aufgabe des örtlichen Edeka-Marktes in Eigenregie einen Supermarkt eröffnet, der mit fünf Millionen Euro Jahresumsatz gut floriere. Aus einem ehemaligen Krämerladen sei ein Künstlerhaus entstanden, und ein „Reigeschlaften Stammtisch“ erfreue sich großer Beliebtheit.

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