LICHTENFELS

„Demokratie jeden Tag neu erkämpfen“

Bereits zum zweiten Mal stellte sich die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld den Frager der Schülerinnen und Schüler der Privaten Wirtschaftsschule. Mit im Bild ist Schulleiter Thomas Kaiser. Foto: Gerda Völk

Den Fragen von interessierten Schülern stellen sich die Abgeordneten des Bayerischen Landtags am bayernweiten „Tag der freien Schulen“, der vom Verband Bayerischer Privatschulen, der evangelischen Schulstiftung und dem katholischen Schulwerk veranstaltet wird. Unter dem Motto „Politik macht Schule“ besuchte die heimische SPD-Abgeordnete Susann Biedefeld die Private Wirtschaftsschule (PWS) in Lichtenfels. Nach 2016 stand die Abgeordnete bereits zum zweiten Mal in einem Klassenzimmer. Auch diesmal ließen sich die Schüler nicht lange bitten und stellten ihre Fragen zu Themen wie der Situation von Flüchtlingen, zur Lage der Bundeswehr, den Gefahren von Kernkraftwerken und wie man man Berufspolitikerin wird.

„Die Bundesrepublik wäre nicht untergegangen, wenn es eine Minderheitsregierung gegeben hätte.“
Susann Biedefeld, Landtagsabgeordnete (SPD)

„Hätten Sie sich keine Große Koalition gewünscht?“, wollte ein Schüler wissen. „Die Bundesrepublik wäre nicht untergegangen, wenn es eine Minderheitsregierung gegeben hätte“, sagte Biedefeld. Dann hätte sich Bundeskanzlerin Angelika Merkel jedes mal neue Mehrheiten suchen müssen. Die SPD-Abgeordnete wies daraufhin, dass dieses Modell auch in anderen europäischen Ländern funktioniere, und viele Landräte und Bürgermeister auch keine Mehrheiten haben.

Ein weiteres Thema, das den Schülern auf den Nägeln brannte, betraf den Bereich Umwelt. „Ohne Umwelt gibt es keine Menschen“, sagte Biedefeld. Die Wirtschaft sei wichtig, aber ohne intakte Natur gebe es auch kein Leben auf dem Planeten. Der drohende Rückgang der Bienen etwa hätte fatale Folgen. Es gebe vieles, das die Natur zerstöre. In welchem Zustand befindet sich die Bundeswehr, wollten die Schüler wissen. „In einem verheerenden“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete.

Engagierte Diskussion

Der Grund dafür sei, dass die Bundeswehr über viele Jahre hinweg „am langen Arm vernachlässigt“ worden sei. „Wo kommen die meisten Flüchtlinge her?“, fragte ein Schüler . „Aus dem nahen Osten“, lautete die Antwort. Die nächste Flüchtlingswelle werde aus Afrika kommen. Menschen, die sich aufgrund ihrer sich verschlechterten Lebensbedingungen auf dem Weg nach Europa machen. Am Ende der Unterrichtsstunde würdigte Biedefeld das Engagement der Schüler. Eine Botschaft gab sie den jungen Leuten mit auf dem Weg: „Die Demokratie fällt nicht vom Himmel“. Sie müsse jeden Tag aufs neue erarbeitet werden. Schulleiter Thomas Kaiser bedankte sich bei Biedefeld für die Bereitschaft, sich den Schülerfragen zu stellen und bei den Schülern für ihr Engagement bei der Diskussion.

Die Private Wirtschaftsschule

Die Private Wirtschaftsschule (PWS) in Lichtenfels besteht seit knapp 70 Jahren. Aktuell werden rund 160 Schüler unterrichtet. Ab dem Schuljahr 2018/2019 bietet die Schule die Möglichkeit, bereits nach der fünften Klasse Mittelschule, Realschule oder Gymnasium in die sechste Klasse der PWS zu wechseln. Zum Emblem „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gesellt sich seit wenigen Tagen die Auszeichnung „Bayern barrierefrei – wir sind dabei“. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration honoriert damit die Bemühungen, auch Rollstuhlfahrern einen barrierefreien Zugang zum Gebäude zu ermöglichen. Im Eingangsbereich wurden Rampen eingebaut, die die wenigen Stufen überwinden helfen. „Auch bei der Stundenplanung und Zimmerzuordnung berücksichtigen wir, ob ein Rollstuhlfahrer die jeweilige Klasse besucht“, erläuterte Schulleiter Thomas Kaiser.