LICHTENFELS/ALTENKUNSTADT

Verwegene Tonpassagen in allen Registern

Die Musiker des Kreisorchesters Lichtenfels boten ein breites Spektrum ihres Könnens. Foto: Roland Dietz

Ein Titel ist oft nicht sehr vielsagend. Am Sonntagabend war dies in der Kordigasthalle anders. Der Titel des Konzertes des Kreisorchesters und der Brass-Band Bamberg „Paradiso“ war genau richtig. Paradiesische Klänge hatten beide Orchester dem Publikum in der proppenvollen Kordigasthalle geboten. So war es auch nicht verwunderlich, dass bereits nach dem ersten Teil des Konzertes die über 80 Musiker des Kreisorchesters mit „Standing Ovations“ in die Pause entlassen wurden.

Das Kreisorchester gehöre zur kulturellen Grundversorgung, erklärte der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes Horst Sünkel. Dies erfreute auch Landrat Christian Meißner und Bürgermeister Robert Hümmer, die das Orchester als einen Botschafter des Landkreises lobten. „Paradiso“ hieß auch das Eingangsstück des Kreisorchester aus der Symphonie „The Divine Comedy“ („Die göttliche Komödie“). Ruhig beginnend mit wunderschönen Hörnerklängen überstrahlt und mit gesungenen Akkorden und einem fantastischen Fundament der Tuben entwickelte das Orchester die Komposition zu einem fulminanten Klangbild im finalen Teil. Eine herrliche musikalische Bildbeschreibung war „Red Mountain“. Sie beschreibt die Farben der Dolomiten im Tagesablauf. Gefühlvoller Trompetenklang beschreibt die aufgehende Sonne hinter den Bergmassiven. Das Erwachen der Bergwelt wird durch bewegte Notenbilder gekonnt dargestellt.

Ein Ständchen zum Geburtstag

Schöne musikalische Bilder hatte auch die Komposition von Jacob de Haan „Virginia“ zu bieten. Grandiose Landschaften des Bundesstaates der USA und auch die Geschichte wurden glänzend dargestellt. Mit einem großen Fortissimo wurde die tolle Landschaft aber auch der beginnende Bürgerkrieg musikalisch erlebbar. Dieses Stück wird das Kreisorchester mit beim „Flicorno d'Oro“ einem Musikwettbewerb im italienischen Riva del Garda in zwei Wochen spielen. Es wurde klar, dass Kreisdirigent Christian Stenglein dazu „sein Orchester“ bestens vorbereitet hat.

Diesem wurde zum Geburtstag am Tage vorher Ständchen von über 700 Stimmen in der Halle zu Teil. In eine ganz andere Musikrichtung ging es mit dem Traditionsmarsch „Regimentskinder“ von Julius Fucik. Begeistert klatsche das Publikum im Trio mit. „Concerto in one Movement“ war dann wie ein Kontrast dazu. Solist Sebastian Fischer an der Tuba zeigte sein großartiges Potenzial. Bestechende Atemtechnik, viel Finesse in schnellen Passagen und ein weicher Klang machten die fast schon choralartige Komposition zu einem wahren Ohrenschmaus. Endgültig aufgezeigt wurde die Vielfalt der Blasmusik mit dem Rockklassiker der Popgruppe Queen „Bohemian Rhapsodie“. Dabei kam das E-Piano, gespielt von Josef Pietz, so richtig zur Geltung. Nach getragener Einleitung der Holzinstrumente und dem gefühlvollen Mittelteil kam beim rockigen Teil die Spielfreude der Musiker sehr zum Tragen. Musik zum Träumen war angesagt bei „The seal Lullaby“. Josef Pietz diesmal als Solist, wurde getragen von einem Orchester mit sehr guter Intonation.

Mit einigen Musikern weniger, aber dennoch mit großem Klangvolumen, war dann die Brass-Band Bamberg zu erleben. „Fanfare and Flourishes“ basiert auf dem berühmten Te Deum von Marc-Antoine Charpentier. Die Erhabenheit und Feierlichkeit der Komposition setzten die 35 Musiker perfekt um. Verwegene Tonpassagen in allen Registern hatte das Werk „Entertainments von Gilbert Vinter zu bieten. Spritzige Trompeteneinwürfe und schnelle Xylofonpassagen und ein filigranes Zusammenspiel zeigten das hohe technische Niveau der Musiker auf. Queen's Park Melody ist leichte Musik mit barocken Einflüssen. Die Kombination aus Barock und Pop gelang den Musikern ohne Probleme. Ein weiteres solistisches Highlight war dann „The Prayer“. Celine Dion und Andrea Bocelli hatten damit 1999 einen Welthit.

„The Kingdom of Dragons“

Ruppert Motschenbacher und Tim Förster boten an ihren Euphonien eine Leistung der Extraklasse. Bestechende Tonreinheit perfekt im Zusammenspiel hatte dieses Stück schon „Gänsehautfeeling“. „The Kingdom of Dragons“ beschreibt die englische Stadt in Süd-Wales. Der Stolz der Bevölkerung auf ihr Footballteam, die Ruhe Englischer Parkanlegen, die Geschäftigkeit der Bergbauindustrie und das Leben in den Schlössern von Monmouthshire hat Komponist Philpp Harper in dieser musikalischen Betrachtung eingearbeitet. Wie eine große Symphonie wurde das Werk von der Brass-Band Bamberg und ihrem Leiter Franz Josef Georg Matysiak dargebracht. Wer es noch nicht gemerkt hatte, dem wurde endgültig klar: hier sitzen eigentlich 35 Solisten auf der Bühne.

Verdienstnadel in Gold

Eigentlich ist er schon seit über 25 Jahren an der Spitze des heimischen Musikverbandes tätig. Ob als Musiker, Gründer der Bläserjugend oder als Kreisvorsitzender war er immer an vorderster Front in heimischen Musikerkreisen zu finden. So hatte Bezirksvorsitzender Thomas Kolb für Kreisvorsitzenden Horst Sünkel eine besondere Überraschung parat. In Anerkennung für über 20-jährige vorbildliche Funktionärstätigkeit um die großartigen Verdienste in der deutschen Blasmusik erhielt er die Verdienstnadel in Gold des Nordbayerischen Musikbundes. Ebenso erhielt er aus den Händen von Thomas Kolb die Verdienstmedaille in Gold für vorbildliche Tätigkeit in der Musik der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände. Horst Sünkel erinnerte an seine Anfangszeit, als er 1993 die Bläserjugend im Landkreis und seinem Heimatverein Schwürbitz gegründet hat und dann vor 20 Jahren Kreisvorsitzender wurde.

Glänzend aufgelegt waren die Solisten Ruppert Motschenbacher und Tim Förster mit ihren Euphonien bei The Prayer Foto: Roland Dietz
Ehrung für den Kreisvorsitzenden Horst Sünkel (v. li.): Landrat Christian Meißner, Horst Sünkel, Kreisdirigent Christian Stenglein, Bezirksvorsitzender Thomas Kolb und stellvertretender Kreisvorsitzender Florian Zapf. Foto: Roland Dietz