LICHTENFELS

Ein 3-D-Zentrum mitten in Lichtenfels

Das Gebäude Marktplatz 2: Es hat einen neuen Eigentümer, der dort ein Zetrum modernster Technologie errichten will. Foto: Roger Martin

Das stadtbildprägende Geschäftshaus in 1-A-Geschäftslage am Marktplatz der Korbstadt verfällt zusehends. Es heißt im Volksmund immer noch „Deichmann-Haus“, obwohl nach dem Auszug dieser Firma andere Mieter folgten. Der letzte Einzelhändler im Gebäude Marktplatz 2 verkaufte Lederwaren und Geschenkartikel. Der damalige Geschäftsinhaber, Axel Dorsch, strich 2013 die Segel, bald nach der Eröffnung des Fachmarktzentrums. Seitdem diente das Erdgeschoss sporadisch als Raum für Veranstaltungen.

Das Gebäude schien von Jahr zu Jahr mehr zu verfallen. Damit ist nun Schluss. Der frühere Eigentümer Horst Fischer aus Bamberg hat die Immobilie verkauft. Der neue Eigentümer ist die R+G-Beteiligungs-GmbH in Lichtenfels. Sie hat Großes vor. „Wir planen mitten in der Stadt ein Zentrum modernster Technologie“, sagt Geschäftsführer Stefan Mehl.

Hinter der R+G-Beteiligungs- GmbH stehen die Firmen Robert Hofmann GmbH und Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH. Die Firma will den Standort am Marktplatz zum einen als Verwaltungsgebäude nutzten, zum anderen aber auch als öffentlich zugänglichen Schauplatz für die Präsentation des revolutionären 3-D-Drucks. Mitten in der Innenstadt soll für alle Interessierten sichtbar werden, „dass Lichtenfels nicht nur die Deutsche Korbstadt ist, sondern sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum des 3-D-Drucks entwickelt hat“, sagt Stefan Mehl dieser Redaktion auf Nachfrage.

„Lichtenfels ist nicht nur die Deutsche Korbstadt, sondern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum des 3-D-Drucks entwickelt.“
Stefan Mehl, Geschäftsführer R+G-Beteiligungs- GmbH

Die Vorbereitungen für das neue Projekt am Marktplatz laufen auf Hochtouren. Architekten sind beauftragt. Im Erdgeschoss des künftigen Gebäudes plant der neue Besitzer ein „begehbares Schaufenster“, in dem mehrere 3-D-Drucker stehen. Die Maschinen werden von einem Mitarbeiter betreut. Die Maschinen sollen dort nicht nur zu sehen sein. Sie kommen auch zum Einsatz. „Wir wollen die Faszination und die Möglichkeiten dieser Technologie erlebbar machen. Wir wollen den 3-D-Druck zu den Menschen bringen“, sagt Mehl weiter. Kommerzielle Interessen werde der neue Eigentümer des Hauses mit diesem „einmaligen Ansatz“ nicht verfolgen.

Neben den Schauräumen für den 3-D-Druck sollen im Haus Marktplatz 2 Räume für Veranstaltungen und Vorträge entstehen. „Sie können angemietet werden“, sagt Mehl. Räume für derartige Zwecke seien in der Innenstadt von Lichtenfels noch dünn gesät.

Das Haus sei inzwischen „marode und extrem baufällig“, sagt der R+G-Geschäftsführer. Er habe sich mehrfach selbst davon überzeugt. Der vergangene Winter habe die Situation drastisch verschlimmert. Die beauftragten Architekten prüfen derzeit die Bausubstanz. Es gebe Optionen: Die Fassaden bleiben stehen und das Gebäude wird komplett entkernt oder es wird komplett abgerissen. Verwertbare Untersuchungsergebnisse für eine Entscheidung über einen möglichen Abriss erwartet Mehl Ende März. Ende 2018 soll das Bauprojekt fertig sein.

Das Haus Marktplatz 2 ist nicht denkmalgeschützt, genießt aber Ensembleschutz. „Sollte ein Neubau notwendig sein, wird sich die Fassade des Gebäudes am ursprünglichen Aussehen des historischen Hauses orientieren. Es wird in jedem Fall sichergestellt, dass sich das Gebäude nahtlos in das Innenstadt-Ensemble mit dem renovierten Rathaus einpasst“, betont Stefan Mehl.

Gespräche zwischen dem neuen Eigentümer und der Stadtverwaltung laufen. Auch der Landrat ist informiert. „Bürgermeister Andreas Hügerich und Landrat Christian Meißner sind von unseren Plänen sehr angetan“, so Mehl weiter. Über das außergewöhnliche Projekt soll die Öffentlichkeit ständig informiert werden. „Ende März, Anfang April wird eine eigens eingerichtete Webseite online gehen“, sagt Mehl dieser Redaktion.

„Wie Blei“

Dass indessen das Haus trotz seiner zentralen Lage so lange leer gestanden ist, hat für den vormaligen Besitzer ausschließlich wirtschaftliche Gründe. „Als Deichmann Mieter war, hätte ich es 100 Mal verkaufen können“, so Horst Fischer. Zwischendurch sei das Gebäude als künftiges städtisches „Flechthaus“ so gut wie verkauft gewesen. Es habe bereits einen notariellen Vorvertrag gegeben, sagt Fischer noch heute. Die Stadt sei abgesprungen. Danach sei das Haus „wie Blei“ in den Immobilienportalen gestanden. „Der jetzige Bürgermeister ist sehr rührig“, meint Fischer weiter. Und offenbar gebe es doch noch Menschen, die ein solches Bauprojekt in der Innenstadt anpacken.

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