KLOSTERLANGHEIM

Übers Leben in der Zisterzienser-Abtei

Trotz Regen folgten viele Teilnehmer dem Rundgang von Prof. Dr. Günter Dippold durch das geschichtsträchtige Klosterlang... Foto: Alfred Thieret

Zahlreiche begleiteten Prof. Dr. Günter Dippold auf seinem Rundgang durch den geschichtsträchtigen Lichtenfelser Stadtteil. Zuerst stattete er aber dem 1982 anlässlich der 850-Jahr-Feier des Ortes gegründeten Heimatmuseum einen Besuch ab, das natürlich überwiegend Bezug auf die Geschichte des einstigen Zisterzienser Klosters nimmt.

Lebendige Schilderung

Kernstück des Museums ist im Parterre ein zwölf Quadratmeter großes, vom Klosterlangheimer Andreas Schnappauf geschaffenes Modell der ehemaligen Klosteranlage, das den baulichen Stand aus der Zeit um 1800 zeigt, mit dessen Hilfe Prof. Dippold den Besuchern einen lebendigen Eindruck von der einstigen Zisterzienser-Abtei vermitteln konnte: Nachdem 1098 der Zisterzienserorden vom Benediktinermönch Robert von Molesme im Kloster Citeaux in Burgund als benediktinischer Reformorden gegründet worden sei, habe Bischof Otto I. das Kloster Langheim 1132 gegründet, erklärte Prof Dippold einleitend. Als Hauskloster des Geschlechts Andechs-Meran sowie dessen Erbfolger der Grafen von Orlamünde und von Truhendingen habe Langheim hohes Ansehen erlangt. Ständige Auseinandersetzungen mit dem Bamberger Bischof hätten die Geschichte des Klosters geprägt.

Vor allem unter dem Abt Mauritius Knauer, der durch seinen „Hundertjährigen Kalender“ bekannt wurde, sei es ab 1649 aufwärts gegangen. Ende des 17. Jahrhunderts habe eine rege Bautätigkeit eingesetzt, die unter dem Abt Stefan Mösinger in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte.

Bedeutendstes Werk

Der Bezirksheimatpfleger verwies auf das bedeutendste Bauwerk Langheims, die Basilika Vierzehnheiligen, deren Bau 1743 begonnen wurde. Auf vielen Bauten sei das Wappen von Abt Nepomuk Pitius zu finden. Als letzter Abt Langheims sei Candidus Hemmerlein in die Geschichte eingegangen. Das wirtschaftlich prosperierende Kloster habe zur Zeit der Säkularisation in 230 Orten rund 1700 Höfe mit 17000 Tagwerk Felder, Wiesen und Wälder umfasst, die in Form von Erbzinsleihe vergeben gewesen seien, und dazu noch 33 Höfe in eigener Regie bewirtschaftet.

Hervorstechend

Der größte Komplex sei die Abtei gewesen, die mit dem Konventbau, dem Priorat und dem Münster eine Einheit bildete. Die im 14. Jahrhundert entstandene Klosterkirche sei als über 60 Quadramter lange dreischiffige Basilika mit zwei Dachreitern und vielen Altären konzipiert gewesen. Bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert stamme die im spätromanischen Stil erbaute und außerhalb der Klostermauern gelegene Katharinenkapelle.

Nach der Säkularisation profaniert, weitgehend zerstört und als Scheune genutzt, ging die Kirche vor etwa 15 Jahren in den Besitz der Stadt über. Das romanische Südportal habe vor über 100 Jahren der damalige Besitzer an ein Berliner Museum verkauft.

Hervorstechend sei auch der quadratische Ökonomiehof gewesen. Neben dem Konventbau und dem Ökonomiehof bestünden heute auch noch die Gebäude des Priorats und der Schmiede, der Sekretariatsbau und die Konsulensie (Hofratsgebäude).

Der originelle Rundbau des Nassangers, 1692/93 von Leonhard Dientzenhofer erbaut, diente laut Referent dem Kloster als Wirtschaftsgebäude. Auch das 1724 in Trieb erbaute Schlösschen und das neun Jahre später errichtete Hofgut zeugten vom Reichtum des Klosters.

Brandnacht

Ein einschneidendes Ereignis sei der Brand in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1802 gewesen, der das Kloster stark in Mitleidenschaft zog. Trotzdem hätte das Kloster die Folgen des Brandes leicht überwinden können, doch die politisch diktierte Säkularisation habe den Fortgang der Geschichte und den Fortbestand des Klosters verhindert, konstatierte Prof. Dippold. Die Mönchsgemeinschaft sei aufgelöst worden. Die Gebäude seien verkauft oder abgerissen worden.

Baumaterial

Aus Abbruchmaterial seien unter anderem das evangelische Pfarrhaus in Michelau, die evangelische Kirche in Schney, die Porzellanfabrik in Schney und ein Haus am Lichtenfelser Marktplatz erbaut worden. Stark betroffen seien die Tagelöhner und Handwerker in den Dörfern rings um das Kloster gewesen, die ihre Verdienstmöglichkeit verloren hatten.

Bei einem Rundgang wurden schließlich noch die vorhandenen Gebäude aus der Klosterzeit in Augenschein genommen. Und zwar der Konventbau, das einstige Brauhaus, das Backhaus, die Ochsenmühle, die Wagenremise, der Ökonomiehof, die Katharinenkapelle und zum Schluss die Sepulturkapelle.