LICHTENFELS

Als im Rathaus noch gebraut wurde

Bierspezialitäten aus der Kreisstadt.

In der vorherigen Folge dieser Serie habe ich ein Loblied auf die Brauereidichte gehalten, die es im Landkreis Lichtenfels noch gibt – allerdings mehr auf dem Land als in der Stadt. In Lichtenfels selbst sieht die Sache anders aus. Dabei hatte Lichtenfels eine reiche Brautradition, die leider Stück für Stück verloren ging.

Wer weiß zum Beispiel noch, dass im ehrwürdigen Lichtenfelser Rathaus bis 1862 das städtische Brauhaus beheimatet war? Als die Brauerei mit ihrem Dampf und Rauch den Amtsbetrieb zu sehr störte, wurde sie in die Mauergasse verlegt. Im 19. Jahrhundert entstanden auch kleine private Brauhäuser, von denen einige schon bald darauf wieder dem Fortschritt in Gestalt von Bahnstrecke und Bahngebäuden zum Opfer fielen.

„Lichtenfelser Kindl“

Auch die größeren Betriebe überlebten die Zeiten nicht. Die 1859 gegründete Bayrische Bierbrauerei mit ihrer wechselhaften Geschichte zum Beispiel. Bald nach der Gründung wurde sie verkauft und ging wenige Jahre später in Konkurs. Dann kaufte die Coburg-Gothaische Creditgesellschaft die Brauerei, die 1881 unter dem Markennamen „Lichtenfelser Kindl“ in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Von da an ging es bergauf und sie wuchs zur größten Brauerei vor Ort mit 13 000 Hektolitern Ausstoß pro Jahr.

1953 fusionierte man mit der 1845 gegründeten Lichtenfelser Bürgerbräu zur Bayrisch Urbräu KG. Auch bei der Lichtenfelser Bürgerbräu ging es auf und ab, bevor sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und unter anderem die Exportbierbrauerei Klosterlangheim übernommen hatte. Was aber nichts half.

Nach der Lichtenfelser Fusion hielt sich die Bayrisch Urbräu keine 20 Jahre mehr auf dem Markt. 1970 kaufte die Nürnberger Brau AG, die spätere Tucher Bräu, selbst auf Wachstumskurs, die Brauerei – und schloss sie.

Auf dem immer mehr auf Größe und Hektoliter schwörenden Markt hatten letztlich die beiden Brauereien „Wicklespeter“ und „Bräuwirt“ auch keine Chance mehr. Lichtenfels war – abgesehen von der Brauerei Wichert im eingemeindeten Ort Oberwallenstadt – brauereilos.

Dass sich dieser Zustand 2012 wieder geändert hat, ist der kleinen Braumanufaktur Lippert zu verdanken. „Manufaktur“ heißt hier übrigens, dass an jeder Flasche wirklich Hand anlegt wird. Markus Lippert heißt der „Bräu“, der eigentlich keiner ist. Zumindest kein gelernter und erst recht kein studierter, sondern ein Quereinsteiger. „Warum nicht mal selbst Bier brauen?“, fragte er sich. „Kann man das selbst machen?“ In der Küche macht er Nudeln und Klöße ja auch selbst. Also hat er verschiedene Bücher gewälzt und 2009 seinen ersten Sud als Hobbybrauer angesetzt – und war gleich „angefixt“.

Kein leichter Weg

Allerdings hat man als Hobbybrauer das eine oder andere „Problem“, über das sich gewerbliche Brauer weniger Sorgen machen müssen: Bier zu brauen braucht viel Zeit und macht auch einige Arbeit. Und die bleibt nahezu gleich – egal, ob man jetzt 20 Liter macht oder 100.

Einfach mal probiert

Wenn man aber 100 Liter braut, wer soll dann das ganze Bier trinken? Dann wäre es doch besser, man könnte das Bier auch verkaufen … Mit dem Gedanken machte sich Markus Lippert 2012 daran, aus seinem Hobby ein eingetragenes Gewerbe zu machen.

Was im ersten Moment einfacher klingt, als es tatsächlich ist. Ein Gewerbe ist anzumelden, die Auflagen der Lebensmittelaufsicht und der Berufsgenossenschaft sind zu erfüllen, der Zoll malt ein Steuerlager in den Plan der eigenen vier Wände ein, von der Handwerkskammer und dem Finanzamt ganz zu schweigen. Alles wie gesagt nur, um das eigene Hobby mit anderen zu teilen. Reich werden kann man mit einem Jahresausstoß von 20 Hektolitern nämlich nicht. Groß wachsen kann er mit seiner Brauhütte auch nicht. Im Gegenteil. „Ich muss mit dem Vertrieb langsam machen“, sagt Markus Lippert. Brauen und abfüllen kann er schließlich nur, wenn ihm Beruf und Familie Zeit dafür lassen. Das Bier gibt es deshalb auch nur im Lichtenfelser Bauernladen am Säumarkt. Schließlich will der die Lichtenfelser Innenstadt wieder ein wenig beleben – und das ist nach Markus Lipperts Geschmack.

Schön malzig

Nach meinem Geschmack sind die Biere der Braumanufaktur. Im Sommer kann man sich ein Weißbier gönnen. Aber eigentlich gehört mein Herz den untergärigen Bieren. Solchen wie dem Räucherla, einem ordentlichen Rauchbier. Oder seiner „Hausmarke“, dem „Amber“. Der Name klingt zwar nach „neumodischem Craft Beer“, dahinter versteckt sich aber ein recht traditionelles, unfiltriertes bernsteinbraunes Lager. Schön malzig, mit einem Hauch von Hopfenaroma und Hopfenherbe. Ein Bier, das in die Lichtenfelser Biertradition passt.

Besser vorher anrufen

Wer will, kann es sich auch beim Brauer direkt in Fässern holen. Man muss nur rechtzeitig vorher am besten vor 19 Uhr anrufen, denn Bier gibt es nicht immer. Aber wenn, dann lohnt es sich.

Und wer der Marke Bayerisch Urbräu nachhängt, der wird im Edeka in der Mainau fündig. Da hat der Marktleiter diese Marke neu aufleben lassen. Gebraut wird dieses Bier allerdings bei der Kommunbräu in Kulmbach.

Vom Hobby zum Kleingewerbe: Markus Lippert betreibt eine Biermanufaktur in Lichtenfels. Foto: Norbert Krines