LICHTENFELS

Entwicklung von Lichtenfels geprägt

Große Trauer: Völlig unerwartet ist Winfred Bogdahn im Alter von nur 63 Jahren gestorben. Foto: Red

Der frühere Erste Bürgermeister der Stadt Lichtenfels, Winfred Bogdahn, ist im Alter von nur 63 Jahren gestorben. Die traurige Nachricht verbreitete sich am Donnerstagnachmittag schnell in Stadt und Landkreis Lichtenfels. Sie machte nicht nur traurig, sondern zunächst auch sprachlos. Die Betroffenheit von Freunden und politischen Weggefährten ist enorm. Mitgefühl und tief empfundenen Anteilnahme gelten seiner Frau Ingrid, seiner Tochter und seinen beiden Söhnen.

Winfred Bogdan hat die Geschichte der Deutschen Korbstadt und die Entwicklung des Landkreises Lichtenfels vor allem während seiner Zeit als Rathauschef maßgeblich geprägt. Für die Sozialdemokratische Partei in Stadt und Landkreis war er bis zuletzt treibende Kraft und höchst kreativer Ideengeber.

Geboren 1952 in Staffelstein als Sohn eines Zimmermanns und einer Buchdruckerin zog Bogdahn mit der Heirat 1978 nach Lichtenfels. In diesem Jahr kehrte er aus Erlangen zurück, wo er nach dem Abitur am Meranier-Gymnasium in Lichtenfels im Jahre 1972 für das Lehramt studiert hatte. Die erste Lehrerstation war Coburg, wo Bogdahn 1981 in den Fächern Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Ethik begann. Seine Lehramtslaufbahn setzte Bogdahn später am Gymnasium in Burgkunstadt fort.

Beliebter Pädagoge

Der Lehrerberuf lag dem Lichtenfelser sehr am Herzen. Winfred Bogdahn konnte – wie aus Schüler- und Lehrerkreisen immer wieder zu hören war – sehr gut mit jungen Menschen kommunizieren und sie unterrichten. Der Lehrer mit der geschliffenen Rede war aber auch ein durch und durch politischer Mensch. Seine pädagogischen Fähigkeiten, seine hohe Intelligenz und sein bemerkenswertes rhetorisches Talent ließen ihn auf der politischen Karriereleiter schnell hochkommen.

Winfred Bogdahns politische Heimat war die SPD. Willy Brandt war eines seiner Idole. Über die Jusos gelangte er bereits Anfang der 1980er Jahre an die Spitze des Ortsvereins Lichtenfels. Bald danach wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden im SPD-Kreisverband gewählt. 1984 folgte die erstmalige Wahl in den Stadtrat von Lichtenfels. 1990 kürten ihn die Stadträte zum Dritten Bürgermeister. Als 1991 die außerplanmäßige Neuwahl für den Chefsessel im Rathaus der Kreisstadt fällig wurde, trat Winfred Bogdahn für „seine“ SPD als Spitzenkandidat an. In der damaligen CSU-Hochburg Lichtenfels eroberte er für die SPD das Rathaus. Bei der Kommunalwahl 1996 wurde er eindrucksvoll wiedergewählt.

Zehn Jahre lenkte Winfred Bogdahn als Stadtoberhaupt die Geschicke der Kreisstadt. Nach der Wahl 2002, bei der er als Spitzenkandidat überraschend unterlag, kehrte Bogdahn ins Lehramt zurück, dort, wo er seine Wurzeln hatte. Das Gymnasium in Burgkunstadt war fortan sein beruflicher Wirkungskreis.

Merania-Hallenbad und JUZ

Winfred Bogdahn hat für seine Heimatstadt und für den Landkreis außergewöhnliche Verdienste erworben. Projekte wie das Hallenbad Merania, der Neubau der Kläranlage und das neue Jugendzentrum (JUZ) sind Marksteine in der Geschichte der Kreisstadt. Ebenso wie neue Bau- und Gewerbegebiete, die Innenstadtgestaltung von Lichtenfels und die damit verbundene Verkehrsberuhigung oder die Ansiedlung des heute noch ansässigen WEKA-Kaufhauses am Säumarkt. Diese und andere Errungenschaften fallen alle in die Ära Winfred Bogdahn und werden für immer mit seinem Namen verbunden bleiben.

Diplomatisches Geschick entfaltet

Die alleinige Würdigung der Verdienste im politischen Amt, für die er kürzlich mit der kommunalen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde, wird einer Persönlichkeit wie die des viel zu früh Verstorbenen nicht gerecht. Winfred Bogdahn war jemand, der etwas zu sagen hatte und dem man gerne zuhörte. Das lag auch daran, dass er auch öffentlich gerne einmal „gegen den Strom“ sprach und argumentierte. Er sagte deutlich seine Meinung. Er eckte mitunter bewusst an, um aufzurütteln. In jüngster Zeit zeigte der Vollblutpolitiker im Stadtrat und im Kreistag weitere Qualitäten: Mehr und mehr vermittelte er nach außen eindrucksvoll, dass auf kommunaler Ebene trotz unterschiedlicher politischer Grundüberzeugungen und Meinungsverschiedenheiten nur der Wille zum Kompromiss und zur Zusammenarbeit Sinn macht. Dieses – offenbar aus langjähriger kommunalpolitischer Erfahrung – hinzugewonnene diplomatische Geschick zeigte Wirkung: Landrat Christian Meißner sagte am Donnerstag, beide – er und Winfred Bogdahn – hätten in den vergangenen Jahren zueinander gefunden. Über Parteigrenzen hinweg verschaffte sich der Sozialdemokrat so in jüngster Zeit an der Spitze seiner Fraktionen in Stadt- und Kreistag noch mehr Gehör und Respekt. Winfred Bogdahn hat erheblich dazu beigetragen, dass die Gräben zwischen den Fraktionen im Kreistag lange nicht mehr so tief sind wie früher. Auch das ist einer seiner Verdienste.

Meißner: Großer Sohn der Stadt

Weggefährten, Freunde und die gesamte kommunalpolitische Familie am Obermain trauern um Winfred Bogdahn. Landrat Christian Meißner zeigte sich „sehr getroffen.“ Winfred Bogdahn habe „unglaubliche Verdienste“ erworben. Er sei ein „großer Sohn des Landkreises und der Stadt“. Sein tief empfundenes Mitgefühl gelte der Frau und den Kindern des Verstorbenen.

Erster Bürgermeister Andreas Hügerich konnte seine Trauer kaum in Worte fassen. „Ich bin total geschockt“, sagte er. Sein Parteifreund Winfred Bogdahn sei eine herausragende Persönlichkeit im politischen und kulturellen Leben der Stadt gewesen. Ihm sei immer wichtig gewesen, „dass es den Menschen gut geht“. Er verliere einen „väterlichen Freund“, so der Erste Bürgermeister.

„Geschockt“ war auch der Dritte Bürgermeister der Stadt, Winfried Weinbeer. Er verliere einen seiner besten Freunde, den er zunächst über die Kommunalpolitik kennegelernt habe und der ihm mit der Zeit auch privat sehr ans Herz gewachsen sei. Der Verstorbene sei einer „der fähigsten, profiliertesten und talentiertesten Politiker auf Stadt- und Landkreisebene“ gewesen. Winfred Bogdahn habe 2010 den Vorsitz bei der mitgliederstarken Turnerschaft übernommen. „Er hinterlässt eine riesigen Lücke“, so Weinbeer. Für die SPD äußerte dessen Kreisvorsitzender Sebastian Müller große Bestürzung und Anteilnahme angesichts des Todes von Winfred Bogdahn. „Er wird uns sehr fehlen“, sagte Müller. Sein Tod sei ein „wahnsinniger Verlust“.

Verlag und Redaktion dieser Zeitung drücken der Familie von Windfred Bogdahn ihre tief empfundene Anteilnahme aus.