TRIEB

Falsche Frauen und eine Puppe

Grundlose Furcht: Um als Verdächtige auszuscheiden und um nicht erkannt zu werden, legen Oliver und Nobbi Damenkleider a... Foto: Dieter Radziej

Mit einer Kriminalkomödie in drei Akten von Jutta Gutzeit erfreut die Theatergruppe von Trieb derzeit ihr Publikum. „Rendezvous mit einer Leiche“ – unter diesem Titel steht die Handlung, mit der es den heimischen Schauspielern gelingt, die Lachmuskeln ihrer Zuhörer nach Kräften zu strapazieren.

Seitensprünge geplant

Oliver (Thorsten Sittig), eigentlich seit 20 Jahren glücklich verheiratet, möchte dennoch ein Wochenende mit einer unbekannten Dame verbringen, die er per Kontaktanzeige in der Tageszeitung kennen gelernt hat. Was er allerdings nicht weiß, seine bessere Hälfte Mathilde (Brigitte Templin) hatte das gleiche Ansinnen und ebenfalls eine Annonce aufgegeben. Natürlich brauchen beide ein Alibi für dieses Treffen. Der Ehemann entscheidet sich für einen Angelausflug mit seinem Freund Nobbi (Jörg Handke), während die Frau von Oliver das Vorhaben, ein erlebnisreiches Wochenende zu verbringen, mit ihrer Freundin Lore (Carmen Reuß) „angeht“.

Als Oliver und sein Freund im besagten Gasthof zu später Stunde eintreffen, stehen sie vor verschlossenen Türen. Aufgrund der hohen Erwartungen entscheiden sie sich, die Türen aufzubrechen, was ihnen auch gelingt. „Nur nicht auffallen“ lautete anschließend die Devise, als sie sich im Taschenlampenlicht langsam vortasten. Dann der Aufschrei: „Eine Leiche“. Wie angewurzelt stehen die beiden „Abenteurer“ in der Wirtsstube. „Was jetzt tun?“ Denn es könnte ja später sein, dass sie als Mörder in Frage kommen. So jedenfalls haben sie sich ihr „Rendezvous“ beileibe nicht vorgestellt.

Der etwas stotternde Sohn der Wirtin (Christian Schüpferling) hat die vermeintlichen „Einbrecher“ zwar gesehen, nur auf ihn will niemand so richtig hören, weshalb ihm seine Mutter, die Wirtin Ilse (Martina Lutter), einfach rät, seine Wahrnehmungen aufzuschreiben. Zwischenzeitlich reisen Mathilde und ihre Freundin Lore an – sowie als weitere Gäste Monika (Anne Vahl) und ihre Tochter Janina (Katharina Krauß), für die sie auf der Suche nach einer „guten Partie“ ist. Janina möchte allerdings nicht auf die Eheanbahnung ihrer Mutter eingehen, da der Angebetete (alter Sack) keinesfalls ihren Vorstellungen entspricht, wogegen bei Mathilde und ihrer Freundin Lore schon Gedanken aufkommen, ob dieser „Ausflug“ richtig ist und nicht „lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ als sicherer empfunden werden sollte.

Zwischenzeitlich tritt der Briefträger Alfonso (Norbert Eidenschink) in das Geschehen und entdeckt seine Zuneigung für die verwitwete Gastwirtin, der es regelrecht warm ums Herz wird. Dennoch holt sie die Realität ein, als sie die beschädigten Türen zur Anzeige bringt und der Dorfgendarm Ferdinand (Jens Müller) die Ermittlungen aufnimmt. Von einer quälenden Last sind dabei Oliver und Nobbi noch immer befallen, so dass sie sich entschließen, Frauenkleider anzulegen. Sie rücken, sehr zur Freude des Publikums, als Olivia und Jaqueline in den Mittelpunkt des Geschehens. Bei der Suche der Leiche ist diese plötzlich aus der Truhe verschwunden und nicht mehr aufzufinden. Das niedergeschriebene Geständnis vom Sohn der Gastwirtin lassen sie vorsorglich schon einmal verschwinden.

Die Erleuchtung

Licht ins Dunkel bringt schließlich Magd Marlene (Annika Lutter), als sie ihre männliche Puppe aus dem Kleiderschrank holt. Die Zuschauer können konnte sich nun die Handlung schon etwas erklären, nicht jedoch die Mitwirkenden. Ein Grund dafür ist, dass Marlene einfach keinen Freund finden kann und ihre gesuchte Nähe zum Stallburschen Sepp (Thomas Schüpferling) nicht erwidert wird. „Nachhilfe“ erhält sie jedoch von Janina, die vor allem ihr „Outfit“ als Grund dafür sieht, dass sie bei den Männern bislang nicht „angekommen“ ist. Sie hat schon die Zuneigung zu Klaus entdeckt, wobei ihre Mutter zunächst vollends dagegen ist, jedoch hellhörig wird, als die Mitgift, also ein zu erwartendes Erbe, zur Sprache kommt.

Postbote Alfonso offenbart zwischenzeitlich der Wirtin seine Zuneigung, Während das Werben von Magd Marlene, frisch gestylt, endlich vom Knecht Sepp erhört wird. Als Oliver und Nobbi, zwischenzeitlich wieder in Männerkleidern, erkennen, dass ihre Ängste unbegründet waren und sie sich nur vor einer Puppe gefürchtet haben, gehen sie wieder zum ehelichen Alltag über. Schlussendlich brauchen sich Mathilde und Oliver gegenseitig keine Vorwürfe zu machen, denn sie hatten ja das gleich Ansinnen – allerdings mit einem unerwarteten Ausgang.

Am Ende spendete das Publikum der Theatergruppe von Trieb einen lang anhaltenden Applaus, der im gleichen Maße der Souffleuse Susi Sittig galt.

Weitere Vorstellungen: Wer diese gelungene Kriminalkomödie ebenfalls erleben möchte, hat am Montag und Dienstag, 16. bzw. 17. November, jeweils um 20 Uhr, im Gasthof „Karolinenhöhe“ nochmals die Gelegenheit.

Bezaubernd: Gastwirtin Ilse ist hingerissen, als ihr Briefträger Alfonso seine Zuneigung bekundet.

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