LICHTENFELS

90 Minuten Balsam für die Seele

Glänzte mit einer Uraufführung: das Streichensemble Harmonia Unitatis. Foto: Gerda Völk

Auf eine musikalische Zeitreise durch vier Jahrhunderte entführte am Sonntagnachmittag das Streichensemble Harmonia Unitatis. Im Gepäck hatten die elf Streicher unter Leitung von Björn Pampuch „Sounds from the Island“.

Als gelungene Einstimmung in das Konzert erwies sich Henry Purcells Overture from „Dido und Aeneas“. Dem Streichensemble Harmonia Unitatis liegt die Aufführung weniger bekannter oder vergessener Werke besonders am Herzen.

Zu den heute eher unbekannteren Komponisten zählt der 1695 in Mailand geborene und im Alter von 33 Jahren nach England übersiedelte Giuseppe Sammartini. Das „Concerto in Fa per flauto dolce e archi“ komponierte Sammartini für die Sopranblockflöte in C. Der erste Einsatz für die Bamberger Flötistin Anne Reinhardt, deren Instrument das beherrschende Element der Komposition war.

Unterschiedliche Stimmungen

Hinter dem Pseudonym Peter Warlock verbirgt sich der englische Komponist und Musikkritiker Philip Arnold Heseltine. Schon der Name Warlock verrät Heseltines Hang zum Okkultismus. Seine sechssätzige „Capriol Suite“ entpuppte sich als höchst interessantes Werk mit unterschiedlichen Stimmungen und Längen. Seinen überraschenden Abschluss fand die Suite in einen mit Mattachins überschriebenen Schwerttanz.

Gordon Jacob widmete seine 1958 entstandene „Suite for Recorder“ dem englischen Blockflötenvirtuosen Carl Dolmetsch. Ein Werk, welches zu den wichtigsten Blockflötenkonzerten des 20. Jahrhunderts zählt, in dem Anne Reinhardt mit großer Virtuosität überzeugte. Weich fließende lyrische Teile wechselten sich mit schwungvollen Passagen ab und endeten schließlich mit einer feurigen Tarantella. Von eher leisen Tönen war die sich anschließende “Serenade for String Orchestra“ von Edward Elgar geprägt.

Gewisse Dramatik

Eine gewisse Dramatik kann das neue Werk “Green Island“ des Passauer Komponisten und Ensemblemitglied Philipp Ortmeier (Violoncello) nicht verleugnen. Das Publikum erlebte eine Uraufführung, die einen würdigen Schlusspunkt unter ein höchst hörenswertes Konzert setzte. In „Green Island“ wurden Bilder von zerklüfteten Berglandschaften, grünen Ebenen, Seen und dem Meer wach. Ein Stimmungsbild, bei dem der Zuhörer die Gedanken schweifen lassen konnte. Ortmeier hatte das Werk für Solistin Anne Reinhardt geschrieben, die es auf der Sopranino-Flöte interpretierte.

Was das Konzert von Harmonia Unitatis am Sonntagnachmittag auszeichnete: Die Begeisterung der Interpreten für das gemeinsame Musizieren und ihr harmonisches Zusammenwirken. Da brauchte es keine großen Worte oder Gesten, diese wurden durch Einfühlungsvermögen und das Wissen um die Präsenz des eigenen Instruments ersetzt.

Mehr Besucher verdient

Durch die geschickte Auswahl der Werke erlebte der Zuhörer eine ganze Bandbreite an Melodien und Stimmungen, von sehnsuchtsvoll über energiegeladen bis hin zu einer gewissen Dramatik. Oder anders ausgedrückt: 90 Minuten Balsam für die Seele. Das Konzert hätte schon durchaus mehr Besucher verdient.