LICHTENFELS

Vergewaltigungsvorwürfe frei erfunden

Neue Heimat für Heimatlose: die Asylbewerberunterkunft am Bahnhofplatz in Lichtenfels. Foto: MARKUS DROSSEL

Schlimme Gerüchte machen im sozialen Netzwerk Facebook dieser Tage die Runde: In einer nicht näher genannten Asylunterkunft in Lichtenfels soll es zu Vergewaltigungen gekommen sein. Ralf Fenderl, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, aber stellt klar: An diesen Anschuldigungen ist rein gar nichts dran.

„Die Polizei weiß von derartigen Vorgängen nichts“, stellt er unmissverständlich heraus. „In den Asylunterkünften gibt es Sicherheitsdienste und Hausmeister, so dass wir schon davon erfahren hätten.“ Die Beamten der Polizeiinspektion wissen von der brodelnden Gerüchteküche bei Facebook. Fenderl kann darüber nur den Kopf schütteln: „Irgendwer bringt ein Gerücht auf – und es findet sich immer ein Naiver, der das dann auch glaubt.“

Seit Anfang Juni ist er stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. „In den vergangenen Monaten waren wir von der Polizei bislang nur einmal bei einer Asylunterkunft“, sagt er. „In der am Bahnhofsplatz war es zu Familienstreitigkeiten gekommen. Aber Familienstreitigkeiten gibt es ja genügend auch außerhalb von Asylunterkünften.“

Lichtenfels‘ Bürgermeister Andreas Hügerich findet bei Facebook deutliche Worte gegen die rechtsmotivierte Hetze. Als von den Gerüchten erfuhr, nahm er diese sehr ernst, hielt er selbst Rücksprache mit der Polizei und ebenso dem Landrat. Auch er erfuhr, dass es keine Anhaltspunkte gibt. „Wer leichtfertig in sozialen Medien oder im Alltag solche Behauptungen in die Öffentlichkeit setzt, ist sich der Tragweite seiner Äußerungen nicht bewusst“, so Hügerich. „Dieses Verhalten ist so nicht hinnehmbar.“ Er bittet stattdessen um gelebte Solidarität mit den Menschen, die Hilfe benötigen. „Mit Gerüchten dieser Art kann sehr großer Schaden angerichtet werden. Ich verurteile sie aufs Schärfste und trete ihnen entschieden entgegen“, unterstreicht er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wer sich wirklich mal mit den Asylbewerbern auseinandersetzt, wird merken, dass sie ganz normale Menschen sind. Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Die ihre Existenzen und zum Teil Familien in ihrer Heimat zurückgelassen haben, die Krieg und Elend entflohen sind.“ Statt Stammtisch-Polemik und Schwarz-Weiß-Denken brauche man in Lichtenfels eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstütze - und eben auch Asylbewerber.

Strafrechtlich relevant?

„Ich habe am Mittwoch ebenfalls davon erfahren und die Polizei gebeten, den erhobenen Vorwürfen nachzugehen“, sagt Landrat Christian Meißner im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich weiß, dass hier ein sehr sensibler Bereich angesprochen ist, den wir im Auge behalten müssen. Wenn es wirklich zu Übergriffen kommen sollte, muss dies auch transparent gemacht werden. Bis dahin ist jedem Gerücht entgegenzutreten – auch mit Konsequenzen für denjenigen, der das Gerücht verbreitet!"

Nach Informationen dieser Redaktion prüft der Landkreis derzeit, inwieweit die Postings bei Facebook strafrechtlich verfolgt werden können. Sie lassen sich vor allem zu einem namentlich bekannten Facebook-User zurückverfolgen.