LICHTENFELS

Vorsicht vor Bumerang-Kindern

Von allein sein keine Spur: Helen (Mitte, Sandra Lava) und Georg Butler (re., Benjamin Jorns) sehen sich wieder ihren be... Foto: Gerda Völk

Wie ein Bumerang kommen sie zurück: Längst erwachsene Kinder, die wieder bei Mama und Papa einziehen, obwohl sie längst auf einen Füßen stehen könnten. Eine Erfahrung, die der amerikanischen Schriftsteller Lawrence Roman in seiner 1984 am Broadway uraufgeführten Komödie „Alone Together“ thematisierte.

Mit der deutschen Fassung „Endlich allein“ begeistere das Fränkische Theater Schloss Maßbach am Montagabend das Lichtenfelser Publikum. Erwachsene Kinder, die wieder zurück ins Elternhaus ziehen, scheinen auch am Obermain keine Seltenheit zu sein. Manch ein Elternteil erhoffte sich vom Theaterabend Tipps, wie man den erwachsenen Nachwuchs wieder zum Ausziehen bewegen kann.

In der Inszenierung von Augustinus von Loë sind George (Ingo Pfeiffer) und Helen Butler (Sandra Lava) gerade dabei, ihren jüngsten Sohn Robert (Benjamin Jorns) aus dem Elternhaus zu verabschieden. Drei Söhne haben sie aufgezogen und in die Welt hinaus geschickt. Jetzt freuen sie sich auf ein Leben zu zweit mit mehr Zeit füreinander.

„Die Klinik für Krisen aller Art ist geschlossen“, stellt Vater George fest. Helen dagegen kommt der Auszug ihres Jüngsten wie das Ende eines langen Tunnels vor. Ein neues Kapitel beginnt. Man will Reisen und alte Interessen pflegen. Während die Eltern noch über den Tag ihrer Befreiung jubeln, schleicht sich Michael (Georg Schmiechen) ins Haus. Ihr Ältester, ein genialer Mathematiker hat gerade seinen Job hingeschmissen und sucht Trost bei seinen Eltern.

Michael stört es nicht im Geringsten wieder in seinem Elternhaus zu wohnen. Im Gegenteil, er bedient sich ungefragt am Kühlschrank, genehmigt sich ebenso ungefragt eine Flasche Wein. In Vater George keimt die Erkenntnis, dass sie als Eltern nie gelernt haben „Nein“ zu sagen. Auch jetzt besitzt er nicht den Mut seinen Sohn in die Schranken zu weisen.

Wenig später kehrt auch Elliott (Andreas Heßling), der Mittlere, ins traute Elternhaus zurück. Nach mehreren Seitensprüngen hat ihn Ehefrau Nancy vor die Tür gesetzt. Als Dritte im Bund taucht plötzlich Janie Johnson (Silvia Steger) auf, die am Studienort keine Wohnung gefunden hat und von Robert die Erlaubnis bekam in dessen Abwesenheit in seinem Zimmer zu wohnen.

Damit ist es für George und Helen mit der lang ersehnten Ruhe endgültig vorbei. Doch wie wird man den Nachwuchs wieder los? In seiner Verzweiflung denkt George an einen Verkauf des Hauses nach. Eine Idee für die sich Elliott durchaus erwärmen kann. Er würde das Haus seinen Eltern sogar abkaufen, zu einem Freundschaftspreis versteht sich.

Dann könnten die Eltern in ein kleines Haus mit Atelier am Strand ziehen und die Kinder mit ihren Freunden das Haus alleine bewohnen. Helen ist mittlerweile an einen Punkt gelangt, der ihre Kräfte übersteigt. „Ich kann nicht mehr der Schuttablageplatz der Familie sein.“ Als sie das Haus verlässt und nicht mehr zurückkehrt, macht sich Verzweiflung breit. Jeder fragt sich, wie es nur so weit kommen konnte.

Dann taucht auch noch Robert auf, der sein altes Zimmer wieder beziehen will. Einzig Janie Johnson weiß, dass es an der Zeit ist, das Haus zu verlassen und legt es auch den anderen drei nahe. Helen, die nach Stunden mit veränderter Frisur wieder zurückkommt, muss sich eingestehen das Hausfrau und Muttersein ein verdammt anstrengender Beruf ist. Nachdem seine Brüder endgültig ausgezogen sind, ist Michael der letzte der noch zu Hause wohnt. Nun greift auch Vater George endlich durch.

Mit „Endlich allein“ zeigten die Maßbacher zum Abschluss der Spielzeit eine vor Witz und Ironie schillernde Komödie, die generationsübergreifend Spaß macht. Durchweg alle Schauspieler glänzten mit einer überzeugenden Leistung.

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