BURGKUNSTADT

Ein ungleiches Geschwisterpaar

Doppelbiografie: Georg von Waldenfels, Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Baur-Stiftung, präsentiert das Buch „Die un... Foto: Gerda Völk

In Abwesenheit des Autors Ralf Georg Czapla (Bericht unten) stellte Georg von Waldenfels, Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Baur-Stiftung, am Montag die Doppelbiografie „Die ungleichen Geschwister“ vor. Die Biografie befasst sich auf über 400 Seiten mit dem Unternehmer Friedrich Baur und seiner Schwester, der Tänzerin Claire Bauroff. Mit der Buchvorstellung, einem Empfang in der Alten Vogtei, einem Gedenkgottesdienst mit Kranzniederlegung am Familiengrab und der Vorstellung des Nachlasszimmers gedachte die Friedrich-Baur-Stiftung des Firmengründers.

Dieter Borchmeyer, der die Anregung zu dem Buch gab, hatte die Frage gestellt, ob Baur eine Schwester hatte. „Auf die Idee, dass Friedrich Baur eine Schwester haben könnte, wäre niemand gekommen“, erklärte Bernhard Betz, der Administrator der Stiftung. Die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars beginnt in den Goldenen Zwanzigern. Während in Burgkunstadt ein Jungunternehmer mit seinem Motorrad Schuhe ausliefert, macht seine Schwester Claire Bauroff in Berlin als Tänzerin und Aktmodell von sich reden. „Sie hatte die Körperkultur zu ihrer Passion gemacht, als ein Stück der Kunst“, erläuterte Waldenfels. Das Buch ist anlässlich des 125. Geburtstags von Friedrich Baur und des 90-jährigen Jubiläums des Baur-Versands erschienen. Bei einem Interview im April hatte Czapla, Literatur- und Kulturwissenschaftler, von zwei Schlüsselerlebnissen gesprochen, die ihn dazu bewegt hätten, sich näher mit dem Unternehmer Friedrich Baur und der Tänzerin Claire Bauroff zu beschäftigen. Als Jugendlicher habe der Autor in den 1970er Jahren auf dem Postamt mitbekommen, wie eine Frau ein Paket zur Post zurückbrachte und kein Porto zahlen musste, so Czapla. In den 70er Jahren hatte das Unternehmen Baur alle Retouren umsonst zurückgenommen. Der Unternehmer hatte die Sammelbestellung erfunden und die Teilzahlung. Ein weiteres Schlüsselerlebnis hatte Czapla, als er sich mit der Geschichte des Tanzes und der Fotografie beschäftigte. Claire Bauroff habe in den 1920er Jahren bei bekannten Fotografen wie Trude Fleischmann, Nini & Carry Hess oder Alexander Binder Modell gestanden. Im Verlauf seiner Nachforschungen hat Czapla, wie er sagte, viele Details aus dem Leben von Friedrich Baur zutage gefördert, die selbst der Baur-Stiftung unbekannt waren. Insgesamt hat der Autor zehn Jahre an der Biografie des Geschwisterpaars geforscht.

Zu Informationen über Friedrich Baur ist Czapla auch im Nationalarchiv im australischen Canberra fündig geworden. Dort lagern die Kriegsakten, die darüber Auskunft geben, dass Baur nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in einem Lager in Australien interniert war. Weitere Quellen waren das Auswärtige Amt und das deutsche Militärarchiv.

Friedrich Baurs Schwester Claire wurde unter dem Namen Klara Amanda Anna Baur am 26. Februar 1895 als viertes von sechs Kindern von Amélie und Arthur Baur in Weißenhorn bei Neu-Ulm geboren. Als progressive junge Frau, die traditionelle Rollenmustern ablehnte, ließ sie sich zwischen 1913 bis 1915 bei Rudolf Bode in München im Tanz ausbilden. 1916 hat Claire in München sich den Namen Klara Bauroff als Künstlernamen eintragen lassen. Ihren Familiennamen Baur hat sie die Silbe „-off“ angefügt und wie Czapla schreibt, „ihm damit das allzu Bajuwarische genommen und eine russische Herkunft vorgetäuscht“. Später ersetzte sie ihren Vornamen durch das französische Claire.

Nach dem Krieg finden sie sich wieder

Im Dienst der Menschen fanden die beiden ungleichen Geschwister nach dem Krieg wieder zusammen. Friedrich Baur unterstützte mit einer von ihm ins Leben gerufenen Stiftung die medizinische Forschung im Kampf gegen die Kinderlähmung, baute Wohnsiedlungen und Kindergärten. Seine Schwester arbeitete als Atemtherapeutin mit Menschen, die unter motorischen Schwierigkeiten litten (weiterer Bericht Seite 17).