LICHTENFELS/WEISMAIN

Barrieren in den Köpfen abbauen

Zusammenleben mit Flüchtlingen: Eine lebhafte Diskussion gab es am runden Tisch zum Thema “Asyl“. Foto: Andreas Welz

An gesetzliche Grenzen stößt der Versuch, Asylsuchende am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Das wurde bei einem Treffen aller Verantwortlichen des Asylbewerberheims in Weismain deutlich.

Der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte dazu in die Gaststätte „Zur Post“ in Weismain eingeladen. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Flüchtlinge einer großen Unterstützung bedürfen. Die Moderation hatte stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Geißler-Wiener übernommen.

Die evangelische Stadtpfarrerin von Lichtenfels, Anne Salzbrenner machte deutlich: „Es ist extrem wichtig, dass die Flüchtlinge bei uns nicht nur geduldet werden, sondern dass sie willkommen sind“. Kritisch stand sie Äußerungen gegenüber, dass es den Asylbewerbern in Weismain oder anderen Massenunterkünften gut gehe.

„Wir dürfen nichts schön reden“, sagte sie. Die Stimmung sei gedrückt, denn schließlich müsse jeder mit der Abschiebung rechnen.

Monika Pottgiesser von der Caritas Lichtenfels, die das Asylbewerberheim in Weismain betreut, berichtete von einer guten Zusammenarbeit aller Haupt- und Ehrenamtlichen. „Die Kooperation klappt prima“, stellte sie fest. Ob dann die Einmischung von Parteien oder Mandatsträgern überhaupt erwünscht sei, fragte Kreisrat Bernhard Christoph.

Zur Mitarbeit spornte Udo Münzel von der Regierung in Oberfranken an, der seit einer Woche auch für das Heim in Weismain zuständig ist. Er warnte allerdings Übereifrige davor, über das Ziel hinauszuschießen.

Es sei stets eine Gratwanderung zwischen erlaubter Hilfe und Gesetze die dies verhindern. „Wir brauchen dringend eine Gesetzesänderung“, forderte er.

Integration oder die Verwurzelung von Flüchtlingen bei uns hielt Professor Dr. Joachim Kügler, Initiator der Weismainer Friedensgebete, für sehr schwierig. Er meinte deutlich, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei und Gesetze die gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe verhinderten.

Zum Asylbewerberheim merkte er an, dass auch die Hemmschwelle zwischen den Bewohnern sehr hoch sei, da sie aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Gruppen stammten. „Sie werden alle in ein Heim gepackt und sind doch keine einheitliche Gruppe“, machte Kügler deutlich.

Gemeinsam Probleme lösen

Von der Hausverwaltung im Asylbewerberheim Weismain erstattete Nicol Denscheilmann Bericht. Die Räume seien mit knapp 20 Quadratmetern ausreichend groß und werden überwiegend mit zwei Personen belegt. Neben verwaltungstechnischen Aufgaben werde sie aber auch mit persönlichen Problemen der Bewohner konfrontiert. Dann suche sie die Unterstützung von anderen Heimbewohnern. „Gemeinsam können wir dann in der Regel Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen“, sagte sie.

Positive Erfahrungen hatte Ulrike Knauer, Förderlehrerin an der Mittelschule Altenkunstadt, gesammelt. Sie betreue ausländische Jugendliche und gebe Deutschunterricht. Manche Schüler würden die deutsche Sprache sehr schnell erlernen, anderen falle es schwerer. Daher habe sie ihre Schüler in verschiedene Kurse eingeteilt. Jedes Kind erhalte täglich eine Deutschstunde.

Gern erinnerte sie sich an eine gemeinsame Kochveranstaltung, bei der jeder Teilnehmer seine landestypischen Gerichte zubereitet hatte.

Das Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ an der Mittelschule Altenkunstadt stellt Initiator und Projektleiter Steffen Biskupsi vor. „Mit der Beteiligung an der gleichnamigen europäischen Jugendinitiative machen Schüler und Lehrer deutlich, dass sie sich als große Gemeinschaft verstehen, in der das Miteinander im Vordergrund steht und kein Platz für Mobbing und Diskriminierung jeglicher Art ist“, machte der Lehrer und Schulpsychologe deutlich.

Gesellschaftliche Aufgabe

Robert Richter und Udo Pfadenhauer, Diplomsozialpädagogen an der Handwerkskammer für Oberfranken in Bamberg, schilderten die Jugendberufshilfe insbesondere die Ausbildung unbegleiteter Jugendlicher, die als Asylbewerber nach Oberfranken kommen. Aktuell befänden sich alleine in Oberfranken 4250 Asylbewerber, die auf eine Entscheidung über ihren Antrag warten. 184 unbegleitete Jugendliche bedürften besonderer Betreuung.

Das Kümmern um Flüchtlinge und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sei jedoch vor allem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Zahl der unbegleiteten Jugendlichen nähme rasant zu. „Während in Oberfranken im laufenden Schuljahr zehn Klassen für diese Gruppe in den Berufsschulen eingerichtet wurden, werden es voraussichtlich im kommenden Schuljahr 16 Klassen sein“, sagte Richter.

Die Forderung der Handwerkskammer laute: „Ausbildung nicht nur erlauben, sondern auch ermöglichen“. Für diese Jugendliche dürfte es keine Abschiebung geben. Noch ungeklärt sei die Frage: „Was geschieht mit den begleiteten Jugendlichen?“

In ihrem Schlusswort stellte Pfarrerin Salzbrenner fest, dass die Angst vor Fremden in unserem Land enorm hoch sei. Ehe Fragen über Asylsuchende beantwortet werden könnten, müsse sich unsere Grundeinstellung ändern. Die innerdeutsche Situation zeige, dass große Armut herrsche. „Wie oft klopfen Menschen bei mir an, weil sie nichts zu essen haben“, berichtete sie. Es müsse sich eine positive Grundeinstellung zu fremden Menschen entwickeln, forderte die Geistliche und fügte hinzu: „Neue Gesetze machen keinen Sinn, wenn sich diese Grundeinstellung nicht ändert“.