LICHTENFELS

Über ein „vergessenes Volk“

Frühe Kelten: Prof. Horst Claassen referierte im Rahmen eines CHW-Vortrages über paläoanatomische Untersuchungen an Skel... Foto: Alfred Thieret

„Die Kelten – ein vergessenes Volk: Paläoanatomische Untersuchungen an Skeletten der Hallstattzeit“ lautete das Thema eines Vortrages, zu dem CHW-Bezirksgruppenleiter Gerhard Schmidt den Anatomieprofessor Horst Claassen aus Halle in die ehemalige Synagoge eingeladen hatte.

Der Referent hatte in den 1980-er Jahren an den Ausgrabungen hallstattzeitlicher Grabhügel im Altmühltal, insbesondere bei Dietfurt und Beilngries, teilgenommen, die im Zuge der Erweiterung des Rhein-Main-Donau-Kanals ausgeführt wurden. Er berichtete über seine paläoanatomischen Untersuchungen an den in den dortigen Gräberfeldern gefundenen Skeletten und Leichenbränden. Dabei konzentrierte er sich auf das Verbreitungsgebiet der Hallstattkultur (800 bis 500 vor Christus), einer Zeit, die sich zwischen der Urnenfelderzeit (zwölften bis achten Jahrhundert vor Christus) und der Latenezeit (400 vor Christus bis Christi Geburt) erstreckt. Namensgebend für die Hallstattzeit sei ein im 18. Jahrhundert bei Hallstatt im Dachsteingebirge in Österreich gefundenes Gräberfeld gewesen. Charakteristische Grabbeigaben der Hallstattzeit, wie sie in Dietfurt gefunden wurden, seien neben Keramikgefäßen Bronzehalsringe und -armreife sowie Schlangenfibeln gewesen. Die Toten hatte man in Holzkammern beigesetzt, wobei die Erdhügel mit Steinen bedeckt waren, die die Grabkammern später meist durch ihr Gewicht eindrückten. Prof. Claassen setzte das lückenhafte Material anatomisch richtig zusammen und präparierte die vorgefundenen Skelette im Schloss Abensberg.

Aus verschiedenen Schädelmerkmalen könne man Aussagen über die Person machen. So gäben Schädelnähte und Zähne Hinweise auf das Lebensalter, während man aus dem Gesichtsskelett auf das Geschlecht schließen könne. Auch über krankhafte Veränderungen am Skelett könne man Rückschlüsse auf das Alter ziehen. Der Referent demons-trierte an den Skeletten viele paläopathologische Befunde wie beispielsweise Sprunggelenksfrakturen, Ellenbogenbrüche, Schenkelhalsbrüche, Schultergelenksbrüche oder degenerative Erkrankungen des Skeletts.

Ein wichtiger Aspekt des Vortrags stellte die Erstellung von Skelettserien dar, um festzustellen, welcher Skelettbevölkerung die hallstattzeitlichen Menschen ähnlich sind, wobei zum Vergleich Schädel und Skelette aus der Bronzezeit in Mähren, der Latenezeit in Manching, aus Hallstatt in Österreich und aus dem etruskischen Tarquinia dienten.

Als Fazit ergab sich, dass die hallstattzeitlichen Skelette in Nordbayern Ähnlichkeit mit den Skeletten der historischen Kelten aus dem latenezeitlichen Manching haben und so als „frühe Kelten“ (Hallstatt-Kelten) angesehen werden können. Innerhalb zeitgleicher Serien von Skeletten bestünden Unterschiede zu Hallstatt (Osthallstattkreis) und zu Tarquinia (Etrusker), aber Ähnlichkeiten zu Baden-Württemberg (Westhallstattkreis). Ganz enge Beziehungen gebe es auch zu latenezeitlichen Serien der Nordschweiz. Daraus könne man schließen, dass sich im hallstattzeitlichen Mitteleuropa Kelten aus Süd- und Mitteldeutschland sowie aus der Nordschweiz und Frankreich in eine Westgruppe, Kelten aus Österreich hingegen in eine Ostgruppe einfügen.

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