Zwischen Handarbeit und digitaler Kunst in Bad Staffelstein

BAD STAFFELSTEIN

Zwischen Handarbeit und digitaler Kunst in Bad Staffelstein

„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“ So schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe. Und wenn man seinen Blick durch die Ausstellungshalle bei der ersten Kunst- und Verkaufsmesse „Umschlagplatz“ schweifen lässt, kommt es einem auch so vor. Unaussprechlich, als Vermittlerin. Man sieht einen Mann, der mit einem Stechbeitel letzte Hand an eine seiner Figuren anlegt, ein Stück weiter Bilder, die so surrealistisch sind, dass sie schon fast wieder natürlich wirken, daneben Figuren aus Ton, Skulpturen aus Eisen und einen Extremtexter.

Zum Beispiel Karl-Heinz Kalbhenn aus Rodgau. Ein Thema des 70-Jährigen sind Städte. Aber nicht so, wie man es sich landläufig vorstellt. Bewaffnet mit seinem Fotoapparat erläuft er sich die Stadt, sucht sich die Motive und lichtet sie immer zur selben Uhrzeit mit dem gleichen Lichteinfall ab. „Da bin ich schon mal 15 Kilometer unterwegs“, lacht er, „und das über Tage, bis ich alle Motive so habe, wie ich sie möchte.“

„Wenn man vorher in dem Stück Holz erkennt, was es werden soll, dann wird es am Ende auch so aussehen.“
Hans-Joachim Seifudem, Holzkünstler

Doch dann beginnt erst die eigentliche Arbeit am Computer. Alle Einzelbilder werden bearbeitet, passend zurechtgeschnitten, zusammengefügt und arrangiert, bis sie letztlich den Charakter der Stadt widerspiegeln. So entstehen einzigartige Kunstwerke, die man über lange Zeit betrachten und immer wieder neue Details in ihnen finden kann.

Ein Stück weiter begegnet man Hans-Joachim Seifudem. Als erstes fällt einem seine aus einem einzigen Stück Holz gefertigte Skulptur „Nahtoderfahrung“ ins Auge. Ein Mann, der eine Treppe nach oben steigt und sich dabei Stück für Stück entkleidet, bis er nackt in einer Höhle verschwindet, in der eine Frau auf ihn wartet. Bei Seifudem erlebt man das Traditionelle, die Handwerkskunst. Er arbeitet an einer weiteren Skulptur, in der man Poseidon und eine Nixe auf einem Pferd im wogenden Meer erkennt. Mit dem Stechbeitel arbeitet er weitere Feinheiten heraus. „Wenn man vorher in dem Stück Holz erkennt, was es werden soll, dann wird es am Ende auch so aussehen“, lacht er verschmitzt und pustet ein paar Späne weg.

Extremtexter zwischen Apathie und Größenwahn

Etwas völlig anderes einige Schritte weiter: große Bilder, auf denen zwischen Farben Sprüche zu erkennen sind, die zum Nachdenken anregen, aber auch polarisieren. Frank Hummel aus Grabenstetten hat seinen Stand dort. Extremtexter zwischen Apathie und Größenwahn, wie er sich selbst bezeichnet. „Momentaufnahmen meines Lebens, verpackt in Worte, vermischt mit Farbe“, definiert er seine Kunstrichtung. Die Menschen bleiben stehen, lesen die Texte. Der ein oder andere wiegt dabei den Kopf, andere lächeln. Doch er zieht die Aufmerksamkeit auf sich, polarisiert und provoziert.

Fotos, die das Auge verwirren und zum genauen Betrachten einladen

Fotografie zwischen Realem und Surrealem zeigt Frank Melech aus Suhl. Der ehemalige Offset- und Siebdrucker arbeitet seit rund zwei Jahrzehnten im Bereich der digitalen Fotografie, stellt aus Einzelbildern faszinierende Werke zusammen.

Groß- und kleinformatige Bilder, die das Auge verwirren und zum genauen Betrachten einladen. Immer neue Details erschließen sich jedem, der sich die Zeit nimmt, immer weiter in die Tiefe zu gehen. Werke mit dem Titel „Zentralverschluss“, einem Mann mit einer Pestmaske aus dem Mittelalter mit einem Raben auf der Schulter, die einen unentwegt anzusehen scheinen, oder aber „Schwerelos“. Ein scheinbar schwebendes Gebirge über einem Gewässer, auf dunkle Wolken gebettet.

Viele weitere faszinierende Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Werke in einer zum Event passenden Halle aus. Hell, luftig und weiträumig bietet sie Platz zum Verweilen, zum Staunen, für Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern, die sich offen allen Fragen stellen. Über den Samstag verteilt ist es ein stetiger Strom von Besucherinnen und Besuchern, welche sich trotz des herrlichen Sonnentages die Zeit genommen haben, um zu staunen, zu sehen und auch zu kaufen.

Gibt es ein nächstes Mal in Bad Staffelstein?

„Es wäre schön, wenn wir mehr Beleuchtung hätten, um die Werke noch besser ausleuchten zu können“, so der allgemeine Tenor der Ausstellerinnen und Aussteller. „Aber die Halle ist toll.“ Die Besucherinnen und Besucher bemängeln, dass die Zufahrt schlecht ausgeschildert ist. „Es gibt überall Plakate, aber nirgends ein Wegweiser“, so ein Ehepaar aus Thüringen. Doch im Grunde genommen sind das nur Kleinigkeiten, die man beim nächsten Mal bestimmt besser machen kann. Beim nächsten Mal? Das ist zumindest die Hoffnung vieler Ausstellerinnen und Aussteller, die gerne wieder nach Bad Staffelstein kommen würden, um mit dieser Art von Ausstellung den kulturellen Bereich der Kurstadt weiter zu stärken.