BAD STAFFELSTEIN

Bürgermeisterwahl Bad Staffelstein: zwischen Ernüchterung und Euphorie

Am Ende sind es nur drei von 6733 Stimmen, die Hans-Josef Stich (CSU) den Wahlsieg bringen und eine Stichwahl mit Mario Schönwald (Freie Wähler) verhindern (Stand: Montag, 14.30 Uhr). 50,0 Prozent der Wähler machen ihr Kreuz auf dem Stimmzettel neben dem Namen des bisherigen Zweiten Bürgermeisters. 34 Stimmen sind ungültig. Die „grüne“ Stadträtin Sandra Nossek landet deutlich auf Rang drei. Eine Analyse am Tag danach.

Jürgen Hagel, Fraktionsvorsitzender der Christsozialen im Bad Staffelsteiner Stadtrat, stand Hans-Josef Stich am Wahlabend bei. „Als erstes kam das Ergebnis aus Schönbrunn, mit über 50 Prozent für Hans-Josef. Da dachte ich mir: nicht so viel wie erwartet, aber dennoch gut“, sagt Hagel im Gespräch mit dieser Redaktion.

Jürgen Hagel (CSU): Stich hat als Bürgermeister viel geleistet

„Unmittelbar danach kam Uetzing.“ Und damit ein Dämpfer. „Ich hatte von meiner Seite erwartet, dass Mario Schönwald dort sein bestes Ergebnis einfährt, weil es schließlich sein Wohnort ist. Doch die Höhe hat mich nachdenken lassen und Fragen aufgeworfen. Mario Schönwalds Ergebnis war für mich deutlich besser als erwartet – und vermutlich auch besser, als Mario für sich erwartet hat.“

Hagel stellten sich Fragen nach dem Warum. Warum war das „Land der Nüsse“, ja, letztlich der ganze Lautergrund, einst eine urschwarze Domäne, plötzlich orangegelb geworden? „Was lief bei den vielen Projekten im Lautergrund falsch, was konnten wir bei den Wählern im Lautergrund nicht deutlich machen?“

50 Prozent plus x, das hatte sich die CSU schon erhofft. Eine Stichwahl wollte man vermeiden. Dass es am Sonntagabend 50 Prozent plus drei Stimmen sind, stimmt den Fraktionsvorsitzenden zwar nicht euphorisch,g grämt ihn aber auch nicht. „Man darf nicht vergessen, dass es ein Dreierwahlkampf war. Und es ist nun einmal in einer Demokratie so, dass die Mehrheit entscheidet.“ Wenn auch, Stand Montagnachmittag, eine denkbar dünne in diesem Fall.

„Fakt ist, dass die politische Großwetterlage dieser Tage nun einmal gegen CSU steht, wir Schwarzen waren ständig in der Kritik“, analysiert Hagel. „Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis erschreckend, wenn man sieht, was Hans-Josef alleine im vergangenen Dreivierteljahr im Stadtrat angeschoben und als amtierender Bürgermeister geleistet hat.“

Und so werde es in den Tagen nach der Wahl eine eingehende Analyse geben. „Wir werden uns im Detail ansehen, wo wie gewählt worden ist.“ Am Sonntag wurde zu später Stunde auch kurz gefeiert, wenn auch nicht ausgelassen.

Die CSU wird „mit Sicherheit“ einen Kandidaten aufstellen

Die Analyse der Wahlergebnisse dürfte einher gehen mit wichtigen kommunalpolitischen Weichenstellungen. Bad Staffelstein braucht nun einen neuen Zweiten Bürgermeister. „Wir haben keine Koalitionsgespräche wie in Berlin, doch gibt es sicherlich interne Gespräche um den Zweiten Bürgermeister“, so Hagel. „Wir haben uns dazu aber noch nicht unterhalten.“

Winfried Ernst (FW): Mario Schönwald konnte überraschen

„Durch seine langjährige Tätigkeit als Zweiter Bürgermeister hat Hans-Josef Stich einen unwahrscheinlichen Bonus gehabt. Mario Schönwald dagegen kam von außerhalb der Kommunalpolitik, hatte bislang mit ihr wenig Berührungspunkte“, sagt Winfried Ernst, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat. „Umso mehr konnte Mario überraschen, auch wenn ich persönlich es immer gehofft hatte, aber Realist genug war, da die Favoritenrolle eindeutig bei der CSU lag.“

Bis zur letzten Sekunde habe er mitgefiebert, als das Ergebnis knapper und knapper wurde. Vor allem, als das vorletzte Briefwahlergebnis kam und der Vorsprung von Stich kleiner und kleiner wurde. „Letztlich ärgern wir uns schon ein wenig, dass es wohl nicht zur Stichwahl gereicht hat. Das trübt aber die Freude über das sehr gute Ergebnis nicht.“ Im Wahlkampf hätten die Bürgerinnen und Bürger oftmals deutlich gemacht, „dass sie einen Wechsel wollen in Bad Staffelstein, vor allem in der Bürgermeisterbesetzung. Und dass es kein Automatismus sein darf. Vor allem das sehr gute Ergebnis in Uetzing und dem Lautergrund, eigentlich eine CSU-Domäne, freut uns sehr. Das war sicher ein großer Verdienst von Mario Schönwald, der mit seiner unaufgeregten Art sehr gut angekommen ist.“

Im zeitgleichen Bundestagswahlkampf machten die Freien Wähler durchaus mit Kapriolen und Polemik auf sich aufmerksam. Allen voran Parteichef und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger, der sich am Wahltag sogar unlauterer Mittel bediente, um die Wähler zu beeinflussen. Hatte das den Freien Wählern in Bad Staffelstein gar die Stichwahl gekostet? „Nein, das glaube ich nicht“, meint Winfried Ernst. „In Bad Staffelstein ging es nicht um die Landespolitik, das war den Einheimischen und Alteingesessenen bekannt. Davon ließen sie sich meines Erachtens nach nicht beeinflussen. Sie wissen, dass wir Freien Wähler Bad Staffelstein rein für Lokalpolitik stehen. Und es war auch eine Persönlichkeitswahl. Wie es allerdings bei jüngst Zugezogenen war, vermag ich nicht zu beurteilen.“ Sicher ist sich Ernst, dass Schönwald vor allem mit seinem Ansinnen, in den Ortsteilen Bauplätze für Familien und junge Leute zu schaffen, stark punkten konnte.

Wie geht es nun weiter? „Klar müssen wir das Ergebnis stichprobenartig überprüfen lassen“, so Ernst. Schließlich entscheiden vermutlich nur drei Stimmen, ob Stich Bürgermeister ist oder in die Stichwahl muss. Die Freien Wähler würden zudem intern das Ergebnis analysieren und diskutieren. „Dann gehen wir wieder zum Tagesgeschäft über. Es war eine Bürgermeisterwahl, aber auch nicht mehr und nicht weniger.“

Apropos Bürgermeister: Den wollen die Freien Wähler an seinen Aussagen messen. „Hans-Josef Stich hat für Teamarbeit geworben und betont, dass er alle mit einbeziehen wolle. Wir werden also einen Kandidaten für den Zweiten Bürgermeister aufstellen“, unterstreicht Winfried Ernst. „Das war übrigens ein wichtiger Punkt bei den Wählern: Wie das mit der Bestimmung des Zweiten und des Dritten Bürgermeisters gelaufen ist, ging etlichen die Nas‘n n‘auf. Auch bislang alteingesessenen CSU-Wählern. Und sie haben es nicht vergessen.“ Ernst betont: „Wir nehmen Hans-Josef Stich beim Wort und hoffen, dass er nun Taten folgen lässt.“

„Die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat sollte, als Zeichen der guten Zusammenarbeit, den Zweiten Bürgermeister stellen.“
Werner Freitag, Fraktionsvorsitzender Grüne/Sbun

„Frauenpower hat überzeugt“, lautete die Bilanz von Werner Freitag, dem Fraktionsvorsitzenden von Grünen/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz, nach der Stadtratswahl im März 2020. Damals holten Grüne/Sbun mit 13,7 Prozent fast ein Drittel mehr an Stimmen, waren die großen Wahlgewinner. Und nun? „Wir hatten uns für Sandra Nossek mehr erwartet. Es ist eben für eine konservative Wählerschaft mit einer hohen Altersstruktur, wie sie nun einmal in Bad Staffelstein vorherrscht, zu ungewöhnlich, eine grüne Frau zu wählen“, analysiert Freitag. „Und das, obwohl Sandra Nossek bienenfleißig ist, zudem außerordentlich kompetent, mit großem Sachverstand. Sie hätte sicher auch das Zeug gehabt, dieses Amt auszufüllen. Deshalb aber betreiben wir noch lange kein Wundenlecken.“ Es sei ein großer Erfolg gewesen, eine eigene Kandidatin aufgestellt zu haben. Auch im Wahlkampf, den Freitag als sehr fair wertet, habe man das Möglichste und gute Themenschwerpunkte getan. Gerne denkt er an den Besuch von Claudia Roth zurück. „Eine Frau an der Spitze einer Stadt zu haben, will manchen Bürgern noch nicht in die Köpfe. Die Zeit aber arbeitet für uns“, meint Freitag. „Das ländlich geprägte Bad Staffelstein ist wohl noch nicht bereit genug für grüne Themen. Noch nicht.“ Grüne Politik sei weit mehr als eine Ansammlung von Verboten. „Der Sprung von schwarz zu grün war noch zu weit.“

Der Fraktionsvorsitzende von Grüne/Sbun verfolgte am Wahlabend mit seinen beiden Stadtratskolleginnen im Rathaus die Ergebnisse mit. „Ich gratuliere Hans-Josef Stich zur Wahl und freue mich, dass Mario Schönwald als Newcomer und Nicht-Stadtrat so ein gutes Ergebnis erzählt hat“, sagt er.

Auch Freitag möchte Stich an seinen Worten messen: „Die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat sollte, als Zeichen der guten Zusammenarbeit, den Zweiten Bürgermeister stellen. Das wäre das Zeichen, dass Hans-Josef Stich künftig alle Parteien mitnehmen will.“

Andreas Pfarrdrescher dürfte in den Stadtrat nachrücken

Im übrigen muss es für Hans-Josef Stich einen Nachrücker im Stadtrat geben. Dieser dürfte Andreas Pfarrdrescher aus Schwabthal sein, für den es im März 2020 nicht mehr für ein Mandat gereicht hatte.