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Zwei Schweizer zu Besuch im Gottesgarten

Zwei Schweizer zu Besuch im Gottesgarten
Tatsächlich: im "Schäufala" ist ein Knochen......... Foto: Monika Schütz

„Moni, wo ist dein Kühler?“ – Äh, im Auto ganz vorne, möchte ich fast antworten. Ich tue es aber nicht, weil mein eben aus der Schweiz angereister Besuch bestimmt etwas anderes damit meint. Richtig, Kathrin sucht den Kühlschrank. Nach sieben Stunden Autofahrt sind die beiden Eidgenossen gut in Oberfranken angekommen, das Auto mit dem für Franken exotisch anmutenden Kennzeichen wird sogleich von den Dorfbewohnern wahrgenommen.

Die Schweizer werden hier eine Woche Ferien machen. Eine Woche, die geprägt ist von lustigen Verwechslungen, neuen Fremdwörtern und herzlicher Gastfreundschaft.

Unweit vom Emmental wohnen die beiden, eine Gegend, in der man „Bern-Düütsch“ und Französisch spricht. Wo der berühmte Emmentaler Käse herkommt und wo der Fluss Emme fließt. Natürlich haben sie etwas Feines mitgebracht: Schoggi (Schokolade) und Whisky: Das Korn im Emmental wird nämlich nicht nur zu Mehl verarbeitet, sondern auch zu hochprozentigem „Stoff“.

Zwei Schweizer zu Besuch im Gottesgarten
Bei der Brauereibesichtigung: Blick in den großen Sudkessel der Museumsbrauerei. Foto: Monika Schütz

Dass es auch in der Region Bad Staffelstein kulinarisch viel zu entdecken gibt, wissen Kathrin und Christian zwar schon von ihren vergangenen Aufenthalten hier, dennoch sind sie wieder überrascht: vor allem vom Brot, das hier noch von kleinen Bäckereien mit großem, handwerklichem Können gebacken wird.

Und von den bekömmlichen Bieren. „Da muss man nicht mal gorpsen“, freut sich Kathrin (Anmerkung: Mit „gorpsen“ meint sie „rülpsen“). Sie arbeitet als Dentalassistentin in Bern, da gibt es oft Fastfood. Gemütlich und ausgiebig kochen tun beide meist nur am Wochenende, Gastwirtschaften sind bei ihnen sehr dünn gesät.

Begeistert nehmen sie unseren Vorschlag auf, typisch fränkisch essen zu gehen. Wir reservieren also und bestellen vor: Schäufala mit Klöß und Wirsing. Es sollte ein sehr lustiger Abend werden. „Knödli“ kennen sie schon, die Produkte aus „Hadöpfu“ (Bern-düütsch für „Kartoffeln“) stehen aber nicht unbedingt auf der Speisekarte ihrer hiesigen Gaststätten.

Zwei Schweizer zu Besuch im Gottesgarten
Mit dem "Hämmerli" geht das Anstechen mühelos. Foto: Monika Schütz

Schäufala mit Klöß machen die Schweizer froh

Auch das Schäufala wurde erst 'mal interessiert und ausgiebig begutachtet. „Hat es da einen Knoch?n?“, fragt Kathrin. Ja, es hat. Nach kurzer Zeit gelingt es ihr, das Schulterbein vom Fleisch zu trennen – auch wenn dabei zweimal das Messer aus der Hand flutscht und in der Bratensoße landet – in der es sofort geräuschlos versinkt.

Nicht so schlimm, die aufmerksame Servicemitarbeiterin bringt gerne frisches Werkzeug an den Tisch. Die Berner erfahren im Laufe ihres Urlaubs, dass man Frühstückswurst durchaus zur Brotzeit am Abend essen kann, dass es bei fränkischen Bratwürsten „grobe und feine “ gibt, und dass man nach dem Anstechen eines Bierfasses oben eine „Pfeife“ reinsteckt. Das ist wichtig, sonst läuf nix, erkläre ich als Gastgeberin beim Musikabend im Freien.

Zuvor hatte ich die Nachbarn informiert, es könnte vielleicht etwas laut werden. „Was gibt es für Bier?“, war der einzige Kommentar der Anwohner.

Zwei Schweizer zu Besuch im Gottesgarten
lustig und bisher Unbekannt: "Frühstückswurst" - unddie kann man auch abends zur Brotzeit essen. Foto: Monika Schütz

Freibier bei der Aktionärsversammlung

Mit Bier kennen sich die Schweizer aus. Christian ist Aktionär einer bekannten Brauerei im Emmental: „Bei uns gibt es keine Dividende, da gibt es einmal im Jahr Freibier bei der Aktionärsversammlung“, erklärt der Berufsschul-Fachlehrer. Rund 3000 Gäste würden dann Schlange stehen vor einem extra aufgestellten Zelt und könnten dann vier Stunden lang die verschiedenen Biere dieser Brauerei kostenlos genießen. Im Plastikbecher.

Ungewohnt für den fränkischen Gaumen sind auch manchmal die Zutaten: Da gesellen sich schon mal Orangenschalen, Kardamon und Majoran (des Geschmackes wegen) oder Safranfäden (wegen der besonderen Farbe) zu Hopfen und Malz. Ansonsten sind auch hier die ganz normalen untergärigen hellen Biere am populärsten. Das Anstechen gelingt Christian mühelos, nur beim Einschenken schäumt?s dann doch etwas viel. Die Besichtigung einer einheimischen Museumsbrauerei steht am nächsten Tag auf dem Programm: dass und vor allem wie man vor mehr als 150 Jahren bis zum heutigen Tag gutes Bier brauen konnte, erstaunt die Schweizer. Auch eine sehr moderne Anlage schauen sie sich an: „Hier hat es auch gutes Bier, odrr?“, fragt Christian verwundert. Ja. Wir sind in Franken.

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Genussregion hin oder her: der erste Schluck nach der langen Autofahrt schmeckt am besten. Foto: Monika Schütz

Ein Kasten Bier darf in die Schweiz mitgenommen werden

Ein Kasten mit Flaschenbier aus vier Brauereien wird gemischt, als Mitbringsel für zuhause – mehr darf man zu zweit nicht in die Schweiz einführen. Auch ein Selbstgebrannter und geräucherter Schinken gehen mit auf die Heimreise, ein noch warmes Bauernbrot aus dem Holzbackofen wird zum „duftenden“ Begleiter für die nächsten 600 Kilometer.

Interessant: in dem Land, dessen vier Amtsprachen Deutsch, Italienisch, Französich und Rätoromanisch sind, werden immer mehr Begriffe englisch. Essen „zum Mitnehmen“ – in Deutschland „to go“ – heißt dort „take away“. Komisch, gau? (Anmerkung: „gau“ entspricht dem fränkischen „gell“).

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Am Abreisetag: auch ofenfrisches Bauernbrot geht mit inden Kanton Bern. Foto: Monika Schütz

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