ZAPFENDORF

Zapfendorf: Dunkle Wolken bei Photovoltaikplänen

Zapfendorf: Dunkle Wolken bei Photovoltaikplänen
Auf dieser Anhöhe an der Ortsverbindungsstraße zwischen Peusenhof und Oberleiterbach ist die Photovoltaikanlage geplant. Foto: Mario Deller

Erhalten bei Bauleitverfahren Nachbarkommunen die Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun, heißt es oft schlicht: „Wir nehmen es zur Kenntnis“. Im Falle des Vorhabens der Greenovative GmbH, zwischen Peusenhof und Oberleiterbach eine Photovoltaikanlage zu errichten, ist man von Harmonie indes weit entfernt. Die vom Markt Zapfendorf in deren jüngsten Sitzung verabschiedete Stellungnahme in Richtung der federführenden Gemeinde Ebensfeld darf vorsichtig formuliert als sehr kritisch bezeichnet werden.

Auf einer Fläche von 4,8 Hektar nahe der Straße, die Peusenhof (Markt Ebensfeld) und Oberleiterbach (Markt Zapfendorf) verbindet, soll seitens des Bauwerbers besagte Anlage mit einer Gesamtjahresleistung von vier bis fünf Megawattpeak entstehen. In seiner Juli-Sitzung beschloss der Ebensfelder Gemeinderat mit 15:5 Stimmen die öffentliche Auslegung. Doch dem Markt Zapfendorf und insbesondere vielen Bürgern von Oberleiterbach ist die Maßnahme in ihrer derzeitigen Planungsgestalt ein Dorn im Auge, wie in der von Bürgermeister Michael Senger geleiteten Sitzung des Gemeinderats in der alten Schulturnhalle schnell deutlich wurde.

Kann Wasser nicht ausreichend versickern?

Die vom oben genannten Vorhabenträger vertretene Ansicht, durch die geplante Photovoltaikanlage sei eine Änderung des Gebietswasserablaufs nicht zu erwarten, weil der Boden versickerungsfähig sei, teilt der Markt Zapfendorf nicht und begründete dies: Wie sich bei bereits realisierten Anlagen gezeigt habe, könne das Wasser nach Regenfällen eben nicht mehr in der Weise im Boden versickern, wie dies bei einer landwirtschaftlichen Nutzung der Fall sei. Durch die Sammlung des Regenwassers am Rand der Solarmodule fließe das Wasser schneller und konzentrierter ab in Richtung der Entwässerungsgräben, die dafür aber oft nicht ausgelegt seien. Es sei zu befürchten, dass das Regenwasser im weiteren Verlauf über den parallel zur Ortsverbindungsstraße befindlichen Leiterbach schneller und geballter im Ort Oberleiterbach ankomme.

Die ausführliche Stellungnahme betonte, dass durch die Anlage der Regenwasserabfluss auf dem Gebiet des Marktes Zapfendorf nicht negativ beeinträchtigt werden dürfe. „Wir müssen aufpassen, dass Oberleiterbach net absäuft“, fand Andreas Hofmann (Zukunft Zapfendorf) drastische Worte. Unverhohlene Kritik äußerte auch der in Oberleiterbach wohnhafte Dritte Bürgermeister Andreas Schonath (Wählergemeinschaft Oberleiterbach): Die Maßnahme in ihrer derzeitigen Planung würde dazu führen, dass „das ganze Wasser ins Dorf abgeht“. Schonath vertrat die Ansicht, dass es durchaus andere mögliche Standorte für eine solche Anlage gebe, an denen das Wasser nicht in einen Ort laufe.

Markt Zapfendorf stellt Forderungen auf

„Wir werden die Photovoltaikanlage wohl nicht verhindern können, weil die federführende Gemeinde ja der Markt Ebensfeld ist“, meinte Bürgermeister Senger. Doch die Einbindung ins Bauleitverfahren nutzt der Markt Zapfendorf, um Vorhabenträger und Nachbarkommune in die Pflicht zu nehmen. So beinhaltet die mit 15 zu einer Stimme beschlossene Stellungnahme des Marktes Zapfendorf ganz bestimmte Forderungen, etwa die eines Regenrückhaltebeckens.

„Der Vorhabenträger hat den Rückhalt des Niederschlagswassers durch fachlich geeignete bauliche Maßnahmen auf dem Grundstück der Photovoltaikanlage sicherzustellen“, heißt es in der Stellungnahme wörtlich. Für den Fall, dass kein Regenrückhaltebecken errichtet und in der Zukunft bei zunehmenden Starkregenereignissen die Flurgräben des Marktes Zapfendorf nicht ausreichten oder beschädigt würden, sei entsprechend nachzubessern und für entstehende Schäden zu haften, so die Stellungnahme weiter.

Auch die Tatsache, dass laut den derzeitigen Planungen die verkehrliche Erschließung über den im Eigentum des Marktes Zapfendorf befindlichen Flurweg mit der Flurnummer 357 (Gemarkung Oberleiterbach) erfolgen soll, sieht das Gremium mit gemischten Gefühlen. Der Gemeinderat fordert in seiner diesbezüglich weiter ausgeführten Stellungnahme, dass vor Beginn der Baumaßnahme durch ein unabhängiges Fachbüro auf Kosten des Vorhabenträgers eine Bestandsaufnahme zu erfolgen hat betreffend dieses Flurweges sowie betreffend der Frage des gegebenenfalls lastenbedingt erforderlichen Ausbaus.

Neuen Kommandanten bestätigt

Im übrigen verlangt der Markt Zapfendorf, dass die Anbindung der Photovoltaikanlage ans Stromnetz durch Erdverkabelung erfolgt und dass für die Stromtrasse vorrangig die Flächen des Marktes Ebensfeld zu nutzen sind.

Es wird sich nun weisen, wie der Markt Ebensfeld auf diese deutliche Stellungnahme reagiert.

Als weiterem Tagesordnungspunkt bestätigte der Markt Zapfendorf Julian Morgenroth als neu gewähltem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Oberoberndorf. Unter „Sonstiges“ kam unter anderem die am Zapfendorfer Bahnhof geplante Mobilstation zur Sprache. Zum diesbezüglichen Sachstand ließ Bürgermeister Senger wissen, dass die Vorarbeiten des Bauhofs abgeschlossen sind und die bestellten Module voraussichtlich Mitte November geliefert werden. Betreffend der geplanten Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße nach Rattelsdorf erklärte Senger, die Federführung liege hier beim Markt Rattelsdorf. Man müsse hier halt noch einmal bei der Nachbarkommune nachfragen.

Stefanie Fischer (Zukunft Zapfendorf) sieht die Verkehrssicherheit am Kreisel am Zapfendorfer Sportplatz sowie in der Herrngasse in der Ortsmitte als unzureichend an. Sie regte an, Autofahrer mit Schildern darauf aufmerksam zu machen, dass an besagten Stellen Kinder unterwegs sind. Sie fände es gut, wenn das gemeindliche Bauamt sich die Verkehrssituation an unübersichtlichen und gefährlichen Stellen einmal anschaut, „den Kindern zuliebe“, wie sie ergänzte.

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