BAD STAFFELSTEIN

Wiedersehen in Zeiten von Corona: Herzlichkeit mit Distanz

Nasir Güler ist mit seinem Obst- und Gemüsefachgeschäft in Bad Staffelstein bestens bekannt. Kundenbedienung erfolgt natürlich nur mit Maske. Foto: Till Mayer

Die Zeiten des Lockdown wird Nasir Güler nie vergessen. Die seltsame Stille, die plötzlich über allem lag. Die Innenstadt von Bad Staffelstein wie leer gefegt. Dabei schlossen er und seine Frau ihr Obst- und Gemüsegeschäft nicht. Aber als der letzte Flug in die Türkei gestrichen war, die Grenzen in ganz Europa dicht, da zog es dem 55-Jährigen das Herz zusammen.

„In Antakya, da wohnt meine 87-jährige Mutter. Natürlich gehört sie schon aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe. Da machte ich mir als Sohn riesige Sorgen. Aber zu wissen, dass man nicht zu ihr kann, wenn etwas Schlimmes passiert, weil es keine Flüge, keine Züge mehr gibt. Man selbst mit dem Auto nicht mehr über die Grenzen kommt, das war furchtbar“, erzählt Nasir Güler im Hinterzimmer seiner Obstkiste, während seine Frau an der Theke bedient.

Heute hat er seinen Humor wiedergefunden. „Ein Gutes hat Corona ja gebracht. Die Leute haben zuhause wieder mehr gekocht. Gesundes Essen ist ganz besonders wichtig. Da sind unser Obst, Gemüse und unsere Spezialitäten sehr gefragt“, sagt der 55-Jährige lächelnd. „Bis jetzt kamen wir durch die Corona-Zeit gut durch, dafür bin ich dankbar“, fügt der Gemüsehändler hinzu.

Nur auf den ersten Blick wie jedes Jahr

Die Pandemie hatte aber auch zur Folge, dass er möglichst schnell zu seiner Mutter reisen wollte. Das geschah dann im August. Auf den ersten Blick war es wie jedes Jahr: „Im August geht es immer in die alte Heimat. Praktisch die ganzen Sommerferien lang. Aber es war trotzdem anders als sonst.“

Nasir Güler reiste trotz einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts. „Im Flugzeug hatte wir alle natürlich eine Maske auf. Sonst bin ich immer voller Vorfreude. Doch statt dessen wirkte alles sehr bedrückend auf mich“, meint der Geschäftsmann. Die Einreise verlief problemlos, mit der Ausnahme, dass es jetzt Formulare auszufüllen galt: Wo geht es hin? Wo wird übernachtet? Wie ist man erreichbar ... „Die türkischen Behörden nehmen die Pandemie natürlich sehr ernst. Es gibt im öffentlichen Leben mehr Auflagen als in Deutschland“, erklärt der 55-Jährige.

Nasir Güler mit dem Bild seiner Mutter auf dem Smartphone. Foto: Till Mayer

Schließlich kommt der Augenblick, auf den er so sehr gewartet hatte: das Wiedersehen mit seiner Mutter. „Wir wussten gar nicht, ob wir uns jetzt in den Arm nehmen sollen oder nicht“, sagt der Sohn. Dann halten es aber beide nicht aus. „Aber natürlich, irgendwie blieb so oft eine Distanz bei diesem Besuch in der alten Heimat“, erklärt der Obst- und Gemüsehändler nachdenklich. Dabei ist er so stolz auf seine Heimatstadt, auf die Geschichte von Antakya, das einst als Antiochia in der Antike zu den wichtigsten Städten weltweit zählte. Davon berichtet der 55-Jährige gerne.

Steigende Infektionszahlen weltweit beunruhigen Nasir Güler

Aber beim Treffen mit Freunden, mit seinen Schwiegereltern, da war immer ein Abstand mit dabei. „Ich sage ja nicht, dass das unnötig war. Corona müssen wir ernst nehmen. Aber es macht schon ein wenig traurig.“ Die Herzlichkeit, die Nähe, die Nasir Güler sonst so sehr bei seinem großen Sommerurlaub genießt – sie gab es nur mit deutlichen Abstrichen.

„Kurz vor Abreise bekam wir dann unser Ergebnis des Corona-Tests. Das brauchten wir für unsere Rückkehr nach Deutschland. Wir waren schon sehr erleichtert, als er negativ ausfiel“, meint der Geschäftsmann. In Bad Staffelstein stand dann auch noch häusliche Quarantäne und ein weiterer Test an.

Jetzt beobachtet Nasir Güler mit Sorgen die steigenden Infektionszahlen weltweit. Dass geöffnete Grenzen wieder geschlossen werden. Aber um eines muss er sich keine Sorgen machen: dass er seine Mutter nicht besuchen kann. „Sie ist bis zum Jahresende erst mal bei der Familie in Deutschland. Das ist schon eine große Erleichterung“, erklärt er.

 

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