SCHWABTHAL

Auf urtümlichen Wegen zum mystischen Fels

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, heißt es in einem alten Lied. Die Strecke des Terrainkurwegs führt in Tiefenthal an diesem schönem Mühlrad vorbei. Foto: Mario Deller

Der Terrainkurweg 4, den wir in unserer Reihe heute vorstellen, hat ein geradezu urtümliches Wegeprofil. Und die „Pumpe“ wird auch ein wenig gefordert angesichts zu bewältigender 219 Höhenmeter.

Vor allem die erste Hälfte der rund 7,5 Kilometer langen, überwiegend auf schattigem Terrain verlaufenden Tour, trainiert das Kreislaufsystem ordentlich, aber der Reihe nach. Zunächst geht es ganz gemächlich los an der Wanderkarte am Ortsende Schwabthals. Wir folgen dem Lauf des Tiefenthalbachs in Richtung Reha-Klinik, steigen jedoch nicht hinauf zu dieser, sondern überqueren die Zufahrtsstraße zur Klinik.

Reine Waldluft und gutes Schuhwerk

Direkt vor dem Schrankenhäuschen beginnt nun rechts der Aufstieg durch die Tiefenthalschlucht. Man atmet hier geradezu reine Waldluft – und wenn es zuvor geregnet hat, ist gutes Schuhwerk unerlässlich.

Mit zunehmendem Verlauf kommt der Wanderer zunehmend ins Schwitzen, wird hier in der Tiefenthalschlucht aber mit einem bisweilen geradezu märchenhaft anmutenden Ambiente belohnt. Steile Hänge, von Moos überwuchernden Waldareale oder auch ein von Jahrhunderten bizarr geformter Steinbrocken – all das sorgt für eine eigentümliche Stimmung.

Schließlich gelangt der Wanderer auf dieser Strecke an das Ende der Tiefenthalschlucht. Hier führt der Weg weiter über in den Felsen eingelassene Trittstufen hinauf zum freien Juraplateau. An dieser Stelle ist anzumerken, dass – Stand Anfang September – das eiserne Geländer an der Streintreppe an einer Stelle leider durchgerostet ist und keinen Halt bietet. Eine gewisse körperliche Fitness beziehungsweise Trittsicherheit muss man gerade in diesem felsigen Bereich beim Wanderer voraussetzen.

Trockene Bedingungen erleichtern freilich die Bezwingung dieses steilen Aufstiegs. Bei nassen oder gar regnerischen Verhältnissen ist eher davon abzuraten, sich hier alleine auf den Weg zu machen.

Einst fanden hier Rituale statt

Oben auf dem Plateau des Weißjura angekommen, wandern wir rechts am Waldrand entlang in Richtung der Ortsverbindungsstraße – und erblicken als Höhepunkt der Tour schließlich einen markanten Felsen. Die Rede ist von dem in 524 Metern Höhe gelegenen und fast mystisch anmutenden „Hohlen Stein“. Die Namensgebung rührt her vom natürlich entstandenen, tunnelartigen Loch inmitten des Felsblocks. Archäologische Funde lassen übrigens darauf schließen, dass der Hohle Stein über Jahrtausende den Menschen als Ritualplatz diente.

Wer die Herausforderung des Terrainkurwegs 4 meistern will, muss auch die urige Felsentreppe am Ende der Tiefenthalschlu... Foto: Mario Deller

Bei Grabungen entdeckten Forscher hier unter anderem Geweihbruchstücke eines Rothirsches, Sandstein- und Silexgeräte sowie Fragmente von Gefäßen der Band- und Schnurkeramik aus der Bronze- und Eisenzeit.

Abstieg auf schattigen Waldwegen

Je nach körperlicher Verfassung bietet sich hier auch eine kurze Rast an. Nach dem ordentlichen Aufstieg von der Tiefenthalschlucht bis hinauf zum Hohlen Stein hat sich das der Wanderer auch verdient. Anschließend umrunden wir dem Streckenverlauf verfolgend den Felsen und gelangen links der Steinformation durch ein kurzes Waldstück in Richtung Straße.

Nach wenigen Metern auf einem Parkstreifen entlang der Straße gehen wir rechts bis zum Waldrand, um dann parallel zur Straße auf einem Pfad in Richtung des Stadtteils End zu gelangen. Wir überqueren die Straße und wandern schräg links am Waldrand entlang weiter Richtung End. Es folgt ein Abstieg auf schattigen Waldwegen. Oberhalb von End biegt der Wanderer an einer dort befindlichen Sitzbank nach rechts in Richtung Reha-Klinik ab. Nach einem weiteren schattig gelegenen Waldstück zweigen wir links ab, überqueren die Ortsverbindungsstraße.

Wir halten uns auf der gegenüberliegenden Wiese schräg rechts, ehe wir im Tiefenthal nach links abbiegen. Ein wenig später ist der Ausgangspunkt in Schwabthal wieder erreicht.

Nach dem vorherigen Durchwandern der Tiefenthalschlucht nimmt man die Schönheit des geradezu mystischen „Hohlen Steins“ ... Foto: Mario Deller

Die Natur Schritt für Schritt erleben

Ein wenig erschöpft mag man sein, dafür aber um viele Eindrücke reicher – Eindrücke dergestalt, wie sie früher fast alltäglich waren, als Mensch und Natur noch viel stärker miteinander verwoben waren als anno 2020. Gehen wir also hin wieder einen Schritt, oder auch ein paar mehr, zurück zur Natur.

Klar lässt sich der „Hohle Stein“ auch über den Straßenverlauf und eines kurzen Wiesenwegs auf weit weniger strapaziöse Art erreichen. Doch das außerordentlich intensive Durchleben der Natur per pedes von düsteren Waldschneisen bis hin zum lichtdurchfluteten Felsen ginge einem dann abhanden.

 

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