KLOSTER BANZ

Vom Selbstmord eines Kunsträubers 1945 auf Kloster Banz

Vom Selbstmord eines Kunsträubers 1945 auf Kloster Banz

Majestätisch der Zeit enthoben wirkt Kloster Banz auf seinem Berg hoch über dem Maintal auf den Betrachter. Ob es dort wie im restlichen Deutschland im Frühling 1945 auch eine Stunde Null gab? Dieser Frage ging Heinz Pfuhlmann für den Geschichtsverein CHW ausgerechnet am 8. Mai nach. Es war ein symbolisches Datum: 76 Jahre vorher hatte die Wehrmacht kapituliert und der Zweite Weltkrieg war zu Ende. In Europa jedenfalls. Doch was bekam Kloster Banz von alledem mit? Immerhin diente das Kloster den Nazis als Kunstlager, Lazarett und Fluchtpunkt.

Als Professor Günter Dippold, Vorsitzender des Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW), am Samstag online den Referenten vorstellte, waren 155 Haushalte zugeschaltet. Zehn Minuten waren es schon 192. Heinz Pfuhlmann ist in Lichtenfels als ehemaliger Direktor des Meranier-Gymnasiums bekannt. Der Deutsch- und Geschichtslehrer verbringt seinen Ruhestand laut Dippold gerne auch forschend.

Kriegsversehrte, Evakuierte und die Gemeinschaft der heiligen Engel

Vor inzwischen 196 Online-Teilnehmern berichtete Pfuhlmann von den letzten Kriegswochen in Kloster Banz, das damals ein Lazarett beherbergte. „300 Patienten, Sanitätspersonal und Ärzte“, so der Referent. Rechnet man noch die Priester und Seelsorger dazu, mochte es eng geworden sein. Einen Eindruck vermittelte eine Fotografie aus jener Zeit, die Pfuhlmann bei seinen Recherchen unter die Hände kam. Es zeigt ein wenige Tage altes Mädchen auf dem Arm seiner Mutter. Zwar wurde es in Dresden entbunden, aber wenige Tage später war es in Kloster Banz. Das Mädchen von einst „lebt heute noch in Bad Staffelstein“, versicherte der Referent.

Als die Teilnehmerzahl auf 198 getiegen war, kam zu einer kleinen Übermittlungsschwierigkeit beim Abspielen einer Tonspur, doch Pfuhlmann löste das kleine Malheur souverän. Mit Interviews, die das Kolorit jener Zeit widerspiegelten, zog er die Zuhörer in seinen Bann. Hagen Blum verlebte von März 1945 bis 1957 auf Kloster Banz seine Kindheit verlebte und fand eine Heimat. „Es war eine geschlossene Gesellschaft, das muss man sagen“, erinnert sich der Rentner an das Kloster. „Obwohl wir evangelisch waren, habe ich eine schöne Jugend dort verlebt.“

So wie Pfuhlmann es schilderte, war Banz ein Ort mit Gelegenheiten für Begegnungen unterschiedlichster Art. Da war die Gemeinschaft von den heiligen Engeln, die 1926 vom Missionsbischof Franz X. Geyer für die Seelsorge bei katholischen Auslandsdeutschen gegründet wurde und 1933 in die Klosteranlage zog.

Vom Selbstmord eines Kunsträubers 1945 auf Kloster Banz
Referent Heinz Pfuhlmann. Foto: Markus Häggberg

Dort wohnte auch Baron Kurt von Behr, einer der führenden Köpfe des Nazi-Kunstraubs, der gemeinsam mit seiner aus Australien stammenden Frau in Kloster Banz 1945 Suizid beging. Er hatte Hermann Görings Wünsche nach geraubten Kunstgegenständen bedient und war 1940 von Alfred Rosenberg in Paris zum Raub „herrenlosen Kulturguts von Juden“ eingesetzt worden. Banz dürfte nicht unmaßgeblich durch ihn, dem man auch eine Tätigkeit als Gestapo-Agent nachsagte, zu einem Hort ausgelagerter Kunstschätze und von Beutekunst gemacht worden sein.

Der Nazi-Funktionär hatte sich mit Kisten voller Kunstschätze verschanzt

Mit Blausäure richteten er und seine Frau sich eine Woche nach dem Eintreffen amerikanischer Truppen selbst. „Behr gehörte in Paris zu den Personen, mit denen man abrechnen würde“, erklärte Pfuhlmann. Einen „Witz der Geschichte“ nannte der Referent den Umstand, dass von Behrs Sarg ausgerechnet von französischen Kriegsgefangenen auf den Friedhof getragen wurde.

Ob auf Banz je so etwas wie eine Stunde Null zu spüren war? Pfuhlmanns Vortrag erfasste eine Übergangszeit zwischen Krieg und Frieden an einem Ort, zu dessen Lokalkolorit allerlei Gegensätze und Widersprüchlichkeiten zu gehören schienen. Das machte den Vortrag „Banz '45 – (k)eine Stunde Null“ so erlebenswert.

 

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