UNTERZETTLITZ

Unterzettlitz: Gottesgarten wird zum Knoblauchsland

Die rosa Knoblauchknolle ist die Sorte"Garpek", die weiße Sorte heißt "Gardacho", erklärt Patrick Helmreich. Foto: Monika Schütz

Die Sorten Garpek und Gardacho haben nicht unbedingt die größten Knollen. Aber dafür einen sehr intensiven Geschmack. Es sind spanische Knoblauchsorten. Und sie gedeihen auf rund 1200 Quadratmeter Boden im oberfränkischen Unterzettlitz.

„Sorten gibt es wahrscheinlich mehrere tausend – grob wird zwischen rosa Knoblauch und weißem Knoblauch unterschieden“, sagt Patrick Helmreich und deutet auf den Rest der letzten Ernte. Nur ein paar Pfund der tollen Knolle sind noch verfügbar. „Lebensmittel ausd er Region werden immer beliebter“, freut er sich.

„Wir beziehen unser Pflanzgut als Knolle und brechen diese dann selbst per Hand. Aus einer Zehe wird wieder eine Knolle.“
Patrick Helmreich, Landwirtschaftsmeister

Der 27-jährige führt zusammen mit dem 31-jährigen Michael Zillig den erst 2019 gegründeten Betrieb „HZ Gemüsebau.“ Den Anbau von Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch haben sich die beiden Landwirtschaftsmeister im vergangenen Jahr zertifizieren lassen. Seitdem dürfen sie das GQB-Logo (Geprüfte Qualität Bayern) auf ihren Etiketten verwenden.

„Wir beziehen unser Pflanzgut als Knolle und brechen diese dann selbst per Hand. Aus einer Zehe wird wieder eine Knolle“, erläutert Patrick Helmreich den Anbau dieser sogenannten landwirtschaftlichen Sonderkultur. Gesteckt wird der Knoblauch im Oktober, je nachdem, wie es mit der Maisernte und der Weizenaussaat vorangeht. Denn Knoblauch ist nicht die einzige Feldfrucht, die von den beiden Vollerwerbs-Landwirten in Unterzettlitz angebaut wird. In ihrem Gemüsebau-Betrieb bauen sie auf drei Hektar Fläche die verschiedensten Kartoffelsorten an, darunter auch bunte und alte Sorten. Auf einem halben Hektar Fläche gedeihen außerdem ihre roten und gelben Speisezwiebeln.

Zu den Kartoffeln gibt's Rezepte von Mama Geli und Mama Gabi

Michael Zillig und "Laura": Diese alte Kartoffelsorte wirdfür einen Privatkunden in Fünf-Kilo-Säckchen abgepackt. Foto: Monika Schütz

„Tendenz steigend – es hätte auch schiefgehen können“, sagt Patrick Helmreich mit einem erleichterten Lachen. „Wir könnten die tollsten Ideen haben und die besten Produkte haben – wenn es am Ende keiner kauft, dann wird der Betrieb nicht überleben“, betont der Jungunternehmer. „Wir sind jeden Tag dankbar, dass unsere Idee so gut angenommen und unterstützt wird.“ Nicht nur von den Kunden, auch von den Eltern und der Familie werden sie unterstützt: Beide Mütter verraten etwa ihre persönlichen Kartoffel-Rezepte. Die findet man dann als „Mama Geli“- und „Mama Gabi“-Rezeptidee auf den Etiketten. Dabei war das gar nicht so einfach, erinnert sich Patrick Helmreich mit einem Schmunzeln: Auf die Frage nach den Rezepten sei die Antwort gekommen: „Was denn für ein Rezept? Ich koch' das immer nach Gefühl.“

Beim Knoblauch sieht es etwas anders aus, er wird lose verkauft. Also gibt es auch keinen Rezeptvorschlag. Aber die Knolle passe ja zu fast allen Gerichten, versichert Patrick Helmreich. Ein Gasthof in Unnersdorf zaubert daraus feine Suppen, eine benachbarte Brennerei verwendet ihn für Knoblauchgeist.

Erfolgreiche Ernte im vergangenen Jahr: 800 Kilogrammweißer und rosa Knoblauch. Foto: Monika Schütz

Je nach Witterung ernten die Landwirte 600 bis 800 Kilogramm Knoblauch im Jahr. Die Nachfrage an regionalem Knoblauch ist durchaus vorhanden. Rund 80 Prozent davon gehen an den Lebensmitteleinzelhandel und Wiederverkäufer, der Rest an Privatkunden und die Gastronomie. Während Privatkunden und der Einzelhandel nur Spitzenware ohne optische Mängel erhalten, bieten die Landwirte der Gastronomie auch verletzte Knollen, oder solche mit Flecken an. Das habe keinerlei Auswirkung auf die Qualität, nur der Preis sei günstiger. „Das ist für uns und die Abnehmer ein sinnvoller Weg, um die Lebensmittelverschwendung gering zu halten.“

Auf die Idee, Knoblauch anzubauen, kamen die beiden Vollerwerbslandwirte nicht von ungefähr. „Wir waren auf der Suche nach etwas anderem, als immer nur Getreide und Mais anzubauen und immer mehr wachsen zu müssen“, sagt Michael Zillig. „Während unserer Zeit in Triesdorf (ein Bildungszentrum in Mittelfranken) haben wir viele Betriebe kennengelernt, die Sonderkulturen angebaut haben.“ Schnell stand der Plan fest, Kartoffeln anzubauen. Als sie bemerkten, dass es hierfür großes Interesse gab, entschieden sich die Junglandwirte, außerdem Zwiebeln und Knoblauch mit anzubauen. „Vielleicht auch, weil einige gesagt haben, das funktioniert nie, das kauft euch niemand ab“, sagt Zillig schmunzelnd. Das habe ihren Ehrgeiz geweckt: „Wir haben bewiesen, dass es doch funktioniert.“

Bei Rewe-Märkten als Streckenlieferant gelistet

Michael Zillig (li.) und Patrick Helmreich dürfenseit kurzen das GQB- Siegel führen: Geprüfte Qualität Bayern. Foto: Monika Schütz

Bei Rewe-Märkten wird der HZ Gemüsebau sogar als Streckenlieferant gelistet. „Wir sind im Warensystem der Märkte hinterlegt und agieren quasi wie ein kleiner Lieferant. Wir können bei Werbeaktionen mitreden oder solche Aktionen sogar einmal mit anstoßen“, freut sich Patrick Helmreich. Dazu müsse der Betrieb gut aufgestellt sein: Von der Gestaltung der Etiketten über die zuverlässige Belieferung der Filialen mit ihrem gebrauchten Transporter bis hin zu größter Achtsamkeit bei Geschmack und Qualität. Auch ein Selbstbedienungshäuschen ist in Planung.

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