BAD STAFFELSTEIN

Tut Bad Staffelstein genug für Solarenergie?

Tut Bad Staffelstein genug für Solarthermie und Photovoltaik?
Auf den Dächern der Obermain Therme in Bad Staffelstein könnten in naher Zukunft Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Foto: Fotomontage: Markus Drossel

Nicht erst seit dem atomaren Super-GAU in Fukushima und dem Angriffskrieg gegen die Ukraine und der damit verbundenen Verknappung von Öl und Gas ist vielen bewusst, dass regenerative Energien auf Dauer alternativlos sein dürften. Vor allem Strom und Wärme aus Sonnenlicht stehen in unserer Region im Fokus. Doch werden bereits alle Potenziale ausgeschöpft? Das wollte dieser Redaktion von den Fraktionen im Bad Staffelsteiner Stadtrat wissen. Teil eins der Antworten.

Zumindest hat die Adam-Riese-Stadt schon einmal etwas, was andere Städte und Gemeinden nicht haben: Einen Ausschuss für Klima und Energie. „Grundsätzlich kann man immer mehr tun. Wir haben uns bereits vor Jahren mit diesen Themen in der CSU-Fraktion und im Stadtrat beschäftigt und auch auf einigen Dächern mit der Umsetzung begonnen“, antwortet Jürgen Hagel (CSU).

Jürgen Hagel (CSU:): Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran

„Mit dem Grundsatzbeschluss im Klimaausschuss zukünftig ein bis zwei städtische Gebäude mit Photovoltaik auszustatten, geht die Stadt mit gutem Beispiel voran. Auch in der Obermain Therme sollen bei den anstehenden Dachsanierungen die Dächer entsprechend ausgestattet werden.“

Für unnötig hält es Hagel, dass die Stadt separate Anreize für Photovoltaik oder Solartherme schaffen sollte: Es gebe bereits steuerliche Anzeige und Förderungen durch die Landesregierung.

Volker Ernst (Freie Wähler): Es ist Bewegung in die Sache gekommen

Tut Bad Staffelstein genug für Solarthermie und Photovoltaik?
Photovoltaik-Module auf dem Dach der ehemaligen Kaiser-Porzellan. Foto: Markus Drossel

„Der Stadtrat von Bad Staffelstein hat durch die Schaffung des neuen Ausschusses für Klima und Energie einen entscheidenden Fortschritt beim Thema Energiewende erzielt“, findet Volker Ernst (Freie Wähler). „In diesem Gremium sitzen viele direkt mit den energiepolitischen Themen befasste Experten aus den Reihen des Stadtrats. Die bereits kurze Zeit nach der letzten Wahl auf den Weg gebrachten Vorhaben des Ausschusses und des Stadtrats, beispielsweise Photovoltaik für die Kläranlage und Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED oder Änderung der Altstadtsatzung, zeigen, dass jetzt Bewegung in die genannten Bereiche gekommen ist.“ Da die Freien Wähler darauf vertrauen, dass es in diesen Gremien so zügig weitergehe, könne er auf jeden Fall sagen, dass hier genügend getan werde.

Die Stadt müsse Photovoltaik und Solarthermie aber fördern: „Angesichts der Energieknappheit und der zu erwartenden Preissteigerungen muss die Stadt den Bau solcher Anlagen unterstützen, sei es durch Aufklärung von interessierten Bürgern über ihre Möglichkeiten, sei es durch eine weite Auslegung der baurechtlichen Vorschriften im Rahmen des Ermessens. Aus der Sicht der Fraktion der Freien Wähler gibt es angesichts der derzeitigen Situation am Energiemarkt keine Alternative zur Förderung und zum Ausbau von Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen.“

Werner Freitag (Grüne/SBUN): Es gibt noch viel Potenzial

Auch Werner Freitag, Fraktionssprecher der Grünen/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz, sieht viel Positives und Potenzial in der städtischen Klimapolitik: „Die Stadt hat sich verpflichtet zwei Liegenschaften pro Jahr mit Photovoltaik auszustatten und dafür die Mittel im Haushalt zu berücksichtigen. Das ist wichtig und gut, doch es ginge noch mehr.“ So könnte nach Meinung von Grüne/SBUN die Stadt für Neubauten eine Solarthermie und/oder Photovoltaik vorschreiben. „Auch könnte sie Vermieter dazu auffordern, auf den Dächern ihrer Mehrfamilienhäuser Photovoltaik anzubringen, so dass auch der Mieter davon profitieren könnte.“ Zudem gäbe es noch viel Potenzial auf Dächern von Gewerbegebäuden, beispielswiese Einkaufsmärkten, und auch eine Überdachung von Parkflächen wäre anzudenken um diese dann mit Photovoltaik auszustatten, beispielsweise die Parkplätze von Obermain-Therme, Edeka oder Aldi. „Jede Dachfläche mit Photovoltaik bringt Energie und wir brauchen weniger Freiflächen.“

Dieter Leicht (SPD): Die Stadt ist auf dem richtigen Weg

„Genügend ist hier ein dehnbarer Begriff“, antwortet Dieter Leicht (SPD), der Dritte Bürgermeister, auf die Frage, ob die Stadt genügend für Solar und Photovoltaik tue. „Wir denken, die Stadt ist auf dem richtigen Weg. Der 2020 ins Leben gerufene Klima- und Umweltausschuss befasst mit der Thematik und die Regelungen in der Gestaltungssatzung lassen bereits unter gewissen Voraussetzungen solche Anlagen als genehmigungsfähig zu.“ Und wie kann die Stadt mehr Anreize schaffen? „Es ist zunächst die Entscheidung des Eigentümers eine solche Anlage zu errichten“, so Leicht. „Eine entsprechend umfängliche Beratung ist notwendig, um in einem solch sensiblen Bereich eine für alle Seiten akzeptable beziehungsweise tragbare Lösung zu finden.“ Eingeschlossen sein sollten die Unterstützung und Hilfestellungen zu Fördermöglichkeiten. Eine kommunale Förderung wäre für die SPD zwar wünschenswert, sie hänge aber von den finanziellen Möglichkeiten der Kommune ab.

„Die Frage ist, was die Stadt hier selbst tun kann“, sagt Holger Then, der Zweite Bürgermeister, stellvertretend für die Junge-Bürger-Fraktion. „Da denken wir in erster Linie an die städtischen Liegenschaften. Dieses Thema hat unsere Fraktion auf dem Schirm. Ziel sollte sein jedes Jahr bis zu zwei Photovoltaik Dachflächenanlagen auf städtischen Dächern zu installieren.

Holger Then (JB): Finanzielle Anreize sind eher schwierig

Bei allen anderen Liegenschaften sind die jeweiligen privaten Eigentümer gefragt.“ Sollte die Stadt diesbezüglich Anreize schaffen? „Anreize durch Gestaltungspielräume sind immer möglich“, antwortet Then. „Finanzielle Anreize sind eher schwierig durchsetzbar. Auf jeden Fall muss der Ausbau unterstützt werden und nicht gebremst.“

Einig sind sich alle Fraktionen: Obergrenzen je Dachfläche oder Dorf sollte es in Sachen Photovoltaik und Solarthermie nicht geben. „Jedes mögliche Dach sollte mit einer PV Anlage ausgestattet werden“, findet beispielsweise Holger Then (JB). „Vielmehr sollte in jedem Einzelfall die Zulässigkeit beurteilt werden, auch wenn damit ein Mehraufwand verbunden ist“, fügt Volker Ernst (FW) an.

Welche Dächer manche Fraktion dennoch nur sehr ungern voll mit PV- oder Solarthermie-Anlagen sehen würde, dazu äußern sich die Sprecher der Gruppierungen im Teil zwei der Umfrage.

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