LICHTENFELS/BAD STAFFELSTEIN

THW-Mann Johannes Stich im Corona–Einsatz

THW-Mann Johannes Stich ist einer der führenden Köpfe in der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises Lichtenfels. Foto: Till Mayer

THW-Mann Johannes Stich ist einer der führenden Köpfe in der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises Lichtenfels. Der 29 Jahre hat sich für Auslandseinsätze weltweit beworben. Jetzt erlebt er eine Katastrophe in der Heimat und zieht eine erste Bilanz.

„Seit dem 12. März 2020 – also seit drei Monaten - bin ich als Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) Bad Staffelstein als Fachberater und Verbindungsperson THW ständiges Mitglied der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises Lichtenfels. Seit dieser Zeit nehme ich an den täglichen Sitzungen teil und bin in meiner Funktion für die Koordination der Materiallieferungen und der Ausgabe der Schutzgüter zuständig.

Bereits frühzeitig die Katastrophe kommen sehen

Bereits vor der Ausrufung des bayernweiten Katastrophenfalls und meiner Berufung hatte ich mit großem Interesse als Katastrophenschützer die weltweite Lage und Entwicklung der Corona-Pandemie beobachtet. Wenn man schon einige Zeit im Bereich des Katastrophenschutzes arbeitet so wie ich, bekommt man ein Gefühl für außergewöhnliche Entwicklungen. Als auch bei uns in Deutschland die ersten positiven Covid-19-Fälle bekannt wurden, beschlich mich das ungute Gefühl, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen.

Die Ausbreitung des Corona-Virus sorgte auch in unserem gewohntem THW-Alltag für Einschränkungen: angefangen von der Absage von Ausbildungen über die Verschiebung von Besprechungen beziehungsweise der Umstellung auf Online-Konferenzen bis hin zum kompletten Aussetzen des regelmäßigen Mittwochsdienstes – was für alle THW-Helferinnen und – Helfer in meinem Ortsverband ein sehr einschneidendes Erlebnis war und nach wie vor ist. Am 11. März rief mich dann die Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) des Landkreises Lichtenfels an. Sie bat mich, ich möchte doch ab dem folgenden Tag als Fachberater THW an den regelmäßigen Sitzungen des Krisenstabes Corona-Pandemie teilnehmen. Von diesem Zeitpunkt an war ich ständiges Mitglied im Krisenstab.

Am 16. März wurde der bayernweite Katastrophenfall ausgerufen. Das hieß: Von diesem Zeitpunkt an war die FüGK mit der Koordination der Vorgehensweise in der Corona-Krise betraut. Ich selbst hatte den ÖEL-Lehrgang (Örtliche Einsatzleitung), bei dem man für die Bewältigung von großflächigen Schadensereignissen ausgebildet wird, erst Ende 2019 absolviert. Die Corona-Pandemie stellt uns jedoch vor Herausforderungen, wie wir sie bis dahin noch nicht kannten.

Ein gefährlicher Gegner, der unsichtbar ist

Bei Katastrophen infolge von Schneesturm, Hochwasser, Waldbränden und ähnlichem sind für uns die Ursachen und Auslöser in der Regel sicht- und fassbar. Im Rahmen der Corona-Pandemie haben wir es aber mit einem unsichtbaren und gleichzeitig sehr gefährlichem Gegner, einem Virus, zu tun, das sich rasend schnell verbreitet, ohne dass die Infektionswege immer nachvollziehbar sind. Was für manche die Entscheidungen und Einschränkungen die getroffen wurden nur schwer nachvollziehbar, aber dennoch notwendig machte. So zumindest mein Eindruck.

In der ÖEL bin ich in enger Abstimmung mit dem Landratsamt mit der Sachgebiet S4 Logistik/Personal betraut. Einer der ersten Einsatzaufträge war es, eine zentrale Abstrichstelle für den Landkreis einzurichten. Diesen Auftrag setzten meine Helferinnen und Helfern noch am selben Abend um. Mit unserem Einsatzgerüstsystem (EGS) und einer Holzkonstruktion bauten wir einen mobile Drive-in. Noch in der Nacht war die Überdachung fertiggestellt.

Eine weitere Aufgabe des Krisenstabs war es, die dringend benötigte Schutzausstattung wie Masken, Handschuhe, Kittel, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel zu organisieren. Angesichts der großen Nachfrage und der zum Teil unterbrochenen Lieferverbindungen mit dem Ausland, war das nicht immer einfach. Es galt nicht selten erfinderisch zu sein und neue Beschaffungswege auszuloten. Wir sondierten deshalb, welche Firmen im Landkreis beispielsweise Schutzmasken oder -kittel nähen könnten und wo diese Materialien eingesetzt werden könnten. Dass die Mitglieder der FüGK sich kannten und in Übungen bereits den Ernstfall geprobt hatten, zahlte sich hier aus.

Gut vernetzt und digital: Das ist Alltag beim Corona-Einsatz. Foto: Till Mayer

Auch für meine Helferinnen und Helfer vor Ort ging der Einsatz weiter. Die Schutzausstattung, die von Bund und Ländern zentral beschafft wurde, wird von den Logistikzügen des THWs an die Kreisverwaltungsbehörden verteilt. Das THW übernahm vor diesem Hintergrund den Betrieb des Logistiklagers für den gesamten Landkreis. Wir richteten das Lager ein und bereiteten es für den Betrieb vor. Fast jeden Tag trifft ein Laster mit Schutzausstattung ein. Das Material wird erfasst und in der Lagerverwaltung hinterlegt, die mittlerweile über 90 unterschiedliche Artikel umfasst.

Meine Aufgabe in der ÖEL war es, die Formular für die Bedarfsträger zu erstellen, mit dem sie ihren Bedarf melden konnten. Die Materialausgabe an die Zuteilungsberechtigten erfolgt ein- bis zweimal in der Woche. Nachdem unser anderweitiger Dienstbetrieb weiterhin ausgesetzt war, nutzte ich die Gelegenheit, mich vor Ort bei den Helfern zu erkundigen, wie es ihnen geht.

Im Krisenstab mussten wir feststellen, dass es zum einen gar nicht so einfach war, verschiedene Schutzgüter zu beschaffen. Auch so alltägliche Dinge wie Kunststoffflaschen zum Abfüllen für Desinfektionsmittel waren plötzlich nur noch über gute Kontakte zu beziehen. Auf lange Sicht gesehen halte ich es deshalb durchaus für sinnvoll und notwendig, wieder eine gewisse Bevorratung aufzubauen. Auch erachte ich eine Stärkung und den weiteren Ausbau des Zivil- und Katastrophenschutzes in allen Bereichen sowie personell und materiell für notwendig.

Ein herzliches Dankeschön ist wichtig

Nach nunmehr drei Monaten in der FüGK möchte ich die Gelegenheit nutzen, allen Mitgliedern dieses Stabes zu danken. Auch allen meinen Helfern und deren Arbeitgebern gebührt große Anerkennung für die mittlerweile weit über 1000 ehrenamtlichen Stunden, die geleistet wurden und immer noch geleistet werden sowie die Bereitschaft der Arbeitgeber, sie für die ehrenamtliche Tätigkeit freizustellen. Besonderen Dank möchte ich meiner Familie sagen, die viele Stunden und Tage auf mich verzichten musste und mich jederzeit unterstützte.

Was ich mir für alle Ehrenamtlichen der Blaulichtorganisationen wünsche, ist mehr Unterstützung seitens der Bürger. Wir sind diejenigen, die aus Überzeugung und gerne helfen – egal, Werk- oder Feiertag, Tag oder Nacht - und dabei oft unser eigenes Leben und unsre Gesundheit hintanstellen.“

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Bier, Schnaps, Wein und ein Wort mit „A“
  2. Melancholisch durch die Nacht
  3. Homepage für Katholiken: Willlkommen auf der Zuhauseseite
  4. Corona-Tagebuch: Wenn Ionen Jedis werden
  5. „Vorhang auf“, heißt es Anfang November
  6. KJR-Ferienprogramm: Heimat erleben und erfahren
  7. Corona-Tagebuch: Blanke Nerven und Drecks-Mund-Nasen-Maske
  8. Mit Mäc Härder zwischen Sofambik und Kloronto
  9. Auf Balkonien gibt es kein Meersalz auf der Haut
  10. Chorproben-Beginn: Auflagen trüben die Sangesfreude
  11. Corona-Tagebuch: Wenn das Geld auf der Straße liegt
  12. Corona: Mit Maske ins Burgkunstadter Standesamt
  13. Corona-Tagebuch: Gehen wir zu dir - oder zu mir?
  14. Gärtnerglück in Neuensee: Es blüht gegen Corona-Trübsinn
  15. Club-Ehrentrikots für die Öpnv-Helden vom Obermain
  16. Corona-Tagebuch: Die Feier des Belanglosen
  17. Corona-Tagebuch: Himmelsmacht oder dumme Kuh
  18. Lichtenfelser Städtepartnerschaft zu Zeiten Coronas
  19. In Lichtenfels zwitschert es in der Mischmaschine
  20. Corona-Tagebuch: Die geheimnisvolle Rothaarige
  21. Lichtenfelser Corona-Tagebuch: Ein letzter Gruß von Herzen
  22. Endlich wieder der „Tarzan-Jump“ im Banzer Klettergarten
  23. Corona-Tagebuch: Bier und Tradionen
  24. Marktzeulner Musiker spielen Abschiedsmarsch für Corona
  25. Corona-Tagebuch: Die Pandemie kennt keine Traditionen
  26. Corona-Tagebuch: Die Wahrheit über Schengabeng
  27. Der Horsdorfer Mühlenchor verstummt trotz Corona nicht
  28. Corona-Tagebuch: Rauchen mit Maske mitten in der Natur
  29. Tanzschulen-Öffnung: Cha-Cha-Cha hilft gegen Corona
  30. Corona–Tagebuch: Mode und eine erstaunliche Maske
  31. Beim VdK Lichtenfels darf gefaucht werden
  32. Wenn Corona wie ein Sturm über die Familie kommt
  33. Corona–Tagebuch: Die Liebe und die Strafe
  34. Corona–Tagebuch: Nicht ohne Einkaufsplan
  35. Einzelhändler Gerhard Deuerling: Jetzt zählt die Zuversicht
  36. Corona–Tagebuch: Löwenzahn-Malbuch mit Anziehungskraft
  37. Lichtenfelser Kita–Leiterin zwischen Freude und Sorgen
  38. Bunte Steine sorgen in Burgkunstadt für Herzlichkeit
  39. Haarige Szenen einer Ehe zu Zeiten von Corona
  40. Lauf für deinen Verein: Mit 92 Jahren noch aktiv dabei
  41. Corona–Tagebuch: Die Sache mit dem Döner
  42. Rudolf Konthur: Mit dem Zauberstab gegen Corona
  43. Corona–Tagebuch: Wird es noch spannend?
  44. Corona-Tagebuch: Ein Wiedersehen mit Steffi
  45. Aktion für Gastronomen: „Schlemmen hoch 5“ gibt Hoffnung
  46. Corona–Tagebuch: Der Ruf nach Vater Staat
  47. Pandemie-Folgen: Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen
  48. Schachmeisterschaft: Geschickter Zug gegen Corona
  49. Corona–Tagebuch: Die Chaiselongue und der Geldkreislauf
  50. Tierschutzpreis: Der Endspurt für Bewerbungen läuft

Schlagworte