BAD STAFFELSTEIN/VIERZEHNHEILIGEN

Terrainkurweg: Hasenweg und Glaubensanker

Von dem Trubel, der in der nahen Basilika mitunter herrscht, lassen sich die auf der Wiese am darunter liegenden Klostergarten weidenden Schafe nicht aus der Ruhe bringen. Foto: Mario Deller

Dass der nachfolgend beschriebene Terrainkurweg 2 ein wenig Kondition erfordert, liegt bei bei einer Länge von gut 14 Kilometern und 442 zu bewältigenden Höhenmetern auf der Hand. Doch dafür wird der Wanderer mit tollen Eindrücken belohnt, von kleinen Entdeckungen in der Natur bis hin zum besinnlichen Verweilen an oder in der Basilika Vierzehnheiligen als Höhepunkt der Route.

Natürlich sind die Terrainkurwege allen Naturliebhabern ans Herz gelegt, die ihrem Körper etwas Gutes tun wollen und natürlich in diesem Falle auch ein wenig Ausdauer mitbringen. Doch gerade beim Terrainkurweg 2 lässt sich feststellen, dass Wanderern, die Kraft aus dem christlichen Glauben schöpfen, diese Route besonders viel „gibt“.

Kleiner Bildstock aus dem Jahr 1793

Los geht die Reise per pedes in Bad Staffelstein am Parkplatz in der Viktor-von-Scheffel-Straße, wo zum Auftakt die Heilige Adelgundis in Form eines kleinen Bildstocks aus dem Jahr 1793 grüßt. Wir begeben uns zunächst auf den geschotterten Weg, der sanft ansteigend Richtung Staffelberg führt. Nach Überqueren der Autobahnbrücke führt der weiter sich bergan schlängelnde Verlauf meist durch schattigen Wald, unter anderem vorbei am Kriegerdenkmal.

Anders als bei zwei anderen Terrainkurwegen ist der Staffelberg aber bei dieser Route nicht Station. Sobald wir an der Lichtung ankomme, verlassen wir den Aufstiegsweg und begeben uns links auf die Wiese. Hier geht es nun weiter auf einem wunderschönen, relativ eben verlaufenden Höhenweg, der nach einiger Zeit auch befestigt ist. Linker Hand grüßt das Obermaintal mit dem einigen Kilometer entfernt liegenden Kloster Banz.

Zu Beginn der Route „grüßt“ den Wanderer die Heilige Adelgundis aus einem über 200 Jahre alten Bildstock. Foto: Mario Deller

Wir erreichen schließlich den Wanderparkplatz oberhalb des Dörfchens Romansthal, biegen dort kurz rechts ab, um sodann nach wenigen Metern wieder links abzuzweigen auf den Weg Richtung Vierzehnheiligen. Kurz vor der Abzweigung lädt ein imposantes Holzkreuz zum Innehalten ein. Dieses wurde 2012 vom im Juni leider verstorbenen Adolf Geuß errichtet, der Zimmermann war sowie leidenschaftlicher Musiker und stolze 42 Jahre lang Stadtrat.

An Wildrosen und Eichen vorbei

Die Route des Terrainkurwegs 2 verläuft nun einige Kilometer über den „Hasenweg“, vorbei an Wildrosen und mächtigen Eichen. Letztere werfen jetzt im Herbst ihre Früchte ab, also bitte nicht erschrecken, wenn es von oben die eine oder andere Eichel hagelt.

Bei Wanderungen lohnt sich immer der Blick für die kleinen Dinge am Rande, die einem bei oberflächlichem Scheuklappenblick entgehen. So ist etwa auf dem Hasenweg an einer Bank ein nur zehn Zentimeter großes Miniaturkreuz zu entdecken, das jemand in das natürliche Loch eines Baumstumpfes hineingearbeitet hat.

An anderer Stelle fällt der Blick auf ein Exemplar der Gattung „Coprinus Comatus“. Wesentlich hilfreicher sind die deutschen Bezeichnungen „Tintenschöpfling“ oder „Tintenpilz“. Der Name kommt nicht von ungefähr: Am Anfang hat der Pilz ein weißes Kleid, doch schließlich lösen sich beim Tintenpilz Hut und Lamellen in einer tintenartigen Flüssigkeit auf. Diese Eigenart ist eine Methode des Pilzes, Sporen zu verbreiten.

An einer Weggabelung geht es links weiter Richtung Wolfsdorf. Auf Höhe einer mächtigen, leicht schiefen Eiche – die Abzweigung hier ist ausgeschildert, dies nur als Orientierungshilfe – verlassen wir den Hasenweg nach rechts abzweigend. Die Wege werden nun zunehmend schmaler mit einem Teilstück, das durch schattiges Terrain führt, vorbei an so manchem urtümlich wirkenden Baum oder Baumstumpf.

Auf dem Höhenweg nach Romansthal bietet sich eine wunderschöne Aussicht ins Maintal mit Kloster Banz im Hintergrund. Foto: Mario Deller

Von daher braucht der Wanderer schon einen Moment, um sich zu sammeln, wenn er nach durchschnittlich eineinhalb bis zwei Stunden schließlich Vierzehnheiligen erreicht. Die Zivilisation hat uns wieder, wie der mitunter lebhafte Betrieb im Biergarten des Brauereigasthofs unweit des Waldes verdeutlicht.

Was neben den weltlichen Genüssen Touristen aus ganz Bayern nach Vierzehnheiligen zieht, ist aber vor allem die dortige Basilika, die wir wir schließlich erreichen und die eine Besichtigung lohnt. Wegen Renovierungsarbeiten ist die Westfassade übrigens seit einem guten Jahr und noch bis Ende 2020 eingerüstet. An dem architektonischen Meisterwerk ist halt immer einmal wieder etwas in Ordnung zu bringen, schließlich ist die bekannte Wallfahrtskirche nicht mehr die Jüngste, wie ein Blick in die Historie belegt.

29 Jahre (!) nach der Grundsteinlegung wurde der Bau 1772 vollendet, somit steht übernächstes Jahr das stolze 250-Jahr-Weihejubiläum an. Vergangenes Jahr konnten die Kirchenvertreter mit zahlreichen Gläubigen übrigens im Zusammenhang mit der Basilika ein besonderes Ereignis feiern, nämlich die Weihe von sechs neuen, frisch gegossenen Glocken, die zwischen 82 und 702 Kilogramm wiegen und am 24. November 2019 zum Christkönigssonntag erstmals erklangen.

Nach diesem tollen Höhepunkt – mit je nach mitgebrachter Zeit ein wenig Verweilen an diesem christlichen Kraftort – folgt der Wanderer nun der Fahrtstraße auf dem Gehweg einige Meter unterhalb der Basilika, eh er steil nach rechts abbiegt und Vierzehnheiligen auf einem Kreuzweg umrundet.

Weiter geht es über Felsstufen

Nun verlassen wir den Wallfahrtsort wieder Richtung Osten, folgen dem Schild „Staffelberg/Frankenweg“ auf einen Weg in den Wald hinein. Wir passieren die Abzweigung zum Hasenweg, halten uns links stetig bergan auf Wegen und Pfaden, teils über Felsstufen bis hoch zu einem Höhenweg. Diese Passage ist ein Teilabschnitt des Fernwanderwegs „Frankenweg“.

Diesem folgen wir vorbei am „Alten Staffelberg“, bis von rechts am Staffelberg vorbeigehen und schließlich bergab wieder zum Ausgangspunkt in Bad Stafffelstein gelangen.

 

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