SCHWABTHAL

Terrainkurweg: Grandiose Aussicht als Belohnung

Ausgebildete Klimatherapeuten wie Werner Freitag (Bild, hier am Gipfelkreuz auf dem Weinhügel) leiten die seitens der Schwabthaler Reha-Klinik für die Patienten freiwillig angebotenen Terrainkurwegwanderungen. Foto: Mario Deller

Drei der sechs im Jahr 2016 initiierten Terrainkurwege, die wir in einer kleinen Serie für Herbstwanderungen vorstellen, starten und enden in Schwabthal. Das ist schon allein aus dem Grunde keine Überraschung, weil die Region im Lautergrund über ein sehr facettenreiches und noch sehr naturbelassenes Landschaftsbild verfügt.

Und zum anderen kommen so auch in der nahe Schwabthal ansässigen Reha-Klinik weilenden Patienten in den Genuss, die umliegende Natur per pedes kennen zu lernen. Das Therapiekonzept der Klinik beinhaltet auf freiwilliger Basis nämlich auch geführte Wanderungen auf den besagten Terrainkurwegen an. Wir begleiteten Werner Freitag, ausgebildeter Klimatherapeut und Mitarbeiter der Reha-Klinik bei einer Tour hinauf zum „Weinhügel“.

Klimatherapeut Werner Freitag erzählt den Rehabilitanden ein wenig vom Staffelberg, den die Teilnehmer bei der Kurwegwan... Foto: Mario Deller

Acht Reha-Patienten hatten sich am Haupteingang der Klinik eingefunden, wollten sie diese seitens der Klinik jeden Mittwochnachmittag angebotene Gelegenheit nicht entgehen lassen. Vorherige Anmeldung an der Klinikrezeption, derzeitige Begrenzung der Teilnehmerzahl auf zwölf, Mindestabstand – Corona-Zeiten halt. An der guten Atmosphäre ändert dies freilich nichts.

„Hallo! Schön, dass Sie mit mitmachen wollen“, begrüßt Werner Freitag die Teilnehmer. Und dann geht?s auch schon los, den Fußweg hinab und zunächst durch das Tiefenthal. Im weiteren Verlauf überquert die Gruppe den Döritzbach und schreitet in Tempo von rund fünf Kilometern pro Stunde entlang des Kaiderbachs weiter durch die Natur. Das war sozusagen das „Warm-Up“, jetzt kommt der Kreislauf etwas mehr in Wallung, denn die 142 Höhenmeter, die der Terrainkurweg 6 beinhaltet, müssen ja irgendwo her kommen. Auf gut befestigtem Weg bewältigen die Teilnehmer nun den Anstieg hinauf zum sogenannten „Weinhügel“. Hier gedeiht eine einzigartige Vegetation seltener Pflanzen, unter anderem die Silberdistel.

Geradezu malerisch gestaltet sich das letzte Stück des kleinen, sich bis zur höchsten Stelle der Erhebung schlängelnden Fußwegs, vorbei an so manchem Wacholderstrauch. „Wir haben schon überlegt, ob wir wir Rehabilitanden hier rauf schicken, um fürs Mittagsessen Wacholderbeeren zu pflücken“, meint Freitag zum Scherz. Die Teilnehmer grinsen, die unkomplizierte Art der Tourenleiter kommt gut an. Ein wenig Spaß gehört dazu, von bierernstem Charakter ist die Veranstaltung so weit entfernt wie Schwabthal von San Francisco.

Nicht nur für Gut-Wetter-Wanderer

An diesem Mittwoch im Spätaugust herrschte ideales Wanderwetter – nicht zu heiß, ein wenig windig und vor allem trocken. Was aber nicht heißen soll, dass dieses freiwillige Angebot im Rahmen der Reha nur bei „Sahnewetter“ stattfindet – ganz im Gegenteil: „Die Terrainkurweg-Wanderungen für die Rehabilitanten werden jede Woche im ganzen Jahr angeboten, auch wenn es mal kälter ist, regnet oder schneit. Einmal hat es sogar gestürmt - das bleibt natürlich unvergessen und hat die damalige Gruppe richtig zusammengeschweißt“, erzählt Freitag und ergänzt: „Jede Jahreszeit hat ihren Reiz und lädt dazu ein, die Natur von allen ihren Seiten her kennenzulernen und wahrzunehmen“.

Ein herrlicher Blick auf Schwabthal und die Reha-Klinik Lautergrund... Foto: Deller

Ein paar Schweißtropfen vergossen, aber Gelenke und Kreislauf trainiert – mit diesem guten Gefühl können die Reha-Patienten am 2016 dank des Gartenbauvereins errichteten Gipfelkreuz die sich hier bietende phänomenale Aussicht umso mehr genießen. Sie lassen den Blick schweifen hinüber zum Staffelberg, und auch Schwabthal ist von hier oben aus herrlich zu sehen, darunter auch die in den Wald quasi eingebettete Reha-Klinik Lautergrund.

Schließlich begibt sich die Gruppe auf einem waldigen Stück wieder den Berg hinab zurück nach Schwabthal. Freitag ist - wie auch Reinhold Müller als weiterer Leiter der Touren mit den Reha-Patienten – bestrebt, die Kurwegwanderungen auch kurzweilig zu gestalten. So erzählt er den Teilnehmern, die ja im Rahmen ihres Rehaaufenthalts die Gegend erst kennen lernen – von der gesellschaftlichen Bedeutung des Tanzlokals in Schwabthal, beleuchtet die vielseitige Flusslandschaft der Region genauso wie die Tatsache, dass man hierzulande über die höchste Brauereidichte verfüge. Im Tiefenthal wieder angekommen, weist er auf die dort wachsende Brunnenkresse mit ihren äußerst aromatischen Blättern hin. „Wirklich lecker“, meint eine Reha-Patientin, nachdem sie gekostet hat.

Die drei Terrainkurwege 4 bis 6 starten unterhalb der Reha-Klinik Lautergrund in Schwabthal. Foto: Mario Deller

Wenngleich die Rehabilitanden zur Kontrolle beziehungsweise als wertvolle Information für sich selbst an zwei Stellen der Tour ihren Puls messen - sie haben während der Wanderung nicht das Bild einer „therapeutischen Einheit“ vor Augen, sondern einfach Freude daran, in die Natur einzutauchen. Und doch ist der therapeutische Aspekt unumstritten.

Manch Patient kommt als Urlauber wieder

Rechtzeitig zum Abendessen in der Reha-Klinik ist die Gruppe wieder zurück. „Wir können uns ganz einfach glücklich schätzen angesichts der herrlichen Gegend hier. So ist es kein Wunder, dass mancher Reha-Patient für einen Urlaubsaufenthalt wieder an den Obermain zurück kehrt“, meint Werner Freitag lächelnd. Geführte Terrainkurweg-Wanderungen für die Allgemeinheit werden im Zuge der Maßnahmen und Richtlinien zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie derzeit nicht angeboten. Ob Reha-Patient oder nicht – es lohnt sich aber auf jedem Fall, per pedes die Region im Lautergrund zu erkunden.

 

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