BAD STAFFELSTEIN

Tag der offenen Tür der Genussanbieter Bad Staffelstein

Tag der offenen Tür der Genussanbieter Bad Staffelstein
Nach einer Stunde Backzeit im Holzofen sind die Bauernbrotevon Irene Grasser aus Loffeld fertig - die Vorbereitung des Teiges beginntschon zwei Tage vorher. Foto: Monika Schütz

Als richtiger Glücksgriff erwies sich im Nachhinein die Idee zum Tag der offenen Tür direkt bei den Genussanbietern vor Ort. Nachdem Corona bedingt die Veranstaltung „Genuss im Grünen“ nicht stattfinden durfte, öffneten jüngst viele Direktvermarkter ihre Höfe und Verkaufsstellen. Zahlreiche Besucher strömten zu Fuß und mit dem Rad zu ihnen und erkundeten Bad Staffelstein und Umgebung.

Tag der offenen Tür der Genussanbieter Bad Staffelstein
Gin ist das neue Trendgetränk: Brenner Florian Leicht aus Unterzettlitz misst hier den Alkoholgehalt mit einer Spindel. Foto: Monika Schütz

„Das ist die Ersatzidee – und die ist gut“, freute sich Genussbotschafterin Adelgunde Gagel über die Resonanz. Bei ihr in Loffeld gab es geschnittene Hasen und damit ein Traditionsgebäck, das üblicherweise bei Hochzeiten und Taufen auf den Tisch kommt. „Da hat jede Familie ihr Geheimrezept“, sagte sie lachend. Auch ihr Kochkäse interessierte die Besucher. Gagel wusste Einiges über diesen deftigen Brotaufstrich zu erzählen: es sei ein sehr altes Rezept. „Wenn den Bäuerinnen der Quark schon zu säuerlich war, wurde er zu Kockkäse weiterverarbeitet.“

Biersenf, Bockbierzwetschgen und Wildschweinfett

In vielen Produkten hat sie außerdem heimisches Bier verarbeitet: Biersenf und Bockbierzwetschgen hat sie im Angebot, auch Fett vom Wildschwein nebst dem bekannten Griefenfett. „Man soll doch die alten Rezepte ruhig modern aufmotzen“, findet sie. Handgemacht und ursprünglich trifft auf außergewöhnliche Kreationen.

Das hat sich auch Florian Leicht von der Brennerei in Unterzettlitz überlegt. Er lud die Besucher zu einem Blick in seine Brennerei ein. „Das neuen Trendgetränk ist Gin“, sagte er und zeigte auf seine Destillieranlage und die Kupferkessel.„Der hier ist ganz mild, den kann man auch blank trinken.“

Mit rund 90 Volumenprozent Alkohol in den ersten Behälter

Tag der offenen Tür der Genussanbieter Bad Staffelstein
Vorteil der "offenen Höfe": die Schlepperei entfällt -Aussteller und auch Kunden müssen gewichtige Produkte nicht mehr i... Foto: Monika Schütz

Leicht überprüfte den Alkoholgehalt mit der Spindel. Mit rund 90 Volumenprozent tropft das Destillat in den ersten Behälter. Zum Genießen wird der fertige Gin dann auf 40 Volumenprozent Alkohol verdünnt.

Fast 100 Obstbäume stehen auf der großen Streuobstwiese hinter dem Anwesen, meterlang wachsen Beerenhecken und viele Kräuter. Schnaps sei nicht gleich Schnaps, erklärt Florian Leicht die Unterschiede: „Geist“ darf sich das Produkt nennen, wenn in neutralem Alkohol frische Früchte gebrannt werden. „Brand“ sagt man, wenn man die Früchte vergären lässt. In der fünften Generation schon brennt die Familie Hochprozentiges, zu den „alten“ Geschmäckern wie Obstler und Zwetschgenschnaps gesellen sich immer mehr neue Produkte: Der „Zelzer Magenfreund“ steht im Regal neben Brombeerlikören, Vogelbeer- oder Holunderschnaps. Liköre mit Ingwer, Trauben oder Pfefferminze (ebenfalls Eigenanbau) werden ebenso angeboten, wie traditioneller Schlehen- oder Holunderbrand.

320 Grad müssen es im gemauerten Backofen sein

Zurück nach Loffeld, in den frühen Morgenstunden: Irene Grasser schürte ein. Bis ihr gemauerter Backofen mit Holzbefeuerung auf 320 Grad erhitzt war, dauerte es. Diese Zeit nutzte sie, um den Brotteig vorzubereiten. Schon zwei Tage zuvor hatte die Frau ihren eigenen Sauerteig angesetzt. Nun wurden noch 30 Kilogramm Roggen- und Weizenmehl im Verhältnis 80 zu 20 benötigt, Gewürze und Kümmel,Wasser. Dann war die Knetmaschine dran, vermengte die Zutaten. Der Teig durfte im Anschluss für eineinhalb Stunden ruhen.

Danach kam er portionsweise in die „Schüsseln“ , wie Irene Grasser die geflochtenen Körbchen nannte. in ihnen ruhten die Laibe erneut eine Stunde.

Schließlich hatte der Ofen die Temperatur erreicht. Die Glutreste wurden entfernt, der Backbereich mit einer „Holzkrücke“ausgekehrt und die umgestürzten Laibe mit einem Holzschieber aufden blanken Ofenboden eingeschossen. Zuvor wurden sie noch mit Wasser benetzt, dann buken sie bei 220 Grad.

Beim Draufklopfen klingen die Laibe hohl – sie sind fertig

Tag der offenen Tür der Genussanbieter Bad Staffelstein
Feines vom Land: geschnittene Hasen nach Familienrezeptgab es bei der Loffelderin Adelgunde Gagel. Foto: Monika Schütz

Eine gute Stunde später waren die Brote fertig. Es duftete herrlich auf dem Hofgelände der Direktvermarkterin. Irene Grasser holte das erste Brot heraus, machte den Test: beim Draufklopfen klang es „hohl“, das passte. Auch die Reihenfolge im Ofen sei wichtig, erklärte die gelernte Bäckereifachverkäuferin: ganz hinten die großen Laibe, die Vierpfünder, ganz vorne die kleineren Zweipfünder. Nachdem die Brote gebacken waren, kamen die Blechkuchen ins Rohr. Der Backofen hatte da noch immer eine Temperatur von mehr als 200 Grad.

Je nachdem, welches Holz die Bäckerin schürt, variiert die Backzeit:„Ich kann net sagen, zwischendurch mach ich dies und das, ich muss mich nach meinem Feuer richten“, sagte sie und lachte. Schon standen die ersten Kunden vor dem Backhäuschen. Sie interessierten sich auch für die anderen Produkte der Genussanbieterin: Brände und Liköre aus Obst, Eier, Kartoffeln, Kürbisse und Fruchtaufstriche – und selbstgestrickte Wollsocken. Der nächste Winter kommt ja bestimmt. Dann hatte Irene Grasser eine weitere Spezialität im Holzbackofen: ihren feinen Butter-Bauernstollen.

Auch der Döbertengrund beteiligte sich am Tag der offenen Tür

Wer die kulinarische Rundreise weitermachte, traf auch auf Manfred Reichert in Uetzing. Zum hausgebrauten Metzgerbräu gab es hier deftige Brotzeiten. In Gößmitz hatte die Getreidemühle von Ludwig Ultsch ihre Türen geöffnet. Susi Mayr in Bad Staffelstein hatte einen Stand vor ihrem Café aufgebaut. Hier wurden Krapfen und geschnittene Hasen vor den Augen der Zuschauer gebacken. Näher am Kunden geht sicherlich nicht.

Zur Besichtigung ihrer Streuobstwiese lud Direktvermarkterin Anita Ostler ein. Auf dem Familienanwesen in Grundfeld stehen mehr als 50 Obstbäume. Da wunderte es nicht, dass die Familie zum Tag der offenen Tür fruchtige Kuchen anbot, dazu verschiedene Sorten Sirup und Hiffenmark.

Geistreiches bei der „Tomatenfraa“

Eine umfangreiche Tomatenausstellung mit Früchten und Info konnten Interessenten bei der Grundfelderin Helga Dressel bestaunen. Sie bot außerdem den ersten oberfränkischen und wohl einzigen deutschen Tomatengeist vor. „Man denkt nicht, was man aus 100 verschiedenen Tomaten an fruchtigem Aroma heraus holen kann“, gab sich Dressel stolz. Dass das Ergebnis gelungen ist, davon überzeugten sich auch Thermenkönigin Michelle I., der stellvertretende Bürgermeister Hans-Josef Stich und Anna Maria Schneider vom Kur- und Tourismus Service.

Letztere war überrascht, wie wunderschön die Stände gestalten waren und mit wieviel Liebe zum Detail die Ausstellungen vorbereitet waren. Ob es eine derartige Auslagerung aus dem Kurpark ins Stadtgebiet und Umland auch im nächsten Jahr geben wird, sei noch nicht klar. Einige Anbieter hatten die Laufkundschaft im Kurpark vermisst. Andererseits hab ees nicht so lange Schlangen an den einzelnen Ständen gegeben, da sich die Besucher auf die verschiedenen Orte verteilt hätten.

 

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