BAD STAFFELSTEIN

Staffelsteins Bauern beklagen Millionenschaden durch Frost

Staffelsteins Bauern beklagen Millionenschaden durch Frost
Neben Heu brauchen die Tiere Im Milchviehstall von Georg Zenk auch Getreide: Im Eimer ist sein Kraftfutter (Wintergerste, Hafer und Triticale). Es ergänzt das Grundfutter. Foto: Monika Schütz

Wintergerste ist zurzeit auf 2400 Hektar im Lichtenfelser Land und 4900 Hektar im Coburger Land angebaut. Gesät Ende September bis Mitte Oktober sollte das Getreide jetzt im Sommer ausgereift sein und mit vielen kräftigen Körnern auf die Ernte warten. Hätte da nicht das Tief „Britta“ dazwischengefunkt. Das Tief, das an den Eisheiligen für eine einzige, aber für die Landwirtschaft schlimme Frostnacht sorgte, hat in wenigen Stunden teils die gesamte Sommerernte vernichtet.

„So was hab ich noch nicht erlebt - und ich hab mit einem 80-jährigen Landwirt gesprochen – der hat auch so etwas noch nie erlebt“, sagt Lothar Teuchgräber. Der Obmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Bad Staffelstein, und stellvertretender Obmann des Landkreises des Bauernverbandes schüttelt den Kopf. Die Nacht vom 11. auf den 12. Mai war mit bis zu fünf Grad Minus todbringend für viele Getreidesorten, Kartoffeln, Obst- und Nussbäume.

Dreieinhalb Tonnen weniger Ertrag pro Hektar Wintergerste

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„Leere Ähren, und dann kommt auch noch der Pilz“, stellen Dieter Lorenz (li.) und Lothar Teuchgräber fest. Im Hintergrun...

„Alleine bei Wintergerste im Bereich des AELF und des BBV Lichtenfels/ Coburg gibt es Frostschäden in Millionenhöhe“, rechnet er aus. Im Schnitt könnten heuer dreieinhalb Tonnen pro Hektar weniger Wintergerste geerntet werden. Da der Preis für eine Tonne 165 Euro betrage, summiere sich der Ernteausfall im Einzugsbereich auf einen Kaufkraftverlust von 4,2 Millionen Euro. Ob eine Folgenutzung bei vorzeitigem Absilieren kostendeckend wird, sei fraglich, so der Obmann.

Einige Landwirte haben tatsächlich bereits mit der Ernte begonnen: Bis zu 60 Prozent Ertragsausfall, viel zu kleine Körner, leere Ähren. „Das Hauptproblem waren die Spätfröste und der Regen vorher“, erklärt Georg Zenk. Er ist Vollerwerbslandwirt in Stublang und baut diverse Feldfrüchte an, unter anderem auch 15 Hektar Wintergerste. Bereits im vergangenen Jahr hatten Wetterkapriolen mit zu viel Hitze und zu wenig Regen für einen deutlich geringeren Ertrag gesorgt, heuer kamen die Eisheiligen dazu.

Der Frost zerstört die Blüten und die Schäden sind erst später zu sehen

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Ähren, die nach der Blüte keine Einkörungmachten (li.). Diese Ähren bleiben somit leer. Hierbei handelt es sich um dieso... Foto: Monika Schütz

Zu der Zeit befanden sich die Bestände der Wintergerste in oder kurz vor der Blüte. „Gleich nach der Frostnacht sah man noch nichts an Schäden, erst ein, zwei Wochen später“, berichtet Georg Zenk. Beim Durchsehen der Bestände kam die Ernüchterung: „Die Ähren haben sich nicht ausgebildet, die Kornanlage war leer.“ Auf einer anderen Anbaufläche sieht es zwar etwas besser aus, dennoch wird auch hier die Ernte schlecht ausfallen. Nebeneinander stehen Halme mit und ohne Korn. Und die Körner sind deutlich kleiner als üblich. Hier besteht aber noch Grund zur Hoffnung: durch den Regen, der in den vergangenen Tagen wie ein Segen kam. Daher hofft der Landwirt, dass die Körner noch an Gewicht zunehmen, dass das „1000-Korn-Gewicht“ (eine Maßeinheit) zunimmt.

Der Junglandwirt muss dennoch nicht zukaufen: er benötigt zwar die Wintergerste als Futtermittel für seine Milchkühe und die Jungviehaufzucht, hat aber erstmals im Herbst eine größere Fläche angebaut, „um einen Puffer zu schaffen für weitere trockene Jahre.“ Aus der Wintergerste mischt er nach dem Dreschen zusammen mit Hafer und Triticale das Kraftfutter für seine Tiere, das sie neben dem Grundfutter erhalten.

Von einer Versicherung gegen Ernteausfälle bei Frost- und Trockenschäden hat er schon gehört: „Mal nachdenken, bisher war das noch nicht relevant.“

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Georg Zenk baut das Kraftfutter für sein Jungvieh und die Milchkühe selbst an: Wintergerste, Hafer und Triticale. Foto: Monika Schütz

Auch Dieter Lorenz hat Ernteeinbußen zu erwarten. Rings um seine Aussiedlerhof am Ortsrand von Unterzettlitz wogt zwar das Getreide. Wer aber näher hinsieht, wird stutzig: Auch hier viele leere Ähren, grünes neben reifem Getreide, teils mit Pilzbefall. „Das war die eine Nacht – da war früh teils Eis an den Pflanzen“, sagt der Vollerwerbslandwirt. Auch er baut Wintergerste an. Heuer sind es etwa 20 Hektar, auch er hat mit herben Verlusten zu rechnen: Teils 80 Prozent Ernteausfall, fast jedes Feld sei betroffen.

„Die schönsten Ähren sind leer, da ist kein einziges Körnchen drin.“
Dieter Lorenz, Landwirt in Unterzettlitz

„Die schönsten Ähren sind leer, da ist kein einziges Körnchen drin“, berichte er. Lediglich ein einziger Getreideacker in direkter Nähe zum Main sei wegen des Nebels nicht erfroren. Lorenz muss heuer dazu kaufen, denn sein Vieh braucht etwas zum Fressen. Auch Dieter Lorenz hat so etwas in seiner langen Zeit als Landwirt noch nie erlebt. „Unsere Werkstatt ist unter freiem Himmel“, stellt er fest. Klagen helfe da nicht.

„Ich wusste gar nicht, dass Getreide so erfrieren kann“, sagt Bio-Bauer Bernhard Storath betroffen. Der Ebensfelder baut auf 15 Hektar Roggen, Dinkel und Weizen an. Auch dieses Getreidearten sind im Herbst gesät worden. „Die brauchen alle eine Kältereiz, damit sie im Frühjahr wachsen, aber sie würden erst nach den Eisheilgen blühen“, erklärt er. Somit konnte bei diesen Arten die Blüte nicht erfrieren. Getroffen hat es den Bio-Bauern aber trotzdem: Nüsse und Obst gibt es beim ihm heuer nicht.

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