Staffelberg: Rüchsichtslose Biker sorgen für Aufregung

Staffelberg

Staffelberg: Rüchsichtslose Biker sorgen für Aufregung

In der Aprilsitzung hatte der Bad Staffelsteiner Stadtrat Werner Freitag (Grüne/SBUN) darauf hingewiesen, dass man das Thema „Mountainbiker am Staffelberg“ dringend angehen müsse. Sein Vorschlag: Endlich ein Besucher-Lenkkonzept zu erstellen!

Gespräche dazu, sagt er im Interview mit dieser Redaktion, gäbe es schon seit mehr als 20 Jahren. „Es gab auch schon eins mit der Regierung. Leider hat die Verwaltung es nicht weiter verfolgt. Und es gab keine weitere Gespräche“. Anträge von Seiten seiner Partei seien wiederholt gestellt worden. Werner Freitag äußert sich als Sportler, Stadtrat, Grüner und als Staffelsteiner Bürger. „Das kann man nicht trennen“, erklärt er.

„Wir sind Tourismusregion und haben mit dem

Trendsport Mountainbiken eine Chance. Ein runder Tisch mit allen wäre hilfreich,

um unsere einzigartige

Kulturlandschaft zu schützen, aber auch erlebbar zumachen!“

Werner Freitag, Sportler, Stadtrat, Grüner, Bürger

„Wir sind Tourismusregion und haben mit dem Trendsport Mountainbiken eine Chance. Ein runder Tisch mit allen wäre hilfreich, um unsere einzigartige Kulturlandschaft zu schützen, aber auch erlebbar zumachen!“.

Ist es so? Ja. Immer mehr Radfahrer „klettern“ mit ihren normalen und E-Mountainbikes steile Wege hoch, fahren querfeldein und brettern auf geschotterten und teils unbefestigten Wegen durch den Wald wieder hinunter zum Tal. „Die Werbung und die Technik vermitteln den Leuten, dass sie free riden können und nicht mehr an Wege gebunden sind“, so Waldbesitzer Stephan W. Die Radsportler würden einzeln oder in Gruppen auf der ganzen Weg-Breite fahren. Nur wenige führen rücksichtsvoll zur Seite, wenn ein Wanderer oder ein Bulldog entgegenkomme. „Sie fahren an jedem Wochentag, auch bei Dämmerung und teils nachts.“

Muss den ein Picknick mitten im Wald sein?

Jagdpächter Armin Morgenroth, Revier Dornig: „Toi, toi, toi - meistens treff' ich die Radler auf den Wegen an“. Ihn ärgern vor allem die Wanderer, die sich zum Picknick mitten in den Wald setzen: „Wir haben doch Tische und Bänke genug. Es gibt auch Schutzhütten. Warum setzen sich die Leute mitten in den Wald und machen dort Brotzeit?“ Der Jagdpächter macht sich Sorgen um das Wild. Es würde sich immer mehr zurück ziehen.

Vorgegebene Abschusszahlen seien nicht zu erfüllen. „Da kannst' nur im letzten Büchsenlicht schießen“, brummt er. Auch über die E-Biker ist Morgenroth nicht glücklich: „Früher sind nur die den Berg hochgefahren, die die Kraft gehabt haben - mit den E-Mountainbikes geht es leicht bergauf und Vollgas wieder runter“. Wahre Besucherströme begegnen ihm, das müsse dringend gelenkt werden.

Was sind E-Bikes eigentlich? „Die Pedelecs - das ist die korrekte Bezeichnung für elektrisch unterstützte Fahrräder - gibt es mit Unterstützung bis 25 und bis 45 Stundenkilometer“, erklärt Zweirad-Mechanikermeister Joshua Simeoni. Für letztere werde sogar ein Versicherungskennzeichen benötigt.

Verschiedene Wege für Wanderer und Radfahrer wären wichtig

Es gebe viele, die momentan auf den „E-Bike-Zug“ aufsteigen, sagt Simeoni. Und deshalb findet er es wichtig und richtig, für Radfahrer und Wanderer getrennt ausgewiesene Routen zur Verfügung zu stellen.

„Es gibt die, die schon immer Rad gefahren sind, und es gibt Leute, die das jetzt als neue Sportart sehen - da ist eine komplett neue Gruppe Menschen, die in den Wald kommt“, fügt er an und wünscht sich für die Fahrer nicht nur asphaltierte Radwege. Für eine gute Zusammenarbeit müsse man auch die Tourismusregion mit ins Boot zu holen, „Aber Deutschland kriegt's nicht auf die Kette!“

Für wen gilt das Verkehrszeichen 250: Durchfahrt verboten?

Wir erkundigen uns in der Polizeistation Bad Staffelstein bei der Leiterin, Polizeihauptkommissarin Sonja Schneider, was es mit den Schildern „Durchfahrt verboten“ auf sich hat, die zu Beginn aller Staffelberg- und aller Dornigwege stehen. Ihre Antwort dazu: „Das Verkehrszeichen 250, umgangssprachlich Durchfahrt verboten, verbietet das Befahren der gekennzeichneten Bereiche durch Fahrzeuge aller Art (somit auch Fahrräder).

Das Bußgeld liegt bei einem Verstoß für Pkw bei 20 Euro und für Fahrradfahrer bei derzeit 15 Euro. Unabhängig davon kann bei regelmäßigen Verstößen beziehungsweise Vorsatz der Bußgeldsatz auch erhöht werden.

Soweit Verkehrszeichen aufgestellt sind, gelten diese selbstverständlich auch, selbst wenn Bußgelder noch in DM aufgeführt seien. Verkehrszeichen und Zusatzzeichen sind eindeutig definiert. Für das Aufstellen und die 'Pflege' (Stichwort: Einsehbarkeit) der Schilder ist je nach Bereich die Stadt Bad Staffelstein oder das Landratsamt zuständig. Das Landratsamt ist auch für die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten im Bereich Natur- und Umweltschutz zuständig und legt bei Verstößen ein Bußgeld fest.

Bei einem festgestellten Verstoß hat der Betroffene die Möglichkeit sich dazu zu äußern und Gründe zu seiner Entlastung anzugeben. Hierunter fallen unter Umständen auch durch Pflanzenbewuchs verdeckte Verkehrszeichen. Auch der Zusatz 'Landwirtschaftlicher Verkehr frei' berechtigt nicht zum Radfahren. Dies ist nur bei Zusatz 'Radfahrer frei' gestattet.“

Selten Beschwerden, ab und zu Einsätze wegen Streitigkeiten

Wie oft kommt eine Streife zu Kontrollfahrten?, möchten wir wissen. Schneider: „Naturschutzgebiete und touristische Ausflugsziele werden von unseren Streifen regelmäßig zur Bekämpfung von Umwelt- und Naturschutzdelikten sowie derzeitauch zur Überwachung der geltenden Infektionsschutzbestimmungen kontrolliert. Beschwerden von Waldbesitzern oder Jägern gegen Zweiradfahrer im Bereich Staffelberg und Dornig gehen nur vereinzelt bei uns ein. In Einzelfällen kam es zwischen Fußgängern und Radfahrern zu Streitigkeiten, so dass die Polizei hinzugerufen wurde“.

Und dann ist noch ein Thema, das bewegt: Oft werden Hindernisse extra so gelegt, dass ein Radfahrer absteigen muss. Am Staffelberg war eine andere Situation: Ein langer dünner Baum war auf einen Waldweg gestürzt und blockiert hier die für Räder sowieso nicht erlaubte Durchfahrt. Für Spaziergänger ist es ein leichtes, darüber zu steigen. Was ist zu tun? Muss der dünne Baum entfernt werden? Hier antwortet die Hauptkommissarin:„Grundsätzlich sind die örtlichen Waldbesitzer oder Landeigner für eine 'Gefahrenbeseitigung' oder entsprechende Kennzeichnung von Gefahrenstellen auf Zugangswegen zuständig“.