Sommer in der Stadt:Spieder Murphy Gang in Bad Staffelstein

BAD STAFFELSTEIN

Sommer in der Stadt: Spider Murphy Gang in Bad Staffelstein

Es strömte. Der Regen vom Himmel und das Publikum in den Kurpark. Die Urgesteine aus München gaben sich am Samstag die Ehre und spielten im Rosengarten. „Ausverkauft“ war auf den Seiten der Online-Ticketbörsen zu lesen. Nur vereinzelte Stühle blieben frei, und das war eher dem Wetter geschuldet als der Band. Unplugged hieß es an diesem Abend. Und das bedeutete, nur Instrumente, die keinen Stecker benötigen: Klavier, Akkordeon, akustische Gitarren, Saxofon, Klarinette, Schlagzeug und Flöte. Sogar eine Tuba kam im Lauf des Konzerts zum Einsatz, was das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss.

Eingehüllt in Regenponchos und Jacken, die Schirme aufgespannt, saßen die Besucherinnen und Besucher auf den Stühlen, die man mühsam trockengewischt hatte. Aber pünktlich zu den ersten Takten hörte es auf zu regnen, man zog sich die „Rock'n'Roll Schuah“ an und alle sangen mit den Vollblutmusikern „Mia san a bayrische Band“.

Virtuose Musiker, die mit Humor und Spielfreude mitreißen

Spätestens jetzt war allen klar, auch ein Konzert ohne elektronische Instrumente spürt man im Bauch. Glasklar kam der Sound dieses Mal aus den Lautsprechern, der Gesang war deutlich zu verstehen. Launig und mit Ironie warfen Sänger Güntner Sigl und Gitarrist Barny Murphy sich die verbalen Bälle zu, veralberten sich gegenseitig sowie die anderen Mitglieder der Band und waren sichtlich gut aufgelegt, was auch die Besucherinnen und Besucher ansteckte. Für alle, die nicht wissen, woher der Bandname stammt, wurde auch dies erklärt. Er leitet sich aus dem Lied „Jailhouse Rock“, genauer aus der zweiten Strophe, ab. Die ganze Strophe erschien ihnen damals zu lang, also beschränkte man sich auf die ersten und letzten beiden Worte. Aber lange hielt man sich damit nicht auf und stimmte zu Ehren des King of Rock'n'Roll sein erstes Lied „That's allright Mama“ an, das dann in einen Klassiker der „Spider Murphy Gang“ mündete und dessen Text wohl jeder kannte, wie man am Gesang des Publikums hörte, „Schickeria“, jene Nobelkneipe, die es wohl in Schwabing gegeben haben soll. Oder sogar noch gibt, darüber hüllte man sich in Schweigen.

Eine Brise Münchner Freiheit und viel Nostalgie

Im Verlauf dieses Liedes zeigten die einzelnen Mitglieder, welche Virtuosität sie an ihren Instrumenten zu zeigen imstande sind. Beim Klaviersolo von Ludwig Seuss und von Otto Stanioli am Saxofon schlugen die Wellen der Begeisterung hoch. Später am Abend trommelte sich der Schlagzeuger Andreas Keller so richtig warm. Auch Willie Duncan, gebürtiger Schotte, zu dem Günther Sigl nur meinte „Er hat mit dem Brexit nix mehr am Hut, der hat jetzt die Deutsche Staatsangehörigkeit“, hielt als Linkshänder die Gitarre richtig herum und überzeugte bei einem Solo. Richtig herum deshalb, weil seiner Meinung nach Rechtshänder sie falsch herum halten. Man kann sagen, die Spielfreude und die Intensität der Darbietungen ließen nichts zu wünschen übrig.

So spielte sich die „Spider Murphy Gang“ quer durch ihre langjährige Bandgeschichte. „Ich schau dich an“, „Pfüati Gott, Elisabeth“, „Sommer in der Stadt“ und „Ich grüße alle und den Rest der Welt“ durften nicht fehlen.

Eines der Highlights war eine Coverversion des Chuck-Berry-Klassikers „Johnny B. Goode“, welches im Gegensatz zum Original in einem getragenen, eher Reggae-lastigen Arrangement vorgetragen wurde. Als Zugabe durfte ein Lied nicht fehlen. Aus dem Jahr 1981 stammt es und war damals ein Skandal. Nicht nur im Titel, sondern vor allem wegen des Vokabulars. Einige Radiosender weigerten sich damals wegen des zum Teil als etwas anstößig geltenden Textes, das Lied zu spielen. Dennoch spülte gerade „Skandal im Sperrbezirk“ die damals noch recht unbekannte Band im Umfeld der „Neuen Deutschen Welle“ an die Spitze der Hitparaden. Auch heute kennt jeder noch Rosies Nummer.

„Für uns ist jeder Tag Weihnachten, wenn wir wieder vor euch spielen dürfen.“
Günther Sigl, Sänger

Vor der letzten Zugabe wurde Sänger Günther Sigl ein wenig melancholisch, als er auf die schwierige Zeit zu sprechen kam, die alle Musiker und Künstler gerade erleben. Aber er machte Hoffnung. „Für uns ist jeder Tag Weihnachten, wenn wir wieder vor euch spielen dürfen. Wir sind wieder da!“, rief er ins Publikum, das frenetisch applaudierte. „Aber was wären wir ohne euch? Nichts!“, fügte er noch als Dank hinzu. So kann man das letzte Stück, „Herztropfen“, auch als Hommage an das Publikum sehen.