ZILGENDORF

Seit 100 Jahren ein Kleinod in Zilgendorf

Seit 100 Jahren ist die Kapelle ein Zilgendorfer Kleinod. Foto: W. Lilie/Stadtbauamt

Die Wirren und Kämpfe des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) forderten sehr viele Opfer. Nach dessen Ende am 11. November 1918 kam die Ortsbevölkerung von Zilgendorf überein, eine bereits bestehende Privatkapelle der Familie Kühnert durch einen Neubau zu ersetzen, den man mit einem „Maria-Hilf-Bild“ ausstattete. Somit feiert dort die katholische Pfarrgemeinde Altenbanz seit Fertigstellung des Gebäudes zum 1. Mai 1921 alljährlich zu Beginn des Marien-Monats Mai die Kirchweih ihrer Marienkapelle.

Das Bauwerk – ein Kleinod als Ort des Gebets und der Einkehr – darf als Sinnbild für eine ausgeprägte Dorfgemeinschaft gelten. Die damalige Finanzierung sollte allein durch die Ortskasse „Zilgendorf“ gestemmt werden, also nicht mit Hilfe der Gemeinde Altenbanz, mit der eine gemeinsame „politische Gemeinde“ bestand.

Die Kosten alle selbst gestemmt

Im Gegenteil, am 5. Dezember 1920 hatte man von der „Vereinigung des Ortschaftsvermögens mit der Gemeinde Altenbanz“ abgesehen. Obwohl „das Geld in der Ortsgemeindekasse durch den Kapellenbau ziemlich aufgebraucht ist“, verzichtete man dafür sogar nach Beschluss auf die Auszahlung von Gemeindearbeit und Gemeindefuhren. Bereits am 8. Februar 1920 beschlossen die Zilgendorfer die Anschaffung einer Kirchenglocke im Wert von 1500 Mark. Allerdings reichte die vorgesehene Summe nicht aus, da der Liefervertrag der Firma Lotter (Bamberg) für das Geläut ein Gewicht mit 120 Pfund vorsah, also ein Wert zwischen 4000 bis 5000 Mark kalkuliert war. Die „hl. Muttergottes mit dem Jesuskind“ und die Inschrift „Ortsgemeinde Zilgendorf“ sollte als Zierde eingegossen werden.

Die Gewerbeanstalt Bayreuth stellte am 21. Juli 1920 ihre Rechnung für „Pläne“ in Höhe von 350 Mark. Der Staffelsteiner Bausachverständige Bötsch erhielt nach Bauvollendung im Mai 1921 für „Bauleitung und Anfertigung der nötigen Detail Zeichnungen „von jedem Besitzer 17 M Weizen, welche beim Ortspfleger geschüttet wird“. Nach seiner Pause wurde das Gebäude um einen Meter verlängert.

An die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert diese Gedenktafel in der Kapelle. Foto: Adelheid Waschka

Als Baumaterial erwarb man im Mai 1920 von Johann Graß weitere Steine „um den Preis von 130 M“ sowie die bereits erwähnten Quadersteine von Maurermeister Bährmann (Untersiemau). Zusätzlich kaufte man am 20. Juni die Vorgänger-Kapelle des Wolfgang Kühnert „auf Abbruch“, der dafür 310 Mark erhielt. Der Bauzeitenplan sah vor, dass der Rohbau bis Oktober 1920 auf dem Eigentum des genannten Kühnert errichtet werden sollte, der dafür mit einer Tauschfläche entschädigt wurde. Zudem verpflichtete er sich, „den Umkreis von 15 Metern um die Kapelle nicht zu überbauen und diesen Platz als Baumgarten zu erhalten.“

Zu diesem Zeitpunkt erschienen dem Ortsgremium die Maße des gefertigten Plans als zu gering, so dass der Wunsch aufkam, die Kapelle um einen Meter zu erweitern. Von Ortsführer Andreas Büttner kam jetzt auch die Anregung, diese Kapelle als Kriegergedächtnis-Bauwerk umzuwidmen, indem „eine Gedenktafel zur Erinnerung der Erbauung und zum Gedenken der im Weltkrieg Gefallenen der Ortsgemeinde“ angebracht werden sollte. Statt dem ursprünglich vorgesehenen Zeiler Sandstein, ließ man die Ausfertigung in schwarzem Marmor von dem Staffelsteiner Bildhauer Wilhelm Sauer ausführen.

Die Sache mit Türmchen

Am 22. Oktober 1920 wurde man auf einen Fehler des Zimmermeisters aufmerksam, der den Turm der Kapelle für die Glocke zu niedrig ausgeführt hatte. Dieser entgegnete: „Die Glocke geht mir nichts an, ich arbeite nach meiner Rechnung“. Das Protokollbuch berichtet von den weiteren Schritten, wie man diesen Fehler behoben hatte: „Auf telephonische Vermittlung des Bürgermeisters mit dem Bezirksbaumeister ist die Arbeit am Thurm einzustellen und die Eksäulen des Thurmes sind um 40 bis 50 cm zu erhöhen, damit die Glocke in der Schlisir hängt“. Die Kosten müsse der Zimmermeister übernehmen, „da er den Anordnungen des Herrn Bezirksbaumeisters nicht Folge leistete“. Das Ergebnis ist noch heute als die einzigartige und eigenwillige Form des Glockenturms zu erkennen, der als Dachreiter auf dem abgewalmten Satteldach und dem schlichten, rechteckigen Baukörper thront.

Glasfenster stammen aus Würzburg

Beeindruckend ist das „Maria-Hilf-Bild“ in der Kapelle. Foto: W. Lilie/Stadtbauamt

Die vier Glasfenster stammen von der „Ersten Würzburger Glasmalerei-Anstalt Matthias Niebeler“. Betstuhl und Altar wurden am 26. November 1920 nach vorliegender Zeichnung beim in Staffelstein wohnenden Bildhauer Peter Morgenroth bestellt. Am 27. April 1921 wurde die Gedenktafel „Platte „schwarz schwedisch Beschrift Gold“ für 485 Mark von Bildhauer Sauer quittiert. Sie erinnert an die Opfer des Ersten Weltkriegs: Christoph Graß und Georg Kühnert.

 

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