EBENSFELD

Sebastian Rau will Ebensfeld gestalten und voranbringen

Sebastian Rau will Ebensfeld gestalten und voranbringen
Sebastian Rauh ist seit Mai Mitglied im Gemeinderat. Davor war das Mitglied der Freien Wähler-Fraktion Ortssprecher von Döringstadt. Foto: Monika Schütz

Ebensfeld Die neuen Gemeinderatsmitglieder stellen sich und ihre Ideen vor. Beginnen wird Sebastian Rauh, der seit vergangenen Mai für die Freien Wähler im Gemeinderat von Ebensfeld sitzt.

Frage: Warum engagieren Sie sich in der Politik? Haben Sie schon „Erfahrung“, zum Beispiel durch Verwandte, Freunde? Oder waren Sie zu Gast bei einer Sitzung und dachten: Hoppla, das hätte ich genauso oder ganz anders entschieden? Sebastian Rauh:

Bereits vor meiner ersten Gemeinderatswahl im Jahr 2014 war ich in meiner Heimatortschaft Döringstadt ehrenamtlich aktiv, zum Beispiel als Vorstandsmitglied der Sportfreunde Döringstadt. Mein Engagement galt neben dem Verein aber auch immer der Dorfgemeinschaft, die mir als Zugezogener so viel gegeben und mich zu der Person gemacht hat, die ich heute bin. Getrieben von dem Gedanken, Döringstadt etwas zurückzugeben, suchte ich 2014 den Weg in die Lokalpolitik. 2014 hat es nicht für einen Sitz im Gemeinderat gereicht. Bewusst verzichte ich hierbei aber auf ein „leider“! Ich konnte somit mein Engagement im Amt des Ortsprechers auf die Interessen meiner Heimatortschaft fokussieren und einen ersten entfernten Blick auf die Arbeit des Gemeinderats machen. Hierbei stellte ich jedoch auch fest, dass ich meine Heimat direkt nur voranbringen und mitgestalten kann, wenn ich mich im Gemeinderat einbringe. Als es um die Aufstellung für die diesjährige Wahl ging, war die Entscheidung für die Kandidatur deshalb ganz klar: Ich versuche es wieder! Ich will Ebensfeld mitgestalten und voranbringen! Mit dem Blick für das „Ganze“, den ich in den vergangenen Jahren gewonnen habe, erweiterte ich meinen Fokus aber auf die Interessen der gesamten Gemeinde Ebensfeld.

Wer war der Ideengeber, wann kam der Entschluss: „Ja, jetzt mach ich mit!“? Rauh:

Ideengeber war 2014 der ehemalige Döringstadter Bürgermeisterkandidat Dietmar Mayer (FW). Dietmar wusste von meinem Engagement und motivierte mich, dieses in die Gemeindepolitik einzubringen. Der Entschluss für die diesjährige Kandidatur (2020) entstand durch die Arbeit als Ortssprecher von Döringstadt.

Die Aufstellung und Wahlvorbereitung ist das eine, wie war Ihr Gefühl nach der Stimmenauszählung? Waren Sie da live dabei, soweit es wegen Corona halt ging?

Rauh: Da am Wahlabend die strikten Einschränkungen noch nicht galten, konnten wir zumindest im sehr kleinen Rahmen die Auszählung via Onlineportal der Gemeinde-Homepage verfolgen. Doch bereits an diesem Abend zeichneten sich Kontaktreduzierungen der darauf folgenden Wochen ab. Ein Großteil des Wahlteams nahm aus Vorsicht am Wahlabend nicht teil. Die Vorfreude über den Wahlausgang wurde für mich deshalb deutlich gedämpft. Ob man sich für eine Wahlkandidatur zur Verfügung stellt, ist eine persönliche Entscheidung. Der Weg zur Wahl ist dann aber eine Gemeinschaftsleistung. Diese konnte ich trotz der sehr guten Ergebnisse für die FW-Ebensfeld somit nicht so feiern, wie es mir lieb gewesen wäre.

Wie ist es so, „Gemeinderatsluft“ zu schnuppern? Wo konnten Sie schon Akzente setzen oder ihre Ideen einbringen?

Rauh: Ob ich bereits Akzente setzen konnte, müssen meines Erachtens die Außenstehenden beurteilen. In jedem Fall versuche ich, meine Meinung, Gedanken und Ideen für die zukünftige Ausrichtung der Gemeinde Ebensfeld zu kommunizieren. Dies erfolgt sowohl in der Fraktion als auch im Gemeinderat selbst. In der Fraktion, wo die Ideen mit dem Wissen der alteingesessenen Gemeinderäte präzisiert werden, bin ich recht erfolgreich. Im Gemeinderat der durch eine politische Mehrheit der CSU-Fraktion geprägt ist, meist nicht so erfolgreich. Aber so ist eben Demokratie.

Sie sind jetzt schon genau ein halbes Jahr im Gemeinderat und in den verschiedensten Gremien. Bis zum Ablauf der Amtsperiode am 30. April 2026 ist es eine lange Zeit: Würden Sie sich wieder aufstellenlassen, oder haben Sie sich dieses Ehrenamt anders vorgestellt?

Rauh: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich die erste Frage mit einem klaren Ja beantworten. Ebensfeld hat bis zum 30.April 2026 und auch darüber hinaus noch viele Herausforderungen zu bestehen. Themen hierfür sind unter anderem der demographische Wandel, der im schlimmsten Fall zum „Ausbluten“ unserer Ortschaften führt. In meinen Augen sind wir hierfür und auch bei weiteren zukunftsprägenden Themen noch nicht optimal gewappnet. Um bei diesem Thema zu bleiben: Neue Baugebiete in Randlage wirken nur kurzfristig. In meinen Augen dienen sie vielmehr als Katalysator zu einer sozialen Ausdünnung unserer ländlichen Strukturen und Ortskerne. Ebensfeld muss sich bewusst werden über seine Stärken und Schwächen. Wir sind kein Industriestandort – trotz der guten Lage zur Autobahn 73. Wir haben Potenziale im Tourismus – wir befinden uns jedoch in einer gewissen Abhängigkeit von Bad Staffelstein. Was wir aber mit Sicherheit haben – und das wissen auch die meisten Bürgerinnen und Bürger spürbar zu schätzen: Wir haben ein funktionierendes Sozialleben in allen Ortschaften! Wir haben eine intakte Natur, die als Gegenpol zum beruflichen Alltag dient. Dies müssen wir erhalten und stärken. Hierfür werde ich mich weiter einsetzen! Ob ich mir das Ehrenamt anders vorgestellt hätte? Jein. Sicher, der Gemeinderat als kleinstes demokratisches Parlament ist ein politischer Schauplatz. Als Person, die für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Ebensfeld angetreten ist, sehe ich bei manchen Entscheidungen, dass deren Interessen und Vorstellungen aus dem Fokus geraten. Alleine um unsere Bürger wieder vollumfänglich in den Fokus unseres Handelns zu rücken, sehe ich mich motiviert, auch zukünftig mein Engagement für eine zukünftsfähige, nachhaltige und bürgernahe Gemeindepolitik einzubringen. Ob die Bürgerinnen und Bürger weiterhin Vertrauen in mich und meine Arbeit haben, wird sich bei den Wahlen 2026 zeigen. Ich stehe bereit.

Wie ist die Zusammenarbeit, der Austausch mit Ihrem Fraktionsvorsitzenden Christian Böhmer?

Rauh: Die Zusammenarbeit mit meinem Fraktionsvorsitzenden Christian Böhmer geht Hand in Hand. Durch die intensive Arbeit bei den Wahlvorbereitung und den Wahlveranstaltungen hatte sich aber auch schon im Vorfeld zur Fraktionsarbeit ein gutes Team entwickelt. Es ist klar, der Fraktionsvorsitzende vertritt die Meinung der Fraktion sowohl im Gemeinderat als auch in der Öffentlichkeit. Was meiner Meinung nach aber noch wichtiger ist, ist wo diese Meinung sich bildet. Bei den Freien Wählern sind dies die Fraktionssitzungen, bei denen für die öffentlichen Tagesordnungspunkte der Gemeinderatssitzungen auch alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind. Diese Meinungen werden somit gehört und gehen direkt oder indirekt in die jeweils persönliche Entscheidungsfindung der Gemeinderatsmitglieder ein. Wenn auch durch die aktuelle Pandemie erschwert, ist es vielmehr eine Zusammenarbeit in die Bevölkerung hinein.

Haben Sie ein Hobby? Wie alt sind Sie?

Rauh: Ich durfte im September meinen 32. Geburtstag feiern. Bis vor knapp einem Jahr hätte ich bei der Frage nach meinen Hobbys schlicht mit „Fahrradfahren und Fußball“ geantwortet. Vielleicht hätte ich auch noch die Geselligkeit zu meiner Freizeitgestaltung gezählt. Heute würde ich aber ganz klar die politische Arbeit hinzufügen. Zwar mag diese häufig wenig zur Entspannung beitragen, und von einem Vergnügen kann auch nicht immer gesprochen werden, dennoch empfinde ich sehr viel Spaß und Freude dabei.

Was möchten Sie noch loswerden?

Rauh: Einen Appell, der sowohl für unsere Gesellschaft, aber auch für den Gemeinderat als dessen kleinstes demokratisches Abbild wichtiger denn je ist: Lasst uns wieder Demut leben!

Schlagworte