BAD STAFFELSTEIN

Schön Klinik: Herausforderungen zu Zeiten der Pandemie

Denny Luther (Pflegeleitung Neurologische Frührehabilitation) und Svenja Wilmer (Patientenmanagement) berichten für OTverbindet von ihrer Arbeit. Foto: Schön Klinik

Denny Luther (Pflegeleitung neurologische Frührehabilitation) und Svenja Wilmer (Patientenmanagement) arbeiten beide in der Schön Klinik in Bad Staffelstein. Sie schildern ihre persönlichen Eindrücke während des zurückliegenden „Corona-Jahres“.

Das begann mit dem ersten Lockdown im März 2020 . Der Lockdown, die Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen machten die Auswirkungen der Pandemie auch in Schön Klinik spürbar.

Denny Luther: „Es herrschte eine unterschwellige Unruhe. Unser Klinikalltag lief unter Berücksichtigung aller Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen im Großen und Ganzen weiter. Privat war jedoch alles von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Die Isolation durch den Lockdown war für uns alle spürbar. Unsere Laune wurde schlechter, wir mussten uns gegenseitig motivieren und die Angst nahm zu, spätestens dann, als in umliegenden Kliniken die Fallzahlen nach oben gingen und die Berichte aus Südeuropa das Ausmaß des Virus zeigten.

Wir in unserer ,Klinikwelt' befanden uns irgendwie in der Schwebe. Es gab während der ersten Welle keinen einzigen positiven Fall. Jedoch musste an viel mehr gedacht werden, zum Beispiel bei der Patientenaufnahme.

Svenja Wilmer: „Ohne negativen PCR-Test durfte kein Patient anreisen, die Abstimmung mit den einweisenden Kliniken war zunächst noch etwas holprig, da Testungen noch nicht in dem Rahmen durchgeführt wurden, wie es heute der Fall ist. Im Patientenmanagement nahmen die besorgten Anrufe deutlich zu, viele detaillierte Fragen von Patienten und Angehörigen, für die ich zum Teil noch keine Antworten hatte. Dies führte bei mir manchmal zur Überforderung. Sie ließ nach, als die Hygienekonzepte in unserer Klinik immer umfangreicher wurden und uns mehr Sicherheit gaben.“

Einschränkungen für neurologische Patienten

Denny Luther: „Für mich waren vor allem die Einschränkungen für die neurologischen Patienten sehr traurig, die keinen Besuch empfangen durften während der vielleicht schwersten Zeit ihres Lebens. Wir haben versucht, die Zeit für sie so angenehm wie möglich zu gestalten, mit ihnen nach draußen zu gehen, vorzulesen oder einfach nur für Gespräche da zu sein und per Telefon, Handy oder Tablet Kontakt zu den Angehörigen zu halten. Es war weiterhin ruhig, wir konnten uns mit den Einschränkungen gut arrangieren. Im Sommer sorgten die Lockdown-Lockerungen für Entspannung und es kehrte wieder innere Ruhe bei uns ein. Zu der Zeit wurde uns von der Klinik die kostenlose Teilnahme an einem Antikörper-Test angeboten. Durch die Urlaubszeit und die Möglichkeit zu verreisen, war das Virus eine Zeit lang nicht mehr real. Unser Haus nahm aus den umliegenden Kliniken Patienten in Kurzzeitpflege und Übergangsquarantäne auf. Zum Teil sehr betagte Senioren mit hohem Pflegebedarf. Im Spätherbst explodierten dann die Fallzahlen. Bis Dezember konnten wir das Virus aus unserer Klinik fernhalten, dann traten die ersten Fälle in der psychosomatischen Klinik auf. Mitte Dezember wurde uns von der Klinik eine kostenlose PCR-Reihentestung angeboten, damit wir alle vor den Weihnachtstagen mehr Gewissheit bekommen.“

Svenja Wilmer: „Auch ich begann mich verstärkt zu fragen: Was passiert jetzt, habe ich mich vielleicht auch angesteckt? All diese Fragen kamen unbewusst hoch und es fühlte sich nicht gut an. In der Klinik wurde ein Schnelltestzentrum eingerichtet, das auch jetzt weiterhin bei Patienten und Mitarbeitern mit Covid-Symptomen Abstriche macht.“

Denny Luther: „Kurz darauf gab es auch in der orthopädischen Abteilung positive Fälle. Völlig verschont blieben glücklicherweise bis dahin die neurologischen Stationen. Die Sorgen wurden aber nicht kleiner: Was passiert jetzt mit unserer Klinik? Was entscheidet das Gesundheitsamt? Was ist, wenn sich ein Kollege oder eine Kollegin infiziert? Was passiert, wenn ich mich anstecke? Diese Fragen haben uns zum Teil echt verrückt gemacht. Zum Glück haben wir ein sehr gutes Hygienemanagement und ein super ,Pandemie-Team', was uns sehr große Sicherheit gab und immer noch gibt. Anfang Januar gab es dann trotz aller Maßnahmen ein Infektionsgeschehen in der neurologischen Frührehabilitation. Unser erster Gedanke war ,Bitte nicht!', da gerade diese Patienten aufgrund ihres Krankheitsbildes schwere Krankheitsverläufe haben könnten. Die Station wurde sofort abgeschottet und zusammen mit dem Gesundheitsamt sehr engmaschige Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Mehrere Kolleginnen und Kollegen haben sich angesteckt, was für mich persönlich sehr erschreckend war, da ich ihre Angst und ihre Ungewissheit gespürt habe, was diese Erkrankung jetzt mit ihnen anstellt.

Wie die eigene Familie schützen

Ich glaube, das war der Zeitpunkt, an dem ich mich fragte: Wie kann ich meine Lieben zu Hause schützen? Ehrlich gesagt, ging es mir in dieser Zeit nicht darum, ob ich mich anstecke, sondern was dann mit meinen Kindern zu Hause sein könnte. Zum Glück ist dies nicht eingetreten. Durch den Aufnahme-Stopp in der Neurologie wurde die Atmosphäre ruhiger, obgleich die Sorge um die infizierten Patienten groß war.

Mittlerweile haben wir auch diese Situation gut überstanden, auch wenn noch nicht alle Kollegen wieder im Dienst sind. Es gab keinen schweren Krankheitsverlauf. Ein schönes Gefühl! Das Gesundheitsamt hat uns inzwischen die Freigabe zur Aufnahme neurologischer Patienten gegeben. Unser großes Dankeschön geht an alle Kolleginnen und Kollegen, die in dieser Zeit Unglaubliches geleistet haben und als Team füreinander eingestanden sind.“

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