BAD STAFFELSTEIN

Schandmaul rockt Bad Staffelstein

Schandmaul rockt Bad Staffelstein
Rockten die Seebühne: Schandmaul in Aktion. Foto: Werner Diefenthal

Geschichten in Lieder packen, dazu hämmernde Bässe, ein wummerndes Schlagzeug gepaart mit recht ungewöhnlichen Instrumenten wie Drehleier, Dudelsack oder Schalmei. Und dann noch die leicht kratzige, unverwechselbare Stimme von Thomas Lindner. Die Musik im Rock angesiedelt mit mittelaltelterlicher Einfärbung und lodernde Feuerstöße. Das alles und noch einiges mehr bekommt man, wenn Schandmaul auf der Bühne steht.

So auch am vergangenen Samstag in Bad Staffelstein, als sie auf der Seebühne auftraten. Nachdem man 2021 Corona-bedingt in den Rosengarten ausweichen musste, konnte man endlich wieder die Seebühne als Auftrittsort nutzen. Die Folgen: Man hat wieder freie Aussicht auf die Bühne.

Ein wenig leid konnte einem Thomas Lindner bei Beginn des Konzerts um 19 Uhr wirklich tun, stand er doch in der prallen Sonne, die unbarmherzig auf ihn schien. „Ich liebe die Sonne – aber nicht so!“, rief er dann aus. Nichtsdestotrotz wirbelte er auf der Bühne herum, riss das Publikum vom ersten Lied an mit, das nichts mehr auf den Sitzen hielt. Es gab zwar einige Lücken in den Sitzreihen oder besser gesagt im stehenden und tanzenden Publikum, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Überhaupt waren alle Altersklassen vertreten, teilweise in mittelalterlicher Gewandung feuerte man die Band an, die sichtlich ihre Freude hatte.

Mit richtig frechem Mundwerk

Schandmaul, was im übertragenen Sinn als „freches Mundwerk“ übersetzt werden kann, machte seinem Namen auch immer wieder alle Ehre. Sei es, als man die Besucher der nahegelegenen Therme ein wenig aufs Korn nahm, oder aber die Zaungäste, die „auch etwas davon haben sollen“. Mit leicht ironischen Seitenhieben, aber ohne jemals bösartig zu werden, wurden sie mehrmals mit in die Moderation einbezogen. Doch auch die Truppe selber kam nicht unbeschadet davon. „Wenn die Sonne scheint und auf Hard Rock trifft …“, begann er, als der Gitarrist zu spielen begann „… klingt das unheimlich sch…“. Ursache war eine falsch gestimmte Gitarre. Doch gekonnt überspielte er die kleine Panne und begann, nach einem kleinen Seitenhieb auf den Roadie einfach noch einmal von vorne.

Schandmaul rockt Bad Staffelstein
Feierten mit Schandmaul eine Mega-Party: Fans im Kurpark. Foto: Werner Diefenthal

Die Riffs gingen in die Beine, der Bass und das Schlagzeug wummerten im Bauch. Dazu die klanglich eingefärbten mittelalterlichen Sequenzen. Das alles sorgte für eine mehr als nur ausgelassene Stimmung, auch wenn man an der Klangqualität ein wenig feilen könnte. Die Stimme des Sängers war gelegentlich zu hoch ausgesteuert, wohingegen die Geige oft unterging. Aber das sind Kleinigkeiten, die wohl nur Klangfetischisten stören.

Doch dass Schandmaul nicht nur großartige Musik macht, sondern auch Texte schreibt, die den Nerv der Zeit treffen, das bewiesen sie mit „Narren sind bunt und nicht braun“, ein Lied für mehr Toleranz und gegen Rassismus. Als Thomas Lindner dieses Lied ankündigte mit den Worten: „Ich möchte, dass ihr dieses Lied nachher mitnehmt, denn ich glaube, ihr werdet genug von ihnen begegnen“ brach das Publikum in tosenden Applaus aus. Und immer neue Geschichten wurden erzählt. Ob über den Brandner Kasper oder das Märchen vom Froschkönig aus einer anderen Sichtweise, das Publikum erwies sich als äußerst textsicher.

Warnung vor den Fake-News

Mit „Die Königsgarde“ wurde auch Corona thematisiert. Nur gemeinsam, so Thomas Lindner, und mit Zusammenhalt könne man dies überstehen. Auch auf die falschen Nachrichten, oder Fake-News, wie es auf Neu-Deutsch heißt, ging man mit „Das Gerücht“ ein. Ein Lied, bei dem man genau hinhören sollte.

Schandmaul rockt Bad Staffelstein
Heizten nicht nur musikalisch ein, auch eine Feuershow ließ die Stimmung steigen. Foto: Werner Diefenthal

Doch Schandmaul kann nachdenklich und sanft. Bei „Dein Anblick“ konnte man zeitweise eine Stecknadel fallen hören. Als am Ende des Liedes der Sänger alleine auf der Bühne stand und den Chor, bestehend aus dem Publikum, dirigierte, wirkte er fast ein wenig verloren und verletzlich. Nach knapp zwei Stunden verabschiedete sich Schandmaul mit einem Ohrwurm: „Es war sehr schön mit euch“ sang Thomas Lindner, und wieder stimmte das Publikum ein, wollte die Band nicht von der Bühne lassen. Aber die Rufe nach einer Zugabe verhallten, pünktlich um 21 Uhr war Feierabend. Allerdings ließen es sich die Mitglieder von Schandmaul nicht nehmen, sich noch ein wenig Zeit abseits der Bühne für ihre Fans zu nehmen.

Zu gern hätte der ein oder andere auch noch ein wenig Zeit am Bierpavillon verbracht und in Erinnerungen geschwelgt, doch wurde man höflich, aber bestimmt schon vor 21.30 Uhr gebeten, den Kurpark zu verlassen. Und das trübt den eigentlich positiven Eindruck ein wenig.

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